Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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lieber doch nicht käuflich

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„Kommste auch?“ fragt Martin Bückling.
„Äh… wohin?“
„Fortbildung. Heute Nachmittag um fünf!“
„Ach nee…“
Ich habe noch eine Menge zu tun heute und hatte mir eigentlich vorgenommen, halbwegs pünktlich nach Hause zu kommen. Das ist zumindest der Plan.
„Es lohnt sich aber!“ sagt Martin und grinst verschwörerisch.
„Ach ja?“
„Es gibt Essen. Kaffee und Kuchen. Und Schnittchen. Und vielleicht sogar Pizza!“
Hätte ich mir doch gleich denken können. Martin weiß immer als erster Bescheid, wenn es irgendwo irgendwas abzustauben gibt.
Um die Sache kurz zu machen: Da Frühstück und Mittagessen wieder einmal ausgefallen sind, treibt mich mein knurrender Magen dann doch kurz vor fünf in den Seminarraum. Und da sitzen Martin Bückling und Oberarzt Biestig und noch ein paar andere und mümmeln, was das Zeug hält.
Ich inspiziere das Buffet: Plastik-Kuchen vom Discounter, Brötchenhälften mit Billig-Wurst oder vertrocknetem Käse, dazu ein paar Flaschen Zuckerplörrelimonade.
„So, meien Damen und Herren, dann darf ich Sie alle recht herzlich zu meinem Vortrag willkommen heißen!“ sagt ein Typ in schlechtsitzendem Anzug, klatscht in die Hände und wirft den Beamer an.
„Ich habe mir zwei Stunden Zeit genommen für Sie und möchte Ihnen gerne etwas über unser neues Medikament erzählen, welches…“
O nein! Der Kuchen ist ungenießbar. Ich bugsiere meinen Pappteller in Richtung Papierkorb und bereue die vorübergehende Geistesschwäche, die mich bewog, diesen Raum zu betreten. Der Vortrag ist einfach nur grausam.
Warum piepst mich bloß keiner an?

Written by medizynicus

3. November 2011 at 18:23

Monsterdoc hat unser Buch gelesen – und darüber geschrieben

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Chefarzt  Monsterdoc  schreibt:

Diesen medizinsatirischen Roman kann man jedem empfehlen, der medizinisch tätig war, ist, oder sich dafür interessiert. Daumen hoch für Balthasar und die Kunst des Heilens. Abschließend würden mich noch zwei Fragen interessieren: Wie können 2 Autoren ein zusammenhängendes Buch schreiben? Und: Wann wird es verfilmt? Ich könnte da Kontakt zu einem durchgeknallten Filmteam herstellen …

Danke, Cheffe!

Tja, und was Deine Fragen angeht: Wie wir das hingekriegt haben… das wissen wir selbst nicht. Monatelang haben wir ausschließlich über Email kommuniziert. Im echten Leben getroffen haben wir uns erst… als das Buch schon halb fertig war. Ja, und den Kontakt zu dem durchgeknallten Filmteam… darauf können wir gerne nochmal zurückkommen!

Written by medizynicus

9. Juli 2011 at 20:33

Veröffentlicht in Das Buch

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Bei Erkältung sofort Pillen schlucken! – sagen die Pillenhersteller

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Ein Schnupfen dauert eine Woche. Und wenn man Pillen schluckt, dann geht er in sieben Tagen vorbei, das ist allgemein bekannt.
Der Unterschied: Mit Pillen sind Fieber und Kopfschmerzen vielleicht leichter zu ertragen. Man kann sich aber auch einfach ins Bett legen mit heißem Lindenblütentee und einem guten Buch.
Ein steifer Grog wirkt übrigens genauso gut. Andere Leute sind tapfer und schleppen sich wie gewohnt weiter zur Arbeit…
So geht’s nicht weiter, heißt es nun in einer Pressemitteilung der Stada GmbH, ihres Zeichens Herstellerin verschiedener freiverkäuflicher Erkältungsmittelchen.
Die Meldung wurde seither in verschiedenen Medien, etwa auch in der Ärztezeitung weiterverbreitet.
„Sechzig Prozent aller Deutschen reagieren viel zu spät!“ heißt es, wobei man eine eigens in Auftrag gegebene Meinungsumfrage zitiert. Wer gleich beim ersten Kratzen im Hals Pillen einwirft, könne damit gefährliche Komplikationen wie Nasennebenhöhlen- oder Lungenentzündung verhindern, suggeriert man und zitiert auch gleich eine passende Expertin.
Für diese Behauptung gibt es allerdings keinerlei wissenschaftliche Evidenz.
Es bleibt dabei: Ein Schnupfen ist ein Schnupfen ist ein Schnupfen und damit keine schwere behandlungsbedürftige Erkrankung sondern eine harmlose Befindlichkeitsstörung. Wer Angst hat, dass etwas Schlimmeres dahinter stecken könnte, kann zum Arzt gehen und wer ein guter Arzt ist, der dramatisiert die Geschichte nicht unnötigerweise sondern schickt den Patienten mit freundlichen guten Ratschlägen nach Hause.
Das sagt der gesunde Menschenverstand. Aber würden alle so handeln, dann wäre ein wichtiger Wirtschaftszweig ernsthaft in Gefahr. Und man sägt ja schließlich nicht gern an dem Ast, auf dem man sitzt.

Written by medizynicus

29. Oktober 2010 at 06:00