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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Gesundbeten hilft…

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Beten hilft.
Nee, echt jetzt, wirklich.
Wer betet, leidet weniger Schmerzen. Das ist so. Wissenschaftlich nachgewiesen. Also so richtig wissenschaftlich, meine ich, nicht astrologisch-esoterich oder so.
Okay, okay, streng genommen geht es nicht um beten, sondern um Meditation, aber ist doch fast das selbe, oder?
Tatsache ist: Wer meditiert, kann damit in seinem Hirn Prozesse in Gang setzen, welche das Schmerzempfinden deutlich herabsetzen. An welche Götter, Engel oder Lichtwesen man dabei glaubt, ist allerdings egal. Streng genommen braucht man an gar nichts glauben.
Nicht der Glaube versetzt Berge sondern der Glaube daran, dass man an etwas glaubt. Klingt jetzt verwirrend, oder?
In früheren Jahrhunderten nannte man es halt Religion. Heute drückt man es anders aus, aber gemeint ist vermutlich das Gleiche.
….und das war jetzt meine vorösterliche Fastenpredigt.
In diesem Sinne:
Amen.

Written by medizynicus

21. April 2011 at 14:09

Gib ihr doch ein Placebo!

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„Frau Müller hat wieder Schmerzen!“
Ich unterdrücke einen Fluch.
„Wo denn?“
„Am Rücken natürlich!“
Aha. Natürlich am Rücken. Frau Müller hat immer Rückenschmerzen. Seit Jahren schon, seit Jahrzehnten. Hundertschaften von Ärzten haben seit jeher versucht ihr zu helfen und wie zu erwarten ist es niemandem gelungen. Frau Müller ist mächtig stolz darauf. Sie hält sich nämlich für ein medizinisches Rätsel. Meine ganz private Meinung möchte ich lieber für mich behalten, alles andere wäre höchst unprofessionell und würde den strafrechtlichen Tatbestand der Beleidigung erfüllen.
„Was habt Ihr denn schon gegeben?“
„Alles!“
„Wirklich alles?“
„NSAR, Opiate, Antidepressiva…“
„Nur Tabletten?“
„Tabletten, Spritzen, Infusionen, Pflaster…“
„Hmmm.“
„Gebt ihr zwanzig Tropfen Haldol!“
„Hatte sie auch schon.“
„Wirklich?“
„Zuletzt vor zwei Stunden.“
Psychiatrisches Konsil vielleicht? Ist auch schon gelaufen. Mehrfach. Und wenn sie gerade nicht gerade stationär bei uns liegt oder auf Reha oder in der Psychosomatik dann besteht ihre Hauptbeschäftigung darin, sämtliche Therapeuten und Seelenklempner im Umkreis von zwanzig Kilometern zu verschleißen.
Ich kratze mich am Kopf. Bohre in der Nase. Puhle im Ohr. Tippe mit dem Finger gegen die Stirn. Nützt alles nichts. Keine bahnbrechende Idee. Oder vielleicht doch?
„Wie wäre es mit einem Placebo?“
„Wird gemacht, Doc, wenn Du unterschreibst!“
Nutzen wird’s wahrscheinlich nicht. Aber zumindest keinen Schaden anrichten, und somit ist es einen Versuch wert.

Written by medizynicus

4. Oktober 2010 at 05:02