Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Gehalt Assistenzarzt (…das ist einer meiner Top-Suchbegriffe, warum auch immer)

with 6 comments

So, liebe Leute: Den einen oder anderen von Euch verschlägt die Suche nach der Höhe des Gehaltes für Assistenzärzte/innen auf diese Seite.
Dann wird’s also Zeit, dass Onkel Medizynicus Euch mal ein paar Worte darüber erzählt:
Seitdem der Marburger Bund seine Gewerkschaftsfunktion in den letzten Jahren endlich richtig ernst nimmt, hat er eine Reihe von Tarifverträgen mit verschiedenen Krankenhausträgern geschlossen, zum Beispiel für Ärzte/innen in kommunalen Krankenhäusern.
Dort sind natürlich Brutto-Gehälter angegeben. Wieviel da letztendlich netto übrigbleibt, läßt sich mit Hilfe eines Brutto-Netto-Rechners leicht ausrechnen.
Ein/e unverheirateter Berufsanfänger/in sollte am Monatsende so seine zweitausend Euro auf dem Konto haben.
Nun liegt der Teufel bekanntlich im Detail, und gewisse Details im Kleingedruckten können leicht ein paar hundert Euro monatlich im Portmonnee ausmachen:

  • Wie werden die Dienste vergütet? Werden sie in Freizeit abgegolten (so sollte es sein! Dann aber auch bitte konsequent!) oder ausbezahlt? Was ist mit anderen Überstunden?
  • Werden Kurse und Fortbildungsveranstaltungen bezahlt? Bis zu welcher Höhe?
  • Gibt es eine günstige (oder sogar kostenlose) Unterkunft / Zimmer / Appartment? Fragen lohnt sich!
  • Ist vielleicht das eine oder andere „Extra“ drin wie z.B. Umzugskosten? Fragen lohnt sich auf jeden Fall! Das gilt übrigens auch für Reisekostenerstattung zum Bewerbungsgespräch, zwar sind die Krankenhäuser hier traditionell immer knickerig gewesen, aber bei der derzeitigen Stellensituation ist der Bewerber König!

Vorsicht ist übrigens geboten, wenn ein findiger Personaler Euch einen „Haustarif“ andrehen will, vor allem wenn da das Wort „leistungsabhängig“ drin vorkommt. Einige Krankenhäuser stellen ihr Personal inzwischen auch über windige Konstrukte von hausinternen Leiharbeitsfirmen ein (Das nennt sich dann: „Krankenhaus-Service-GmbH“ oder „Personaldienstleistungsgesellschaft Krankenhaus XYZ“). Wenn möglich: Finger weg!
Auf sehr dünnem Eis bewegt Ihr Euch, wenn Ihr frisch aus dem Ausland kommt und Eure Approbation gewissen Beschränkungen unterliegt. Es gibt Personaler, welche Eure Unerfahrenheit gnadenlos ausnutzen!
Eine Mitgliedschaft im Marburger Bund macht sich da bald bezahlt.

Written by medizynicus

3. August 2009 um 16:35

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

6 Antworten

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  1. Also irgendwie is mir das jetz aber n bischen schwabbelig, Herr Doktor. Ich will Fakten, Fakten, Fakten Zahlen, Zahlen, Zahlen! 😉

    Flocke von Kroetengruen

    3. August 2009 at 23:16

  2. Und da hör ich sie schon wieder, die Rufe: „Und da beschweren die sich noch! 2 Mille Einstiegsgehalt!“

    …und keiner denkt dabei daran, dass man bei einer fast unvermeidlichen 60-Stunden-Woche am Ende auch nicht mehr Lohn hat, als der Pförtner am Empfang. Von dem bißchen Mehr-Verantwortung und der Schichtarbeit ganz zu schweigen…

    Neri

    4. August 2009 at 00:14

  3. na, Medizynicus, dann bleib mal schön lange im Krankenhaus, trotz Nachtdiensten und 60-Std-Woche, denn die hast Du draußen auch (mindestens).

    Und wenn ich mir die MB-Tarife so anschaue, dann tränen mir die Augen, denn das hab ich nach fast 30 Berufsjahren nicht (mehr).

    Das heutige Brutto-Einkommen eines niedergelassenen Hausarztes (Betriebs- und Lohnnebenkosten-bereinigt) liegt zwischen 4.000 bis 5.000 €, sehr selten (und nur bei Großpraxen mit > 80 h Arbeitszeit/Woche) drüber!

    Ich glaub, ich geh wieder in’s Krankenhaus zurück, habt ihr in Bad Dingenskirchen noch ein Plätzchen frei?

    der Landarsch

    4. August 2009 at 12:11

  4. Aber für Dich haben wir hier doch immer ein Plätzchen frei! Notfalls rücken wir halt etwas zusammen. Nee, im Ernst, freie Assi-Stellen gibts hier in der Provinz durchaus. Aber wenn die Vergütung bei Euch wirklich so mies ist… warum änderst Du dann nicht Deine Arbeitsbedingungen? (Schritt eins: Mindestens acht Wochen Budget-Urlaub im Jahr. Schritt zwei: Grundsätzliches „njet“ zu nächtlichen Hausbesuchen: Entweder warten bis morgen oder Notarzt oder Krankenhaus-Ambulanz… dazu gibts uns ja schließlich! Schritt drei: „njet“ zu allem, was nur arbeit macht und medizinisch nicht sinnvoll ist…)

    medizynicus

    4. August 2009 at 12:23

  5. tja, ich hab das Helfersyndrom noch in den Genen (und ich bin eigentlich froh, dass die jetzige Generation das nicht mehr so sieht). Aber Spass beiseite, auch du würdest Deine Patienten nicht im Regen stehen lassen. In der ambulanten Medizin, nach Jahren des gemeinsamen Lebensweges, bringt man das noch weniger fertig. Und obendrein änderts ja am Einkommen auch nichts, denn im hausärztlichen Bereich sind die mengenabhängigen Betriebskosten vernachlässigbar (außer vielleicht Hausbesuche, aber die macht man ja inzwischen sowieso nur noch bei denen, die wirklich nicht mehr in die Praxis können!) Ach so, nächtliche Hausbesuche sind bei mir nicht notwendig, weil wir hier für jede Nacht der Woche einen Bereitschaftsdienst eingeteil haben (nicht nur am Wochenennde) – und da muß man praktisch immer kommen, weil man den Patienten ja nicht kennt!

    der Landarsch

    4. August 2009 at 17:20

  6. Helfersyndrom schön und gut… aber wenn die eigene Gesundheit und Lebensqualität dabei völlig auf der Strecke bleibt, dann läuft offenbar irgendwas schief. Also:
    Es gibt doch bestimmt Tätigkeiten, welche
    1.) Für Dich einfach nur unangenehm sind
    2.) Wenn du sie einfach weglassen würdest, wäre die objektive Betreuungsqualität der Patienten nicht schlechter (was die Patienten subjektiv denken ist eine völlig andere Sache)
    3.) Wenn du sie weglassen würdest, würde sich auch an Deinem Einkommen nicht nennenswert viel nach unten hin ändern.
    Warum tust du es dann nicht einfach?
    Und was Hausbesuchsanforderungen bei unbekannten Patienten nachts angeht: Es gibt immer noch das Backup von Notarzt, Rettungsdienst und Krankenhaus. Also: sorgfältige Telefonanamnese, wenn Du danach das Gefühl hast der Besuch ist nicht wirklich notwendig, dann das Gespräch abschliessen mit den Worten: „…bei den und den Symptomen oder wenn Sie das Gefühl haben dass es wirklich nicht geht, dann müssen Sie ins Krankenhaus, lassen Sie sich entweder dorthin bringen oder rufen Sie einen Krankenwagen/Notarzt!“
    Bei den meisten Menschen wird hier eine „natürliche“ Hemmschwelle einsetzen, denn ein nächstlicher Krankenhausbesuch ist längst nicht so bequem wie das Hausarzt-Pizzataxi. Bei einigen Patienten wird die Krankenhauseinweisung gerechtfertigt sein und möglicherweise sowieso die bessere Alternative (Ärzte überschätzen sich ja schließlich auch gerne! Hier im Krankenhaus übrigens auch).
    Und die paar überflüssigen Selbsteinweisungen… damit kommen wir schon klar, dann habe ich wenigstens wieder Stoff für ein paar schöne Blogeinträge!

    medizynicus

    5. August 2009 at 11:02


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