Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Ich habe fertig mit Winter

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„Und pass gut auf meine Lady auf, ja?“
Matze Greding schaut nervös auf die Anzeigetafel über unseren Köpfen.
„Aber selbstverständlich tu ich das!“
Ich bemühe mich zu lächeln. In Wirklichkeit habe ich nämlich nicht den Hauch einer Ahnung, wie man mit dieser Lady umzugehen hat.
„Ich habe Dir ja alles erklärt, was Du wissen musst!“ sagt Matze.
Ob mein momentaner Gesichtsausdruck wohl für so etwas wie die Imitation von Zuversichtlichkeit durchgeht?
„Klar hast Du das! So ausführlich, dass Du mir gar nicht erzählen konntest, wohin Deine Reise eigentlich geht…“
„Florida.“ sagt Matze kurz.
„Du bist wirklich zu beneiden!“
„Ich habe seit Jahren keinen richtigen Urlaub mehr gehabt…“
„Willkommen im Club!“
„…aber die Verwaltung wollte mir den Resturlaub ja nicht auszahlen!“
„Und deswegen musstest Du ihn nehmen. Mensch, Du hättest es schlimmer treffen können, oder?“
Matze fährt nervös mit der Hand durch seine grauen Haare. Sein Schnauzbart zittert leicht.
„Aber auf die Lady musst Du gut aufpassen, ja?“
„Hab ich doch versprochen!“
Die Anzeigetafel klackert.
„Du musst zu Gate vierunddreißig!“ sage ich und klopfe ihm auf die Schulter.
Matze langt in seine Jackentasche und drückt mir den Autoschlüssel in die Hand.
„Ja, dann geh ich mal…“
„Viel Spaß in Florida!“
Ich drücke seine Hand. Die ist schweißnass.
Langsam geht er in Richtung Sicherheitskontrolle. Kurz vorher dreht er sich noch einmal um.
„Und pass auf die Lady auf, ja?“
„Mach ich. Und schreib uns eine Postkarte!“
Endlich ist er hinter der Glastür verschwunden.
Zehn Minuten später sitze ich am Steuer einer tiefergelegten Rennflunder mit gefühlten dreihundertfünfzig PS. Vorsichtig bugsiere ich das Teil aus dem Parkhaus auf die Zubringerstraße.
Schön vorsichtig umgehen mit der Lady, habe ich Matze versprochen.

Written by medizynicus

29. März 2013 at 15:57

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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Landunter

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Liebe Gemeinde,
diese Zeilen schreibe ich an Bord eines Fliegers, welcher soeben im Begriff ist, mich an einen wunderschönen warmen und sonnigen Ort zu transportieren an welchem ich die Feiertage genießen werde. Ich nippe gerade an einem Glas trockenem Weißwein und nage an einer ziemlich trockenen Hähnchenkeule und genieße jede Sekunde, die mich um ein paar weitere Kilometer von Bad Dingenskirchen wegbringt.
Unter mir sind weiße Wölkchen und noch viel weiter unten müsste jetzt gleich irgendwann eigentlich das Meer sein und ich stelle mir gerade vor, dass unser vielgeliebtes Kreiskrankenhaus auf dem Grund ebenjenes Meeres versunken wäre.
Wie ich darauf komme?
„Ihr habt wohl gerade Landunter!“ sagte Dr. Kaiser heute früh.
Herr Dr. Kaiser ist bekanntlich Hausarzt und er hatte mich angerufen, weil Oma Piesbichler gerade vor ihm saß mit einem Entlassbrief in der Hand. Der Brief war in meiner Handschrift geschrieben und die kann selbst ich nur selten entziffern.
„Och, geht so!“ hatte ich mit gepflegtem Understatement geantwortet. Aber da wusste ich ja noch nicht, was dieser letzte Arbeitstag vor Ostern noch alles bringen würde…
Aber der ist jetzt vorbei. Und wenn Ihr zufällig irgendwo hoch über Euch ein kleines Fliegerchen sehen solltet mit Kurs nach Süden, dann denkt an mich, denn da sitze ich drin und winke Euch zu!

Written by medizynicus

22. April 2011 at 05:44

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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Berge… Pulverschnee… Sonne….

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Strahlend blauer Himmel… sibirisch klirrende Kälte… kitschig postkartenschönes Bergpanorama… das Klackern der Sesselliftsessel an den Stützpfeilern… das sanfte Knirschen des pulverigen Pulverschnees… das Glitzern der Schneekristalle in der Sonne… der Duft nach Frittenfett und alkoholischen Heißgetränken auf der Skihütte samt zugehörigem Soundtrack…
Mehr zu bloggen gibt’s heute nicht.
Ach ja, eine Kleinigkeit doch:
Sowohl das Doppelbettzimmer als auch das Stockbettenzimmer sind ausschließlich vom Wohnzimmer aus begehbar. Wer nachts von einem ins andere Zimmer will, muss an mir vorbei. Bislang habe ich noch keine besonderen Vorkommnisse registriert.
Und zum Aprés Ski waren wir gestern allesamt viel zu müde.

Written by medizynicus

9. Februar 2010 at 08:35

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Skiurlaub mit Sarah (Teil 2)

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O Mann, was bin ich doch für ein Hornochse!
Noch in der Tür drehe ich mich um.
„Ähem… Du meinst das wirklich ernst?“
Sarah strahlt mich an, so wie sie eigentlich meistens strahlt.
„Glaubst Du, ich würde Dich verarschen?“
„Ähem… also so richtig gut Skifahren kann ich aber nicht…“
„Darauf kommt’s doch nicht an. Notfalls kannst Du ja auch nen Kurs machen. Also, hast Du Lust, oder nicht?“
Ob ich Lust habe? Auf einen gemeinsamen Urlaub mit Sarah? Ist der Papst katholisch?
„Also Lust schon, aber…“
„Aber?“
„Was kostet der Spaß denn?“
„Halb so wild. Das Chalet gehört Bekannten von Andreas. Genauer gesagt Bekannten von einem Onkel von Andreas, und deswegen ist es unschlagbar günstig. Außerdem liegt es direkt an der Skipiste, fünf Minuten vom Lift…“
Moment mal… mir ist, als hätte ich gerade an eine Starkstromleitung gepackt.
„Wer ist denn Andreas?“
„Mein Ex-Freund.“
Autsch! Das waren mindestens zehntausend Volt.
„Und wer fährt sonst noch mit?“
„Tobias ist der beste Kumpel von Andreas. Und er bringt noch jemanden mit, eine Bekannte von ihm. Aber die kenne ich nicht.“
Kurze Rechnung: Zwei Mädels und zwei Jungs. Zwei potentielle Pärchen, von denen eines sogar mal eins war.
Dünnes Eis, denke ich mir, verdammt dünnes Eis!
Ich glaube, ich sollte besser doch die Finger von der Sache lassen…. Noch ist es nicht zu spät, noch kann ich mir eine Ausrede ausdenken!

Written by medizynicus

5. Februar 2010 at 08:00

Skiurlaub mit… ?

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Ich bin genervt.
Sarah hingegen strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
„…einmal werden wir noch wach!“ singt sie und setzt ihr allersüßestes Lächeln auf.
Ich blicke von der Krankenakte Müller, Hans-Georg auf und lege das Diktiergerät zur Seite.
„Okay, und was ist dann?“
Sarah deutet an den großen Wandkalender, wo wir alle unsere Urlaubswünsche eingetragen haben.
„Schau mal da! Morgen nachmittag, spätestens um siebzehn Uhr werde ich meinen Kittel in den Schrank hängen. Und dann habe ich Urlaub. Eine ganze Woche lang!“
„Gratuliere. Ich auch.“
Sarah starrt mich mit großen Augen an.
„Ach!“
„Vergiss es!“ sage ich.
Sarahs gute Laune ist nur schwer zu ertragen. Jedenfalls habe ich keine Lust, ihr die Geschichte von dem gestrigen Telefongespräch mit der Verwaltung auf die Nase zu binden. Abgesehen davon habe ich immer noch keine Ahnung, wie und wo ich die nächste Woche verbringen werde. Bei Minusgraden und leise rieselndem Schnee mag Bad Dingenskirchen für Touristen vielleicht nett und romantisch aussehen, aber wenn man dort wohnt, ist es vor allem Eines: nämlich kalt. Verdammt kalt. Und ungemütlich. Und um lastminutemäßig irgendwohin wegzufliegen fehlt mir momentan die Kohle. Vor allem aber die Zeit und die Lust zum stundenlangen Reiseseitensurfen um irgendwelche megatollen Schnäppchen ausfindig zu machen.
Auch Lastminutebuchen will schließlich organisiert sein.
„Also, ich weiß, was ich mache!“ sagt Sarah.
„Erzähl!“
Nicht, dass es mich auch nur die Bohne interessieren würde.
„Ich werde Skifahren. Eine ganze Woche lang. Wir haben ein Chalet gemietet, mit ein paar Freunden…“
„Klingt romantisch!“
Was man von dem Tonfall meiner Antwort nicht gerade behaupten kann.
Ich nehme das Diktiergerät wieder in die Hand und tu so, als könne ich mich wieder auf Müller Hans-Georg konzentrieren. Kann ich natürlich nicht, also stehe ich auf und hole mir nebenan im Schwesternzimmer einen Kaffee ohne Sarah zu fragen, ob sie auch einen möchte.
Als ich zurückkomme, steht Sarah wie versteinert vor dem Wandkalender.
„Du hast Dir ja wirklich für nächste Woche Urlaub eingetragen!“
„Sag ich doch!“
„Weiß ich ja gar nichts von.“
„Hat mir die Verwaltung auch gestern erst geschenkt.“
„Und was machst Du?“
Kleine Kolleginnen auffressen, will ich sagen, tu ich aber natürlich nicht. Stattdessen sage ich gar nichts, setze mich an den Schreibtisch und tu so, als wolle ich mit dem Diktat wieder anfangen.
„Hast Du Lust, mitzukommen?“
Fast wäre mir meine Kaffeetasse aus der Hand gefallen.
„Ich?“
Sarah lacht.
„Kannst Du Skifahren?“
Können ist übertrieben. Okay, ich habe mal auf so Dingern gestanden, aber das ist schon ziemlich lange her. Ob ich jetzt noch auf Brettern einen Hang runter rutschen könnte ohne mir sämtliche Knochen zu brechen, wage ich zu bezweifeln. Und abgesehen davon besitze ich keinerlei Skiausrüstung und erst recht nicht die Kohle um mir das Zeug jetzt alles zuzulegen.
„Vergiss es!“ sage ich und gehe hinunter in die Notaufnahme.

Written by medizynicus

4. Februar 2010 at 12:00