Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for the ‘Alltagswahnsinn’ Category

Hey, isch seh MoFi!

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SoFi war gestern. Oder vorgestern. Oder vorvorvorvorvorgestern, jedenfalls lange her.
Heute ist MoFi.
MoFi ist einfacher als SoFi, weil ist ja nach Feierabend, wenn man nicht grad Dienst hat und außerdem Wochenende, kann man lecker grillen und Bierchen trinken und Mond gucken, wenn er weg ist.
Aber wo isser denn?
Blick auf die Uhr, Blick auf den Himmel, Großer Wagen, Kassiopeia, Mars, alle da, nur der Mond fehlt. Dabei sollte er eigentlich längst aufgegangen sein, aber da, wo er sein müsste, stehen Häuser und da kann man ja schlecht durchgucken. Könnte höchstens klingeln: Schönen Guten Abend, dürfte ich Ihnen mal aufs Dach steigen, weil heute ist MoFi, muss ich gucken!
Dann kann ich die nächste MoFi gleich von der Psychiatrie aus angucken, und die ist erst in hundert Jahren oder so.
Also nix MoFi. Lieber noch ’n Bier aufmachen. Noch ’ne Bratwurst. Noch’n Klacks Nudelsalat.
Zwei Bier und ein halbes Kotelett später dann: da isser doch! ganz blass ganz dunkelrötlich hinter Nachbars Schornstein.
Also, Prost, lieber MoFi-Mond!

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Written by medizynicus

27. Juli 2018 at 22:11

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Towel Day

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Wer ganz allein in den Weiten des Alls unterwegs ist – womöglich noch als Hitchhiker – sollte auf jeden Fall ein Handtuch dabei haben. Dann ist man für alle Eventualitäten gerüstet: Man kann damit um sich schlagen, sich gegen fiese Aliens und böse intergalaktische Käfer verteidigen und – falls es dann noch sauber ist – sich sogar damit abtrocknen. Ein Handtuch ist also so ziemlich das Nützlichste, was es gibt: Don’t Panic, sagte Douglas Adams seinerzeit in seinem „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“.
Im Gedenken an ihn begeht die Welt heute den World Towel Day.
Ab heute gilt die neue Datenschutz-Grundverordnung.
Im Grunde ist Datenschutz ja eine gute Sache.
Aber unter dem Vorwand einer guten Sache wurde in der Vergangenheit schon viel Unheil angerichtet.
Ob man auch in Zukunft unbeschwert weiter bloggen kann, wird sich zeigen.

Written by medizynicus

25. Mai 2018 at 00:00

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Freier Qualm für freie Bürger

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Man nehme einen geschlossenen Behälter – sagen wir, so eine Art Container, der ungefähr mit fünf bis sieben Kubikmeter fasst. Da hinein stecke man einen Hund – so einen richtig fiesen kläffenden und sabbernden Ködernd. Dann mache man die Klappe zu. Und jetzt wird der Container mit einem Aerosol aus Kohlenmonoxid, Ammoniak, Benzpyren, Cadmium, Benzol, Stickoxid, Formaldehyd, Nitrosaminen, Teerpartikeln und zahlreichen weiteren teilweise hochgiftigen Substanzen begast.
Und jetzt ganz schnell weglaufen, bevor der Tierschutzverein Wind davon bekommt! Denn wer sich erwischen lässt, dürfte wohl ziemlich sicher mit einer Anzeige wegen Tierquälerei rechnen müssen.
So. Jetzt machen wir die Klappe wieder auf, lassen den Köter raus und setzen ein Kind hinein.
Eine süße, schnuffelige Rotzgöre. Klappe zu und wenn die Göre heult, dann kriegt sie noch eine Ladung ab, so lange, bis sie still ist. Ja, das ist fies.
So richtig megafies ist das. Aber es ist erlaubt. Zumindest dann, wenn es sich bei dem Container um einen handelsüblichen Kleinwagen handelt, das Kind ordnungsgemäß im Kindersitz festgezurrt und Papa vorne hinterm Lenkrad eine Kippe nach der anderen wegquarzt.
Sollte Papa zufällig beim Polizeirevier vorbeikommen, dann kann er gerne laut hupen und den Herren Beamten eine Nase drehen – passiert nix, sofern er sich an die örtliche Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Würde man Papa die Tierquälerei verbieten wollen, dann wäre das entsprechende Gesetz sogar verfassungswidrig, behauptete unser ehemaliger Gesundheitsminister.
Wie schön, dass seine Kollegen in anderen Ländern das wohl anders sehen…

Written by medizynicus

6. April 2018 at 17:48

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Krankenhäuser wieder mal in der Krise

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Nach Ärzte- und Pflegekräftemangel droht hunderten von Krankenhäusern die nächste Krise, darauf hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DGK) in einem Positionspapier hingewiesen. Für die Umsetzung wichtiger Vorgaben aus den Bereichen Qualitätsmanagement, Datenschutz, Arbeitssicherheit sowie Gendergerechtigkeit sind bundesweit mehrere tausend Stellen im Bereich von Krankenhausmanagement und Verwaltung notwendig. Die kostenneutrale Schaffung dieser Stellen ist nur möglich durch die Umwidmung von Stellen aus dem Ärztlichen Dienst und aus der Pflege. Hierzu gibt es mehrere Denkmodelle, u.a. die Schaffung einer neuen Facharztlaufbahn für Verwaltungsmedizin bzw. Pflegekräften zur Aktenpflege. Gemäß dem jüngsten Positionspapier sollen die Kräfte vor allem aus den Notaufnahmen abgezogen werden, so dass deren Kapazität im Sinne eines Flaschenhalses vermindert wird, womit weniger Patienten stationär aufgenommen werden können und somit auch die anderen Abteilungen der Häuser entlastet werden können. Wie die DKG weiterhin mitteilte, stießen die Vorschläge bei Entscheidungsträgern aus Poltik und Krankenkassenverbänden bereits auf großes Interesse.

Written by medizynicus

1. April 2018 at 12:22

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Ab in die Häuslichkeit

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Sehr geehrter Herr Kollege,
Wir berichten über den Patienten Dingsda Sowienoch, der sich von Anno Tobak bis zum Drölften Drölften Drölften in unserer stationären Behandlung befand.
Bei Zustand nach Verdacht auf AZ-Verschlechterung in der Häuslichkeit erfolgte die stationäre Einweisung durch den ärztlichen Zuweiser.
Die Anamneseerhebung gestaltete sich aufgrund der Aetas und hierdurch bedingten kognitiven Defizite deutlich erschwert. Auch die körperliche Untersuchung konnte aufgrund der erschwerten Bedingungen nur orientierend in deutlich eingeschränktem Ausmaß durchgeführt werden. Hier waren keine weiteren Auffälligkeiten festgestellt worden.
Nach stationärer Aufnahme und entsprechender Diagnosestellung wurde umgehend eine konservativ-symptomatische Behandlung eingeleitet und partiell erfolgreich abgeschlossen. Imzuge dessen konnten auch allgemein roborierende Maßnahmen durchgeführt werden , so dass eine Entlassung des Patienten zurück in die Häuslichkeit durchgeführt werden konnte.
Wir verbleiben mit kollegialem Gruß,

undsoweiterblablabla

Im Anschluss erfolgte die Nominierung des Wortes „Häuslichkeit“ zum Unwort des Jahres.
Bei weiteren Anmerkungen und Kommentaren wird gebeten, auf Verben (mit Ausnahme von „erfolgen“, „geschehen“, „tätigen“ usw.) zu verzichten, stattdessen ist nach Möglichkeit die Verwendung von Substantivierungen zu bevorzugen. Im Satzbau ist auf die Verwendung von Passivkonstruktionen zu achten.

Written by medizynicus

23. März 2018 at 07:57

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nicht zu Deutschland gehören

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Vier Millionen Menschen.
Sie leben hier, die meisten von ihnen seit Jahren, seit Jahrzehnten, sind hier aufgewachsen, so wie ihre Eltern und Großeltern.
Aber sie gehören nicht hierher.
Ihre Religion gehört nicht hierher. Weil es eine ganz normale Religion ist, so gut und so böse wie jede andere Religion auch. Aber sie gehört nicht nach Deutschland, und damit müssen auch die vier Millionen Leute weg…. wohin eigentlich?
Ach, damit kommen wir schon klar. Hatten wir ja schonmal. Haben wir doch hingekriegt damals, oder? Waren sogar viel mehr als läppische vier Millionen!

p.s.: man muss ja heutzutage vorsichtig sein, deswegen nochmal in aller Deutlichkeit die oben stehenden Sätze sind satirisch gemeint.

p.p.s.: Wie war das nochmal mit dem Grundgesetz? Gehört das eigentlich zu Deutschland?

Written by medizynicus

20. März 2018 at 07:45

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Grippewelle

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Ja, Herr Strunzbichler, ich bin der behandelnde Arzt Ihrer Mutter!
Nein, eigentlich habe ich keine Zeit, Sie sehen doch, dass hier gerade Landunter ist, aber wenn es Ihnen wichtig ist, nehme ich mir natürlich Zeit für Sie.
Sie haben völlig Recht, Ihre Mutter liegt immer noch auf dem Flur. Wobei wir allerdings klarstellen müssen: Ihre Mutter liegt keineswegs auf dem Boden, sondern sie liegt in einem Bett, und dieses Bett steht derzeit noch auf dem Flur und wird demnächst in ein Patientenzimmer geschoben.
Wann das geschieht? Genau dann, wenn eine Pflegekraft Zeit dazu findet. Nein, vermutlich nicht innerhalb der nächsten zwei Minuten. Auch nicht innerhalb der nächsten fünf Minuten. Ja, es ist gut möglich, dass es noch eine Stunde dauert, weil das Zimmer erst noch gereinigt werden muss. Sie wollen doch, dass Ihre Mutter in einem sauberen Zimmer liegen soll, nicht wahr?
Nein, sie bekommt kein Einzelzimmer. Ja, das Zimmer ist mit vier Leuten belegt, obwohl eigentlich nur drei hineinpassen und auch das schon viel zu eng ist.
Richtig, das ist nicht schön. Weder für Ihre Mutter, noch für die anderen Zimmernachbarn.
Nein, wir können die anderen drei Zimmernachbarn nicht anderswohin schieben, und schon gar nicht auf den Flur.
Nein, ich wusste nicht, dass Ihre Mutter Privatpatientin ist, aber jetzt weiß ich es und bin genau so nett zu ihr wie zu allen anderen Patienten auch.
Nein, ich wusste auch nicht, dass ihr Schwager ein guter Freund von Herrn Großkopfert ist, der regelmäßig mit unserem Landrat golfen geht, aber ich finde, dass diese Information nichts zur Sache tut.
Ja, ich finde auch, dass die Zustände in diesem Haus absolut furchtbar sind, was vielleicht daran liegen könnte dass wir doppelt so viele Patienten haben wie üblich und nur halb so viele Mitarbeiter, und Sie können sich gerne darüber beschweren, gerne auch beim Landrat persönlich, da brauchen Sie gar nicht erst Ihren Schwager oder den Herrn Großkopfert vorzuschieben, und ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie gesund bleiben, und falls nicht, sind auch Sie bei uns jederzeit herzlich willkommen, auch nachts um drei, allerdings könnte es sein, dass auch Sie eine Stunde auf dem Flur verbringen müssen, bevor die letzte gesunde Pflegekraft Sie in ein überbelegtes Vierbettzimmer bringt.

Written by medizynicus

17. März 2018 at 14:38

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