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Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

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Internetverbot am Arbeitsplatz: Wie man trotzdem bloggenkann

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Anstatt einer langen Einleitung (die gab’s schon hier) aus aktuellem Anlass also hier die hoffentlich vollständige Zusammenstellung aller Tipps:

  • Webbook mit UMTS-Stick besorgen und lossurfen (natürlich nur in den Pausen oder nachts im Dienst wenn nichts los ist!) – klappt eigentlich fast immer und fast überall, wenn man nicht irgendwo im tiefsten Keller arbeitet.
  • Ei-Phone, Bläckberry und andere Smartphones – etwas handlicher als ein Webbook, aber eben fiddeliger zu bedienen, vor allem bei längeren Blogbeiträgen (Abhilfe: externe Tastatur)
  • Blogeintrag am Dienstcomputer schreiben und auf USB-Stick abspreichern und dann zu Hause hochladen – klappt nur dann, wenn die USB-Slots nicht gesperrt sind, was zunehmend häufiger geschieht. Auch stehen an vielen Arbeitsplätzen inzwischen keine PCs mehr sondern nur noch Terminals
  • Vom Dienstcomputer per Webmail eine Email an sich selbst schicken – klappt dann, wenn Webmail-Seiten (GMX, Web.de,googlemail, yahoo, Freenet, Hotmail) nicht gesperrt sind. Notfalls auf exotischere Webmail-Seiten ausweichen.
  • Vom Dienstcomputer eine Email an sich selbst schicken, vom dienstlichen Outlook aus – klappt auch dann, wenn Webmail-Anbieter gesperrt sind, lässt sich aber durch Administrator kontrollieren. Vorsicht!
  • Proxy nutzen um einzelne gesperrte Webseiten zu umgehen
  • Bei WordPress das „post by Email“-Feature nutzen – geht dann, wenn irgendein Email-Zugang noch vorhanden ist (Webmail oder Outlook)
  • Google-Text oder eine andere Platform nutzen
  • kündigen und sich einen neuen Job suchen – Internet ist ein ebenso grundlegendes Grundrecht wie das Recht auf Kaffee!

Written by medizynicus

21. Oktober 2010 at 06:16

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

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Darf man anonym bloggen? Verklagt mich doch, wenn Ihr wollt!

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Seit gestern oder vorgestern tobt beim Kinderdok eine heiße Debatte darüber, ob man denn nun in Deutschland anonym bloggen darf oder nicht. Irgendein Troll hat behauptet, er wolle ihn verklagen.
Hintergrund der Geschichte:
Es wird behauptet, jeder Blogger sei „gesetzlich verpflichtet“, auf seinem Blog ein „gültiges“ Impressum mit vollem Namen und voller Adresse anzugeben.
Wer anonym bloggen möchte, kann und wird das natürlich nicht tun.
Macht man sich nun damit strafbar?
Das behaupten einige, aber niemand weiss es wirklich.
Einen der derzeit 19 Kommentare möchte ich im Volltext zitieren:

Lieber Kinderdoc mit c oder k,
Wir kennen uns – auch ich betreibe ein Blog und bin – aus den selben Gründen wie Du – anonym. Um diesem Kerl keine Steilvorlage zu geben poste ich hier mal nicht unter meinem gewöhnlichen Nick (anhand meiner IP-Nummer beim Freischalten dieses Kommentars kannst Du aber rauskriegen, wer ich bin).

Also, halten wir fest:

1.) Wenn man wirklich alles hundertprozentig richtig machen will, müsste man wahrscheinlich ein Impressum schalten. Denn Blogs gelten möglicherweise als “journalistische Machwerke” oder so ähnlich und auch eine einzige Bannerwerbung reicht möglicherweise aus um ein “geschäftliches Interesse zu unterstellen”. Kann sein, kann auch nicht sein.
2.) Aus meiner Formulierung von Punkt 1 folgt, dass ich mich da auch nicht so richtig auskenne. Ich bin halt kein Jurist und kann nur mutmaßen.
3.) Damit bin ich nicht allein. Die meisten Menschen, die hier lesen, sind keine Juristen und haben von Gesetzesdingen nur begrenzt Ahnung.
4.) Rein moralisch gesehen finde ich es richtig, dass Du und ich anonym bloggen. Sowohl Dein als auch mein Blog werden viel und gerne gelesen sind eine Bereicherung der deutschsprachigen Medienlandschaft. Und sowohl Du als auch ich haben unsere Gründe dafür, anonym zu bleiben.
5.) Aus Punkt 4 folgt: Moralisch sind anonyme Blogger im Recht – sofern sie auf ihren Blogs nicht zu strafbaren Handlungen aufrufen.
6.) Die nicht nur in Deutschland verbreitete Haltung, im Vorauseilenden Gehorsam lieber klein beizugeben weil “man könnte ja irgendwelche Gesetze verletzen,” die man aber gar nicht kennt finde ich zum Erbrechen. Das hat schon Franz Kafka seinerzeit so gesehen – der konnte es schöner ausdrücken. Diktatorische Staaten haben es immer wieder geschafft, gezielt so eine Stimmung zu schüren und damit die Bürger respektive Untertanen dazu zu bringen, das Maul zu halten.
7.) Wir alle verletzen irgendwann mal irgendwo irgendwelche Gesetze. Welcher Autofahrer hat noch nie irgendwann irgendwo ein Knöllchen wegen Falschparkten bekommen? Wer hält sich immer überall an die Geschwindigkeitsbegrenzung? Gut, wenn ich weiß, daß irgendwo ein Blitzer steht halte ich mich in der Regel schon daran. Aber wenn Du zum Beispiel notfallmäßig zu einem Hausbesuch musst und es wirklich um Leben und Tod geht – absolute Ausnahme, ich weiß, auch etwas konstruiert der Fall – dann sollte es einem egal sein, ob man mal kurzzeitig schneller fährt als erlaubt. Dafür hätte möglicherweise sogar ein Polizei-Blitzer Verständnis (zumindest damals in der guten alten Zeit, als es noch einen Dorfpolizisten gab, mit dem man reden konnte).
8.) Aus Punkt 7 folgt: Es gibt verschiedene “Rechtsgüter”, die man gegeneinander abwägen muss. Und hieraus folgt – ohne daß ich Jurist wäre – meine gewagte Schlußfolgerung:
9.) DAS IM GRUNDGESETZ GARANTIERTE RECHT AUF FREIE MEINUGSÄUSSERUNG WIEGT MEHR ALS IRGENDEINE VERDAMMTE KORINTHENKACKEREI !
Howgh. Ich habe gesprochen.

Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen.
Was meinen die anderen die anderen Anonymblogger dazu?
Oder ist es Zeit für eine große Kampagne, analog der Internet-Zenzur-Aktion?