Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Skiurlaubsoap: Wieder zu Hause

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Der Rest des Urlaubs verlief eigentlich sehr harmonisch.
Wir waren jedenfalls sehr lieb zueinander, nachdem sich alle Mißverständnisse beim Frühstück in Luft aufgelöst haben.
Gemeinsam haben wir die letzte Flasche Sekt geköpft, bevor es dann wieder auf die Piste ging.
Natürlich habe ich mich nicht an das ärztliche Skifahrverbot gehalten. Und Schmerzpillen habe ich auch nicht eingeworfen. Mein Fuß hat nämlich gar nicht mehr wehgetan…
Allerdings habe ich mich, gemeinsam mit Rachel, zunächst erstmal an die blauen Pisten gehalten, erst später dann auch auf die Roten gewagt, als Tobias zu uns stieß, der letztendlich eingesehen hatte, dass er mit Andreas und Sarah kaum mithalten konnte.
Den beiden aber war es zu zweit wohl doch etwas langweilig, weil mit trauter Zweisamkeit lief da nämlich doch nichts. Also sind wir dann letztendlich doch meistens zu fünft gemeinsam gefahren.
Ach ja, und dann haben wir beim Aprés Ski diese Pistensau wiedergetroffen, Ihr wisst schon, wen ich meine. Der war plötzlich ziemlich kleinlaut – vor allem als Andreas beiläufig erwähnte, dass er Rechtsanwalt ist – und hat mir seine Visitenkarte mitgegeben, wegen der Versicherung. Sieht also ganz so aus, als bliebe ich doch nicht auf Dr. Goldschneiders Rechnung sitzen!
Samstag Abend waren wir dann noch alle gemeinsam schick essen, und am Sonntag sind wir dann wieder heimgefahren. Und heute früh geht es dann wieder in den bekannten Grauen Kasten.
Alles wie gehabt. Nur Sarah fehlt. Sollte ich ein schlechtes Gewissen haben?

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15. Februar 2010 at 07:10

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Skiurlaubsoap (Teil 11): Irrungen und Wirrungen

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Stimmengewirr vor der Tür. Rumpelrumpel, dann fliegt selbige geräuschvoll auf.
„Hallo?“
Eine Sekunde lang Stille.
Dann fliegt die nächste Tür auf.
„Was’n hier los?“
Ich liege bäuchlings mit entblößtem Oberkörper – naja, um genau zu sein auch ohne Hose – auf dem Doppelbett und Rachel kniet über mir und knetet auf meinem Rücken herum.
Andreas steht im Türrahmen und schaut uns mit großen Augen an, hinter ihm stehen Sarah und Tobias.
„Oh, Tschulligung, laßt Euch nicht stören!“
Die Tür fällt wieder ins Schloss und dann ist von draußen her Kichern zu hören.
Ich spüre, wie mir das Blut ins Gesicht schießt.
„Äh, lasst uns mal…“
Rachel lacht.
„Ist irgendwas?“
Also, bin ich ein Weichei, oder was?
„Nöö!“ sage ich.
„Dann leg Dich wieder hin,“ flötet sie, „und entspann Dich!“
Rachel kann verdammt gut massieren. Der Vollständigkeit halber sollte ich allerdings hinzufügen, dass sie vollständig bekleidet ist.
Ich tu wie mir geheißen, aber so richtig entspannen kann ich mich nicht mehr. Von draußen höre ich Geschirrklappern und von Kichern unterbrochenes Stimmengewirr.
Ich setze mich auf.
„Sorry, muss mal aufs Klo!“ schwindele ich, greife nach Hemd und Hose und verschwinde im Bad.
Als ich zurückkomme, ist auch Rachel aufgestanden.
„Kommste mit, noch was trinken?“
Wir setzen uns zu den Anderen. Die haben inzwischen den Eßtisch abgedeckt und hocken im Wohnzimmer auf meiner Schlafgelegenheit, trinken Wein und spielen Karten. Das heißt, nur Andreas und Tobias sitzen da, Sarah hat sich bereits ins Bett zurückgezogen. Da würde ich jetzt auch gerne hin, äh, in mein eigenes natürlich, aber das ist ja leider besetzt.
Die einzige Rückzugsmöglichkeit bietet das Doppelbettzimmer.
Und jetzt spüre ich die bleierne Müdigkeit, welche von den Beinen allmählich körperaufwärts kriecht. Wein und Massage haben ein übriges getan und Sekunden später falle ich in einen komatösen Tiefschlaf.
Als ich am nächsten Morgen aufwache, liegt Rachel neben mir.

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14. Februar 2010 at 07:02

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Skiurlaubsoap (Teil 10): Das Candlelightdinner

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Und was machen wir jetzt?
Erstmal auf den Schreck in der Kneipe nebenan ’nen Glühwein trinken.
„Weißt Du was?“ meint Rachel dann, „wir gehen jetzt einkaufen und dann kochen wir ein richtig tolles Abendessen! Mit Wein und Kerzen und allem, was dazu gehört!“
„Aber Du musst Dich jetzt nicht verpflichtet fühlen… ich meine, wenn Du wieder Skifahren willst…“
Rachel schüttelt den Kopf.
„Ich habe genug Blaue Flecken! Und morgen ist auch noch ein Tag!“
Angesichts der Umstände war Rachels Vorschlag wohl die vernünftigste Lösung. Und das Kochen machte sogar richtig Spaß – abgesehen davon, daß wir schon beim Kartoffelschälen die erste Flasche Wein geleert hatten und es wurden durchaus noch ein paar mehr.
Um fünf Uhr haben wir den Tisch gedeckt.
In unserem Appartement duftete es appetitlich.
Um halb sechs hatten wir eine weitere Flasche Wein geleert und unsere Freunde waren immer noch nicht aufgetaucht. Auch um sechs noch keine Spur von ihnen. Um halb sieben wurden wir nervös.
„Ihnen wird doch wohl nichts passiert sein?“ fragte Rachel.
War da nicht vorhin ein Rettungshubschrauber an der Piste?
Und warum ging niemand ans Telefon?
Um sieben erreichte ich endlich Andreas.
„Ja, ich hab schon gesehen, dass Ihr mehrmals versucht habt, anzurufen!“ sagte er, „Ist leider ziemlich laut hier!“
Seine Stimme klang schon ziemlich schwer.
„Nein, alles Okay. Wir sind noch einen trinken. Ihr braucht mit dem Essen nicht auf uns zu warten, es wird wahrscheinlich später…“
„Sie hätten uns ja etwas sagen können!“ meint Rachel.
Hätten sie wirklich.
Also essen wir halt allein und leeren dabei noch die eine oder andere Weinflasche.
Und dann kam Rachel auf die Idee, mir den Rücken massieren zu wollen.

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13. Februar 2010 at 07:07

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Skiurlaubsoap (Teil 9): Dr. Goldschneider

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Die beiden blonden Damen an der Rezeption sind ein zugegebenermaßen schöner Anblick. Allerdings denke ich mir, dass deren Designer-Outfit mit knappen Röckchen und fast durchsichtigen Blusen vielleicht ein wenig gewagt ist für medizinisches Assistenzpersonal. Dafür servieren sie uns richtig guten Espresso in Designertässchen und dazu leckere Amaretto-Kekse.
Anschließend geht es zunächst zum Röntgen. Erst danach dürfen Rachel und ich im Sprechzimmer Platz nehmen. Auch da ist alles ziemlich designermäßig: moderne Kunstwerke an den Wänden, ein Schreibtisch aus Glas und Chrom und Edelstahl und davor zwei unbequeme, dafür aber schick aussehende Stühlchen. Die sind für Patienten wie mich.
Der Herr Doktor hingegen thront in einem ledernen Chefsessel auf der anderen Seite des Schreibtischungetüms. Das heißt, momentan thront er noch gar nicht, weil wir müssen noch auf ihn warten.
So lange können wir uns die Röntgenbilder anschauen, die neben der Tür an einem riesigen Betrachterkasten aufgehängt sind.
Und dann kommt ER: Auftritt Dr. Goldschneider: Groß und athletisch, das grauweiße Haar kurz geschoren, leger im weißen Designer-Polohemd, weißen Jeans und weißen Marken-Turnschuhen. Fester Händedruck und joviales Lächeln. Blick aufs Röntgenbild, Griff ans Sprunggelenk, Griff ans Knie. Und bevor ich dazu komme, die Geschichte in aller Ausführlichkeit zu erzählen, winkt er ab:
„Sie haben eine Sprunggelenksdistorsion!“ sagt er.
Genau das sage ich meinen Patienten in der Notaufnahme auch, wenn ich mir halbwegs sicher bin, dass nichts gebrochen ist.
„Meine Mädchen machen Ihnen einen Aircast, Sie können sich die Farbe aussuchen…“
„Nein, keinen Gips!“
„Okay, dann nicht. mit dem Skifahren sollten Sie trotzdem pausieren. Wenn Sie ein Attest für die Versicherung brauchen…“
„Nicht nötig!“
„Okay, ich schreibe Ihnen etwas gegen die Schmerzen auf…“
Die Rechnung war übrigens fürstlich.
Interessant, zu sehen, dass es in unserer Branche offenbar doch noch durchaus lukrative Berufsfelder gibt.

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12. Februar 2010 at 07:04

Skiurlaubsoap (Teil 8): Hurra, die Pistensau!

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Wacker kämpfen wir uns den Hang hinunter. Das Thermometer an der Bergstation hatte zwölf Grad Minus angezeigt. Der Schnee ist entweder pulverig trocken, zwischendurch aber gibt es immer wieder tückische Eisplatten, auf denen wir vorsichtig entlangrutschen – und einmal lande ich kopfüber im Tiefschnee.
Rachel ergeht es nicht besser. Aber sie nimmt es mit Humor.
Am unteren Ende der Piste steht eine Skihütte.
„Ich glaube, wir haben uns einen heißen Kakao verdient!“ sage ich, „Ich lade Dich ein!“
Rachel ist einverstanden. Wir sind ganz froh, unsere Ski abschnallen zu können und treten ein.
Drinnen schallt uns der übliche Skihütten-Soundtrack entgegen.
Die Leute am Nebentisch trinken ein gefährlich aussehendes feuerrotes Getränk.
„Was ist denn das?“ fragt Rachel.
Also gut, probieren geht über studieren. Das Zeug schmeckt gut, und nach zwei oder drei davon machen wir uns – leicht schwankend wieder auf die Piste.
Na, vielleicht wird das ja doch noch ein ganz netter Urlaub werden, denke ich mir.
Zwei Minuten später muss ich diese Aussage revidieren.
Ich ziehe gemächlich meine Bahnen, als plötzlich ein Typ herangeschossen kommt – Ferrari gegen Kleinwagen – und ehe ich genau kapiere, was passiert ist liegen wir beide im Schnee.
Er hat sich schneller wieder aufgerappelt.
„Alles Okay, Kumpel?“
Nicht direkt, will ich sagen, aber da ist er schon wieder auf und davon.
Und dann steht Rachel neben mir.
„Irgendwas passiert?“
Mein rechtes Knie und das zugehörige Sprunggelenk tun höllisch weh.
„Nicht der Rede wert!“ presse ich unter Schmerzen hervor.
„Du musst zum Arzt!“ sagt Rachel.
„Nicht nötig, bin selber einer.“
„Keine Widerrede! Du hast schließlich keinen Röntgenblick!“
Dr. Goldschneiders Praxis für Orthopädie und Unfallchirurgie liegt ganz praktisch gleich bei der Talstation. Vom Pistenende aus braucht man kaum hundert Meter weit zu humpeln.
Am Empfang stehen zwei blonde Hostessen mit maledivensonnengebräunter Haut und makellos weißen Zähnen.
„Herzlich Willkommen!“ flötet die eine, „Wir nehmen alle Kreditkarten, Reiseschecks, Bargeld oder Bankkarte. Aber keine Krankenkassenkarten. Damit sind Sie doch einverstanden, oder?“
Was soll man auf so eine Frage antworten?
Rachel und ich nehmen im Wartezimmer auf Designerstühlchen Platz.
Auf dem Designertischchen liegen keine Gesundheitspostillen sondern Hochglanzmagazine und in der Ecke blubbert eine Designer-Espressomaschine vor sich hin, zur freien Bedienung.

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11. Februar 2010 at 07:01

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Skiurlaub mit Sarah (Teil 5)

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Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster schaue, macht mein Herz einen Sprung: Lauter weißüberzuckerte Berge sind da, und darüber ein strahlendblauer Winterhimmel.
Draußen ist es knackig kalt. Ich fühle mich ein wenig lächerlich in meinem funkelnagelneuen Skianzug, aber die Leute laufen hier schließlich alle so herum.
Gleich neben der Liftstation ist ein Skiverleih.
Ich weiß nicht, wie lange es her ist, seitdem ich zuletzt solche klobigen Skischuhe an den Füßen hatte!
Wenig später schweben wir im Sessellift nach oben. Rachel macht eine Menge Photos und Tobias bemüht sich, möglichst fotogen in die Linse zu grinsen.
Oben angekommen ist dann zunächst mal gleich ein Gruppenfoto fällig.
„Seid Ihr bereit?“ fragt Sarah.
Ich nicke.
„Treffen wir uns unten?“
Und dann ist sie auch schon losgebraust. Es sieht ziemlich elegant aus bei ihr. Andreas folgt ihr dicht auf den Fersen. Tobias ist nicht ganz so schnell und Rachel müht sich wacker ab.
Und ich?
Nun ja… ein wenig wackelig fühlt es sich an. Und es dauert genau eine Minute, da liege ich zum ersten Mal rücklings im Schnee.
Trotzdem schaffe ich es irgendwie nach unten. Die anderen lachen.
„Am besten teilen wir uns auf!“ schlägt Andreas vor, „Treffen wir uns in zwei Stunden wieder!“
Er nennt den Namen einer Hütte und zischt dann ab, mit Sarah im Schlepptau.
„Habt Ihr was dagegen, wenn wir die blaue Piste nehmen?“ frage ich die beiden anderen. Rachel stimmt dankbar zu.

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8. Februar 2010 at 07:00

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Skiurlaub mit Sarah (Teil 4)

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Um halb sieben fahren wir los.
Zwar haben wir eine Menge Gepäck dabei, aber Andreas’s Karre ist geräumig genug, außerdem sind wir ja nur zu dritt. Neben mir auf der Rückbank stapeln sich trotzdem diverse Skiutensilien.
Trotz Schneegestöber hier und Matschwetter dort kommen wir gut voran.
Problematisch wird es nur, als wir kurz vorm Ziel den örtlichen Bahnhof ansteuern.
Noch zwei Leute plus Gepäck? Dann wird’s aber wirklich kuschelig eng!
Im Schneegestöber vor dem Bahnhofsgebäude stehen zwei Gestalten. Der eine schlacksig mit Brille – so ein Nerd-Typ, eher schmächtig und seine Begleiterin… wow! Eine Frau, die ein jedes Männerherz höher schlagen läßt: Unter der Designer-Wollmütze lugt eine rabenschwarze Lockenpracht hervor, ihre Haut ist latte-macchiato-farben und ihr Lächeln… sie kommt auf uns zu, öffnet die Fahrertür von außen und winkt mit der linken Hand langsam einmal in die Runde.
„Hi!“ sagt sie mit ganz leichtem amerikanischem Akzent, „Ich bin Rachel!“
Dann schaut sie jeden von uns der Reihe nach an und eine Sekunde lang treffen ihre Augen auch die Meinen.
„Hi!“ sage ich. Zu mehr bin ich nicht in der Lage.
„Steig ein!“ sagt Andreas.
Rachel öffnet die hintere Tür und setzt sich zu mir auf die Rückbank.
Wow, denke ich, und nochmal Wow!
Neben mir sitzt ein leibhaftiger Hale-Berry-Klon, welcher für die nächste Woche mit mir ein Chalet teilen wird.
Wenn das nicht ganz großes Kino ist!
Andreas und der Nerd-Typ verstauen derweil das Gepäck, dann quetscht er sich als Dritter auf die Rückbank. Jeder von uns muss für den Rest der Fahrt mindestens ein Gepäckstück auf den Knien balancieren. Trotzdem schafft es Mr. Brillen-Nerd noch, mir über seine Begleiterin hinweg die rechte Hand entgegenzustrecken.
„Hallo, ich bin Tobias!“
Rachel und er kennen sich vom Studium her, erfahre ich dann, aber wie ….ähem…. intensiv genau sie sich kennen, das läßt sich nicht eindeutig eruieren. Ein gewisser Verdacht ist leider nicht ganz von der Hand zu weisen.
Wenig später erreichen wir unser Chalet.
Darunter braucht man sich allerdings leider keineswegs ein romantisches freistehendes Holzhäuschen mitten im Wald vorzustellen, es handelt sich eher um eine ganz normale Ferienwohnung in einem größeren Komplex. Es gibt zwei Schlafzimmer mit jeweils zwei Betten – davon eines mit Doppelbett und eines mit Stockbetten. Außerdem eine gemütliche Wohnküche und alles, was man sonst noch braucht. Die Sitzgarnitur im Wohnzimmer läßt sich leicht in ein weiteres Bett verwandeln.
„Wer schläft denn wo?“ frage ich vorsichtig.
Sarah steuert zielsicher das Kinderzimmer mit den Stockbetten an. Rachel folgt ihr. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Tobias’s Rucksack liegt schon im Doppelbettzimmer.
„Ich nehme das Wohnzimmer-Sofa!“ sage ich.
„Wenn es Dir nichts ausmacht…“ meint Andreas.
Macht es mir nicht. Wirklich nicht, ich bin doch nicht schwul.

Written by medizynicus

7. Februar 2010 at 08:42

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Skiurlaub mit Sarah (Teil 3)

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Nein, ich bin doch kein Weichei!
Ich stelle mich der Herausforderung, komme was da wolle, notfalls werde ich meinen Frust mit Glühwein und Bier beim Aprés Ski hinunterspülen.
„Ich bin dabei!“
„Prima.“
Sarah scheint sich wirklich zu freuen. Das ist ein gutes Zeichen.
„Allerdings habe ich keinerlei Skiausrüstung…“
„Macht doch nichts. Ski und Skischuhe kann man leihen. Das einzige, was Du brauchst, ist ein Skianzug…“
„Äh… Kostenpunkt…?“
„Gibt’s momentan gerade beim Discounter im Angebot!“
Donnerwetter, die Frau weiß wohl alles!
„Und sonst?“
„Warme Socken? Handschuhe? Alles Andere kannst du auch vor Ort besorgen!“
„Wann geht’s los?“
„Samstag Morgen. Andreas wollte mich um sechs Uhr abholen. Tobias und seine Bekannte werden mit dem Zug anreisen, die holen wir dann abends am Bahnhof ab.“
Hmm. Hmmm. Klingt alles sehr spannend.
Also dackele ich nach Feierabend dann gleich mal beim Discounter vorbei und erwerbe für neunundfünfzig Euro neunundneunzig einen Herren-Skianzug in Größe… ähem, also in passender Größe. Schickes No-Name-Label und megaschickes Design in den schrecklichsten Farben die man sich denken kann.
Und dann gehe ich heim, packe meinen Koffer und stelle den Wecker auf fünf Uhr früh.
Pünkltlich um fünf vor sechs klingele ich am Samstagmorgen bei Sarah.
Die sitzt gutgelaunt am Frühstückstisch und ihr gegenüber sitzt ein männliches Wesen, welches mir schon rein grundsätzlich aus Prinzip unsympathisch ist.
„Hallo, ich bin Andreas!“ sagt er mit einem Zahnpastalächeln im Gesicht und streckt mir seine Pranke entgegen.
Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl. Könnte es sein, dass dieser Kerl sich schon seit gestern Abend in dieser Wohnung aufhält? Was ist seither passiert? Was wird diese Woche noch alles passieren?
„Setz Dich!“ sagt Sarah, „magste noch nen Kaffee, bevor es losgeht?“

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6. Februar 2010 at 08:00

Skiurlaub mit… ?

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Ich bin genervt.
Sarah hingegen strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
„…einmal werden wir noch wach!“ singt sie und setzt ihr allersüßestes Lächeln auf.
Ich blicke von der Krankenakte Müller, Hans-Georg auf und lege das Diktiergerät zur Seite.
„Okay, und was ist dann?“
Sarah deutet an den großen Wandkalender, wo wir alle unsere Urlaubswünsche eingetragen haben.
„Schau mal da! Morgen nachmittag, spätestens um siebzehn Uhr werde ich meinen Kittel in den Schrank hängen. Und dann habe ich Urlaub. Eine ganze Woche lang!“
„Gratuliere. Ich auch.“
Sarah starrt mich mit großen Augen an.
„Ach!“
„Vergiss es!“ sage ich.
Sarahs gute Laune ist nur schwer zu ertragen. Jedenfalls habe ich keine Lust, ihr die Geschichte von dem gestrigen Telefongespräch mit der Verwaltung auf die Nase zu binden. Abgesehen davon habe ich immer noch keine Ahnung, wie und wo ich die nächste Woche verbringen werde. Bei Minusgraden und leise rieselndem Schnee mag Bad Dingenskirchen für Touristen vielleicht nett und romantisch aussehen, aber wenn man dort wohnt, ist es vor allem Eines: nämlich kalt. Verdammt kalt. Und ungemütlich. Und um lastminutemäßig irgendwohin wegzufliegen fehlt mir momentan die Kohle. Vor allem aber die Zeit und die Lust zum stundenlangen Reiseseitensurfen um irgendwelche megatollen Schnäppchen ausfindig zu machen.
Auch Lastminutebuchen will schließlich organisiert sein.
„Also, ich weiß, was ich mache!“ sagt Sarah.
„Erzähl!“
Nicht, dass es mich auch nur die Bohne interessieren würde.
„Ich werde Skifahren. Eine ganze Woche lang. Wir haben ein Chalet gemietet, mit ein paar Freunden…“
„Klingt romantisch!“
Was man von dem Tonfall meiner Antwort nicht gerade behaupten kann.
Ich nehme das Diktiergerät wieder in die Hand und tu so, als könne ich mich wieder auf Müller Hans-Georg konzentrieren. Kann ich natürlich nicht, also stehe ich auf und hole mir nebenan im Schwesternzimmer einen Kaffee ohne Sarah zu fragen, ob sie auch einen möchte.
Als ich zurückkomme, steht Sarah wie versteinert vor dem Wandkalender.
„Du hast Dir ja wirklich für nächste Woche Urlaub eingetragen!“
„Sag ich doch!“
„Weiß ich ja gar nichts von.“
„Hat mir die Verwaltung auch gestern erst geschenkt.“
„Und was machst Du?“
Kleine Kolleginnen auffressen, will ich sagen, tu ich aber natürlich nicht. Stattdessen sage ich gar nichts, setze mich an den Schreibtisch und tu so, als wolle ich mit dem Diktat wieder anfangen.
„Hast Du Lust, mitzukommen?“
Fast wäre mir meine Kaffeetasse aus der Hand gefallen.
„Ich?“
Sarah lacht.
„Kannst Du Skifahren?“
Können ist übertrieben. Okay, ich habe mal auf so Dingern gestanden, aber das ist schon ziemlich lange her. Ob ich jetzt noch auf Brettern einen Hang runter rutschen könnte ohne mir sämtliche Knochen zu brechen, wage ich zu bezweifeln. Und abgesehen davon besitze ich keinerlei Skiausrüstung und erst recht nicht die Kohle um mir das Zeug jetzt alles zuzulegen.
„Vergiss es!“ sage ich und gehe hinunter in die Notaufnahme.

Written by medizynicus

4. Februar 2010 at 12:00