Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Posts Tagged ‘Yippee!

Skiurlaub mit Sarah (Teil 3)

with 6 comments

Nein, ich bin doch kein Weichei!
Ich stelle mich der Herausforderung, komme was da wolle, notfalls werde ich meinen Frust mit Glühwein und Bier beim Aprés Ski hinunterspülen.
„Ich bin dabei!“
„Prima.“
Sarah scheint sich wirklich zu freuen. Das ist ein gutes Zeichen.
„Allerdings habe ich keinerlei Skiausrüstung…“
„Macht doch nichts. Ski und Skischuhe kann man leihen. Das einzige, was Du brauchst, ist ein Skianzug…“
„Äh… Kostenpunkt…?“
„Gibt’s momentan gerade beim Discounter im Angebot!“
Donnerwetter, die Frau weiß wohl alles!
„Und sonst?“
„Warme Socken? Handschuhe? Alles Andere kannst du auch vor Ort besorgen!“
„Wann geht’s los?“
„Samstag Morgen. Andreas wollte mich um sechs Uhr abholen. Tobias und seine Bekannte werden mit dem Zug anreisen, die holen wir dann abends am Bahnhof ab.“
Hmm. Hmmm. Klingt alles sehr spannend.
Also dackele ich nach Feierabend dann gleich mal beim Discounter vorbei und erwerbe für neunundfünfzig Euro neunundneunzig einen Herren-Skianzug in Größe… ähem, also in passender Größe. Schickes No-Name-Label und megaschickes Design in den schrecklichsten Farben die man sich denken kann.
Und dann gehe ich heim, packe meinen Koffer und stelle den Wecker auf fünf Uhr früh.
Pünkltlich um fünf vor sechs klingele ich am Samstagmorgen bei Sarah.
Die sitzt gutgelaunt am Frühstückstisch und ihr gegenüber sitzt ein männliches Wesen, welches mir schon rein grundsätzlich aus Prinzip unsympathisch ist.
„Hallo, ich bin Andreas!“ sagt er mit einem Zahnpastalächeln im Gesicht und streckt mir seine Pranke entgegen.
Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl. Könnte es sein, dass dieser Kerl sich schon seit gestern Abend in dieser Wohnung aufhält? Was ist seither passiert? Was wird diese Woche noch alles passieren?
„Setz Dich!“ sagt Sarah, „magste noch nen Kaffee, bevor es losgeht?“

Written by medizynicus

6. Februar 2010 at 08:00

Skiurlaub mit… ?

with 12 comments

Ich bin genervt.
Sarah hingegen strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
„…einmal werden wir noch wach!“ singt sie und setzt ihr allersüßestes Lächeln auf.
Ich blicke von der Krankenakte Müller, Hans-Georg auf und lege das Diktiergerät zur Seite.
„Okay, und was ist dann?“
Sarah deutet an den großen Wandkalender, wo wir alle unsere Urlaubswünsche eingetragen haben.
„Schau mal da! Morgen nachmittag, spätestens um siebzehn Uhr werde ich meinen Kittel in den Schrank hängen. Und dann habe ich Urlaub. Eine ganze Woche lang!“
„Gratuliere. Ich auch.“
Sarah starrt mich mit großen Augen an.
„Ach!“
„Vergiss es!“ sage ich.
Sarahs gute Laune ist nur schwer zu ertragen. Jedenfalls habe ich keine Lust, ihr die Geschichte von dem gestrigen Telefongespräch mit der Verwaltung auf die Nase zu binden. Abgesehen davon habe ich immer noch keine Ahnung, wie und wo ich die nächste Woche verbringen werde. Bei Minusgraden und leise rieselndem Schnee mag Bad Dingenskirchen für Touristen vielleicht nett und romantisch aussehen, aber wenn man dort wohnt, ist es vor allem Eines: nämlich kalt. Verdammt kalt. Und ungemütlich. Und um lastminutemäßig irgendwohin wegzufliegen fehlt mir momentan die Kohle. Vor allem aber die Zeit und die Lust zum stundenlangen Reiseseitensurfen um irgendwelche megatollen Schnäppchen ausfindig zu machen.
Auch Lastminutebuchen will schließlich organisiert sein.
„Also, ich weiß, was ich mache!“ sagt Sarah.
„Erzähl!“
Nicht, dass es mich auch nur die Bohne interessieren würde.
„Ich werde Skifahren. Eine ganze Woche lang. Wir haben ein Chalet gemietet, mit ein paar Freunden…“
„Klingt romantisch!“
Was man von dem Tonfall meiner Antwort nicht gerade behaupten kann.
Ich nehme das Diktiergerät wieder in die Hand und tu so, als könne ich mich wieder auf Müller Hans-Georg konzentrieren. Kann ich natürlich nicht, also stehe ich auf und hole mir nebenan im Schwesternzimmer einen Kaffee ohne Sarah zu fragen, ob sie auch einen möchte.
Als ich zurückkomme, steht Sarah wie versteinert vor dem Wandkalender.
„Du hast Dir ja wirklich für nächste Woche Urlaub eingetragen!“
„Sag ich doch!“
„Weiß ich ja gar nichts von.“
„Hat mir die Verwaltung auch gestern erst geschenkt.“
„Und was machst Du?“
Kleine Kolleginnen auffressen, will ich sagen, tu ich aber natürlich nicht. Stattdessen sage ich gar nichts, setze mich an den Schreibtisch und tu so, als wolle ich mit dem Diktat wieder anfangen.
„Hast Du Lust, mitzukommen?“
Fast wäre mir meine Kaffeetasse aus der Hand gefallen.
„Ich?“
Sarah lacht.
„Kannst Du Skifahren?“
Können ist übertrieben. Okay, ich habe mal auf so Dingern gestanden, aber das ist schon ziemlich lange her. Ob ich jetzt noch auf Brettern einen Hang runter rutschen könnte ohne mir sämtliche Knochen zu brechen, wage ich zu bezweifeln. Und abgesehen davon besitze ich keinerlei Skiausrüstung und erst recht nicht die Kohle um mir das Zeug jetzt alles zuzulegen.
„Vergiss es!“ sage ich und gehe hinunter in die Notaufnahme.

Written by medizynicus

4. Februar 2010 at 12:00