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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Dienstblut

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Bad Dingenskirchen, fünf Uhr nachmittags.
Die Kollegen verabschieden sich allmählich in Richtung Feierabend… alle… bis auf einen… und der Eine ist?
Na, wer wohl?
Die Tür zum Dienstzimmer springt auf und Kollege Martin Bückling kommt rein.
„Hast Du Dienst?“ fragt er und in seinem Gesicht steht die Scheinheiligkeit geschrieben. Ohne meine Antwort abzuwarten fährt er fort:
„…ich hätte da noch ein Blut anzuhängen. Krause, Horst-Willi, Zimmer dreihundertzölf!“
Sagt’s und verpieselt sich.
Zehn Minuten später ruft das Labor an.
„Sind Sie für den Herrn Krause zuständig?“
Äh…. wie man’s nimmt….
„Das Kreuzblut ist nicht unterschrieben!“
Jeder weiß: Es gibt Dinge, da muss man päpstlicher sein als der Papst.
Die Blutgruppenbestimmung vor einer Transfusion gehört zu diesen Dingen.
Ich murmele eine Entschuldigung – nein, ich frage mich jetzt nicht, wofür ich mich jetzt entschuldigen muss – und dackele los ins Chirurgenrevier um das Blut noch einmal abzunehmen.
„Soll das Blut heute gegeben werden?“ fragt die Schwester.
Ich nicke.
„Ist es wirklich dringend?“
Woher soll ich das wissen? Im Zweifelsfall lieber ja.
„Dann müssen wir es als Notfall laufen lassen! Da müssen Sie nochmal mit dem Labor reden….“
Danke aber auch, Kollege, wirklich vielen Dank! Jetzt muss ich mir auch noch eine Begründung einfallen lassen!
„…übrigens hat der Patient noch keine Viggo!“
Gaanz ruhig bleiben, jetzt gaaaanz ruhig bleiben und bis dreihundertneunundneunzig zählen!
Übrigens hat Herr Krause, Horst Willi die beschissensten Venen, die mir seit Jahren untergekommen. Ich brauche drei Versuche, um da einen venösen Zugang hineinzufrickeln.
Aber das war abzusehen.

Written by medizynicus

4. November 2010 at 05:06

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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