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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Danke schön auch, Du Hausar*** !

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„…Guten Tag. Leider rufen Sie außerhalb unserer Praxis-Öffnungszeiten an. Diese sind Montags bis Freitags….“
Wütend knalle ich den Telefonhörer zurück auf die Gabel… sagt man heutzutage eigentlich noch Gabel? Aber eigentlich kann mir egal sein, wie das Ding heißt, auf welches ich soeben meinen Telefonhörer geknallt habe, das knallen ändert nämlich nichts daran, dass ich ein Problem habe, und das Problem heißt Frau Karagöz.
Karagöz, Fatima, schätzungsweise achtzig Jahre alt, aber so genau kann sie das nicht sagen, zumindest nicht auf deutsch.
Der Hausarzt hat sie vor einer Stunde eingewiesen. Will sagen, er hat angerufen und gesagt: „Ich schick Euch da jemanden!“
Dummerweise hat er nur die Sekretärin an der Strippe gehabt, die hat sich noch schnell den Namen aufgeschrieben und ist dann ab ins Wochenende. Kurz darauf kam die Patientin, gebracht von einer geheimnisvollen Person, welche gleich wieder verschwand um mal eben schnell das Auto aus dem Halteverbot wegzufahren und nie wieder gesichtet ward.
Und jetzt sitzt Frau Karagöz da und lächelt uns an.
Einen Einweisungszettel hat sie nicht dabei. Auch keinen Medikamentenplan. Nur ein Schächtelchen mit Tabletten, nach Farben sortiert, vorn die kleinen roten und hinten die dicken weißen.
Was will sie von uns? Hat sie Schmerzen?
Oh ja, bisschen Rücken. Und manchmal schwindelig und Magen war auch mal, vor ein paar Jahren…. geht doch mit der Sprache!
Ob sie sich jetzt an ihr Geburtsdatum erinnern kann? Fehlanzeige. Nur unverständliches Kauderwelsch.
Gibt es Angehörige? Ehemann? Kinder? Sonst irgendwen? Irgendeine Telefonnummer?
Unsere Patientin schüttelt nur lächelnd den Kopf.

Written by medizynicus

25. Januar 2013 at 21:03

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Start ins Wochenende…

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Freitag Nachmittag, fünfzehn Uhr neunundfünfzig.
Das heißt…
Klingelitüt
„Herr Doktor? Frau Schlotterbeck sagt, ihr sei so schummerig!“
Dann sollte wohl mal jemand nach ihr schauen. Aber ich bin jetzt auf dem Weg ins Arztzimmer.
Tüdelipröööt
„Na das ist aber toll, dass ich Dich noch erwische! Da sind nämlich Angehörige da von Frau Zauselberg, die wollen unbedingt heute noch mitm Dokta sprechen…“
Doch wohl nicht etwa mit mir? Habe das Arztzimmer erreicht und schließe die Tür hinter mir.
Klingelingeling
„Hi Doc. Du denkst noch an die zwei Viggos, ja?“
Denken ja. Bin ganz gespannt, wer die wohl legen wird. Schranktür aufgesperrt, Kittel reingehängt.
Piepsidüdel.
„Die Blutkonserven für Herrn Bleichmann sind angekommen!“
Schön für Herrn Bleichmann. Ich schlüpfe soeben in meine Privathose.
Pingeliping.
„Ja, hier ist Doktor Strunzmann, Hausarzt in Einödshofen. Ich würde Ihnen gerne einen Patienten schicken…“
Immer her damit! Die Kollegen kümmern sich schon drum. Ich werfe mir die Privatjacke über.
Tüdelipieps.
He, was ist das? Habe ich den Quälgeist nicht gerade ins Ladegerät gesteckt? Oh nein, ist ja mein Privathandy! Jenny ist dran.
„Haste heute Abend Bock auf Kino?“
Jetzt aber schnell raus ans Tageslicht!

Written by medizynicus

11. November 2011 at 21:49

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