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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Schöner Hinrichten mit Jacksonmilch?

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Das milchig-weiße, ein wenig dickflüssige Narkosemittel Propofol ist inzwischen auch bei Nichtmedizinern allgemein bekannt: spätestens seitdem sich Michael Jackson damit über den Jordan gespritzt hat (oder gespritzt worden ist, so genau weiß das ja wohl keiner – das Copyright für den Begriff Jacksonmilch gebührt übrigens selbstverständlich der OP-Tisch-Pilotin).
Das mit dem Über-den-Jordan-spritzen ist eigentlich meistens ein eher unerwünschter Nebeneffekt, es sei denn, man ist Profikiller bei der Mafia oder staatlich angestellter Henker, zum Beispiel in den USA.
Die amerikanischen Henker legen ihre Opfer… äh, Klienten? Kunden? Patienten? Was auch immer, jedenfalls die totzumachenden Menschen nämlich vorher in Narkose, bevor sie ihnen mit einem Schuss Kaliumchlorid das Licht ausblasen. (amerikanischen Ärzten ist es übrigens verboten, zu diesem Zweck venöse Zugänge zu legen).
Dazu nahm man bislang das Mittel Thiopental, Ersatzweise Pentobarbital (und nicht Phenobarbital – dank an Jan fùr den Hinweis, welches von Firmen mit schön klingenden Namen wie „Dream Pharma“ aus der EU importiert wurde.
Das Zeug ist mittlerweile immer schwieriger zu beschaffen, weil die EU den Export von Folterwerkzeugen und Hinrichtungsgeräten verbietet.
Jetzt will man also auf Propofol umsteigen. Das Zeug kommt aus Deutschland. Und soll auch schöne Träume machen.
Und weil es eh in rauhen Mengen. An US-Krankenhäuser und Großhändler exportiert wird, kann man kaum kontrollieren, ob sich nicht hier und dort die eine oder andere Henkersmannschaft etwas abzweigt…

Written by medizynicus

16. Juni 2012 at 19:15

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Dreck am Stecken – US-Menschenversuche in Guatemala

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Guatamala, im Jahre 1946: Vor dem zentralen Gefängnis der Hauptstadt ist ein Trupp Gringos eingetroffen. Die gut gekleideten Herren verlangen, den Direktor zu sprechen. Sie sind Ärzte und Wissenschaftler, behaupten sie und sie planen ein Forschungsprojekt. Es geht um Syphillis. Sie möchten herausfinden, ob das schon vor über zehn Jahren entdeckte aber erst jetzt in ausreichenden Mengen verfügbare Penicillin nicht nur zur Behandlung, sondern auch zur Prophylaxe der Krankheit geeignet ist.
Zu diesem Zweck haben sie eine Anzahl von Prostituierten aufgespürt, die sich mit der Krankheit infiziert haben. Diese Damen werden nun ihre Dienste einer Reihe von Gefangenen anbieten – selbstverständlich ohne Kondom. Die Wissenschaftler warten diskret nebenan und stoppen die Zeit. Anschließend werden die Gefangenen beobachtet und getestet und gegebenenfalls mit Penicillin behandelt. Allerdings haben sich zu wenige Probanden angesteckt. Man wiederholt das Experiment, indem man jetzt gesunde Prostituierte künstlich mit Syphillis infiziert, bevor diese dann im Gefangenen zusammengebracht werden.
Es folgen weitere Versuchsreihen. Die Patienten einer Psychiatrischen Anstalt werden direkt mit den Erregern infiziert (irgendwie hat man Bedenken, für diese Klientel Prostituierte einzusetzen).
Mehrere hundert Menschen werden absichtlich infiziert. Eigentlich sollen alle Infizierten beobachtet und auch behandelt werden, aber mit der Behandlung klappt es nicht immer, einige der Probanden verliert man aus den Augen, möglicherweise scheint es Probleme mit der Compliance und auch mit der Medikamentenversorgung gegeben zu haben. Wie viele Menschen Spätfolgen davon getragen haben oder gar gestorben sind, ist nicht bekannt.
Die Ergebnisse der Studie wurden nie publiziert. Bis dann vor wenigen Jahren eine Medizinhistorikerin die Unterlagen zufällig fand. Eigentlich hatte sie an einem Buch über einen anderen, kaum weniger ungeheurlichen Menschenversuch gearbeitet.
Jetzt haben sich prominente Vertreter der US-Regierung, darunter auch Präsident Obama bei den Opfern und beim Guatemaltekischen Volk entschuldigt.

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Written by medizynicus

5. Oktober 2010 at 05:17