Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Posts Tagged ‘Whistleblowing

Was hat WikiLeaks mit der ärztlichen Schweigepflicht zu tun?

with 16 comments

Nichts? Gar nichts? Wirklich nichts? Oder doch?
Also gut, begeben wir uns wieder einmal nach Spelunkistan. Doktor Pfeiffemann ist dort Hausarzt. Und heute ist der Herr Kommerzienrat Grunznickel zu ihm in die Sprechstunde gekommen. Was fehlt ihm?
„Es geht mir gar nicht gut, Herr Doktor!“ seufzt er.
Doktor Pfeiffemann seufzt zurück. Allerdings nur heimlich in Gedanken. In Wirklichkeit schaut er seinen Patienten an, nickt ihm zu und bemüht sich um einen freundlich-interessierten Gesichtsausdruck.
„Meine Nerven, Herr Doktor,“ jammert der Herr Kommerzienrat, „Meine Nerven sind angeschlagen. Können Sie mir dafür etwas verschreiben?“
„Was schlägt Ihnen denn so auf die Nerven?“ fragt der Herr Doktor.
Der Patient schaut sich vorsichtig um. Dann fängt er an, zu berichten, mit gesenkter Stimme.
„Sie wissen doch, Herr Doktor, ich arbeite im Ministerium. Und da habe ich ein paar Sachen erfahren…“
Lassen wir die Details. Nur soviel: was da passiert, das ist schon eine ausgemachte Sauerei. Eine Korruptionsaffäre erster Güte! Nur gut, dass davon noch nichts an die Presse gedrungen ist.
„…und Sie, Herr Doktor, Sie behalten doch auch für sich, ja?“ versichert sich der Patient und legt verschwörerisch den Zeigefinger auf den Mund.
Der Herr Doktor nickt geistesabwesend, dann unterschreibt er das Rezept.
„Eine Tablette zweimal täglich!“ sagt er, drückt seinem Patienten die Hand und geleitet ihn zur Tür.
Sobald selbige ins Schloß gefallen ist, greift der Herr Doktor zum Telefon und ruft – selbstverständlich anonym und mit Anrufernummerunterdrückung den Whistleblowerjournalisten seines Vertrauens an.
„Du ich hätte da etwas für Euch….“

Written by medizynicus

14. März 2011 at 05:15

Whistleblowing: Medizynicus bläst die Pfeife

with 6 comments

Leute, es ist soweit, Medizynicus wird in die Pfeife tuten!
Worum es geht?
Also gut: stell Dir vor, Du erfährst da irgendwas. Irgendwas, was vielleicht nicht für Deine Ohren bestimmt war. Irgendeine ausgemachte Sauerei:
Vielleicht bist Du Patient und irgendein Gesundheitsbürokrat in der Krankenkasse oder sonstwo will Dich für dumm verkaufen. Oder Du kriegst mit, dass ein Arzt medizinisch sinnlose aber potentiell höchst gefährliche Pseudomedizinsache verkaufen will. Oder Du schleppst Dich als nach einem anstrengenden Vierundzwanzigstundendienst in der Notaufnahme noch weitere zwölf Stunden durch die Krankenhausflure… und wirst dann auch noch von der Verwaltung um einen Teil Deines Gehaltes beschissen…
Du denkst, dass sowas an die Öffentlichkeit gehört?
Richtig so!
Schick Deine Geschichte an Medizynicus (m e d i z y n i c u s (bei) g m x (punkt) n e t)
Whistleblowing heißt das auf Neudeutsch.
Aber halt… ist das nicht dasselbe wie Petzen? Und ist Petzen nicht böse?
Nein, ist es nicht.
Medizynicus wird:

  • Geschichten, die an ihn herangetragen werden auf gewohnt satirisch- oder auch nachdenkliche Weise verarbeiten
  • Medizynicus behält sich vor, den Sachverhalt nachzurecherchieren.
  • Medizynicus wird niemals den Namen eines Whistleblowers gegen seinen Willen bekanntgeben oder weitergeben.
  • Medizynicus wird auch keinen konkreten Namen des Ortes des Geschehens geben. Ausnahme: Der Fall ist bereits bekannt.

Written by medizynicus

7. Februar 2011 at 23:21

Whistleblowing – oder: wer bläst die Pfeife?

with 6 comments

Petzen ist böse, das lernt man schon im Kindergarten: Wenn der Kevin dem Justin im Sandkasten die Schaufel über den Kopf haut, und der Marvin sieht das, dann soll der Marvin am besten ganz feste die Augen zumachen und das Maul halten. Nicht, weil er sonst selbst vielleicht vom Kevin vermöbelt werden könnte, sondern weil sich das einfach so gehört.
Und wenn sie dann alle etwas älter sind, dann schubst der Kevin den Justin vielleicht vor die S-Bahn oder schiebt ihm ein Messer zwischen die Rippen und der Marvin schaut zu und sagt nichts, weil man seine Kumpels nicht verpfeift.
So ist das halt, das hat man schließlich so gelernt.
Wenn der Marvin doch das Maul aufreißt, dann nennt sich as Zivilcourage. Und ist Zivilcourage erwünscht?
Anders gefragt: Wenn Opa Schimbulski ständig die Polizei holt weil die Jugendlichen auf seiner Straße mal wieder zwei Dezibel zu laut sind, ist das auch Zivilcourage? Wo ist die Grenze?
Auch im Gesundheitswesen gibt’s eine Menge Kevins und Justins. Es gibt Justins, welche übermüdet nach einem Vierundzwanzigstundendienst weiterarbeiten obwohl sie hundemüde und eigentlich nicht mehr zurechnungsfähig sind und natürlich ist die ganze Sache illegal, aber man will ja seinen Job nicht verlieren. Es gibt Kevins, welche in ihrer Eigenschaft als Chef- oder Oberärzte eine Menge Mist verzapfen, Behandlungsfehler noch und nöcher und dann auch noch ihr Personal schikanieren… aber von ihren Vorgesetzten gedeckt werden, weil…. Es gibt Krankenhausverwaltungen, die im Sparwahn die hirnrissigsten Vorgaben machen und trotzdem Jahrzehntelang damit durchkommen.
Ob eine gezielte Indiskretion hier und dort vielelicht Wunder wirken könnte?
Nee, sowas macht man einfach nicht!

Written by medizynicus

10. Januar 2011 at 05:20