Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for the ‘Alltagswahnsinn’ Category

Vor 29 Jahren ist eine Mauer gefallen…

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…und jetzt baut man ein paar hundert Kilometer weiter neue Mauern auf.
Kleiner Zeitsprung gefällig? Man muss schon mindestens fünfunddreißig Jahre alt sein, um sich zu erinnern: damals gab es eine Grenze. Eine Grenze, die nicht nur unseren Kontinent, sondern die ganze Welt in zwei feindliche Lager teilte. Heute rast man ganz selbstverständlich im Schnellzug mit 300 KM/h darüber hinweg, und das ist gut so.
Aber auch heute stehen Menschen vor Zäunen, die sie nicht überwinden können.

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Written by medizynicus

9. November 2018 at 23:34

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Deutschland im Mittelfeld:  zwischen Schweden und Bangladesch

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Eine weltweite Analyse hatte 2017 ergeben: Während ein Allgemeinmediziner in Bangladesch nur 48 Sekunden mit einem Patienten verbringt, hat ein Arzt in Schweden im Schnitt 22,5 Minuten übrig. Deutschland liegt laut der Studie im Mittelfeld. Hierzulande dauert ein Arztbesuch 7,6 Minuten.

…was allerdings unterschlagen wird: rechnet man die Anzahl der Arztbesuche pro Patient, dann sind wir Deutschen wieder Spitzenklasse!

Quelle: Bundesregierung will Wartezeiten auf Arzttermin per Gesetz verkürzen – SPIEGEL ONLINE

Written by medizynicus

28. September 2018 at 12:17

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Hey, isch seh MoFi!

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SoFi war gestern. Oder vorgestern. Oder vorvorvorvorvorgestern, jedenfalls lange her.
Heute ist MoFi.
MoFi ist einfacher als SoFi, weil ist ja nach Feierabend, wenn man nicht grad Dienst hat und außerdem Wochenende, kann man lecker grillen und Bierchen trinken und Mond gucken, wenn er weg ist.
Aber wo isser denn?
Blick auf die Uhr, Blick auf den Himmel, Großer Wagen, Kassiopeia, Mars, alle da, nur der Mond fehlt. Dabei sollte er eigentlich längst aufgegangen sein, aber da, wo er sein müsste, stehen Häuser und da kann man ja schlecht durchgucken. Könnte höchstens klingeln: Schönen Guten Abend, dürfte ich Ihnen mal aufs Dach steigen, weil heute ist MoFi, muss ich gucken!
Dann kann ich die nächste MoFi gleich von der Psychiatrie aus angucken, und die ist erst in hundert Jahren oder so.
Also nix MoFi. Lieber noch ’n Bier aufmachen. Noch ’ne Bratwurst. Noch’n Klacks Nudelsalat.
Zwei Bier und ein halbes Kotelett später dann: da isser doch! ganz blass ganz dunkelrötlich hinter Nachbars Schornstein.
Also, Prost, lieber MoFi-Mond!

Written by medizynicus

27. Juli 2018 at 22:11

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Towel Day

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Wer ganz allein in den Weiten des Alls unterwegs ist – womöglich noch als Hitchhiker – sollte auf jeden Fall ein Handtuch dabei haben. Dann ist man für alle Eventualitäten gerüstet: Man kann damit um sich schlagen, sich gegen fiese Aliens und böse intergalaktische Käfer verteidigen und – falls es dann noch sauber ist – sich sogar damit abtrocknen. Ein Handtuch ist also so ziemlich das Nützlichste, was es gibt: Don’t Panic, sagte Douglas Adams seinerzeit in seinem „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“.
Im Gedenken an ihn begeht die Welt heute den World Towel Day.
Ab heute gilt die neue Datenschutz-Grundverordnung.
Im Grunde ist Datenschutz ja eine gute Sache.
Aber unter dem Vorwand einer guten Sache wurde in der Vergangenheit schon viel Unheil angerichtet.
Ob man auch in Zukunft unbeschwert weiter bloggen kann, wird sich zeigen.

Written by medizynicus

25. Mai 2018 at 00:00

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Freier Qualm für freie Bürger

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Man nehme einen geschlossenen Behälter – sagen wir, so eine Art Container, der ungefähr mit fünf bis sieben Kubikmeter fasst. Da hinein stecke man einen Hund – so einen richtig fiesen kläffenden und sabbernden Ködernd. Dann mache man die Klappe zu. Und jetzt wird der Container mit einem Aerosol aus Kohlenmonoxid, Ammoniak, Benzpyren, Cadmium, Benzol, Stickoxid, Formaldehyd, Nitrosaminen, Teerpartikeln und zahlreichen weiteren teilweise hochgiftigen Substanzen begast.
Und jetzt ganz schnell weglaufen, bevor der Tierschutzverein Wind davon bekommt! Denn wer sich erwischen lässt, dürfte wohl ziemlich sicher mit einer Anzeige wegen Tierquälerei rechnen müssen.
So. Jetzt machen wir die Klappe wieder auf, lassen den Köter raus und setzen ein Kind hinein.
Eine süße, schnuffelige Rotzgöre. Klappe zu und wenn die Göre heult, dann kriegt sie noch eine Ladung ab, so lange, bis sie still ist. Ja, das ist fies.
So richtig megafies ist das. Aber es ist erlaubt. Zumindest dann, wenn es sich bei dem Container um einen handelsüblichen Kleinwagen handelt, das Kind ordnungsgemäß im Kindersitz festgezurrt und Papa vorne hinterm Lenkrad eine Kippe nach der anderen wegquarzt.
Sollte Papa zufällig beim Polizeirevier vorbeikommen, dann kann er gerne laut hupen und den Herren Beamten eine Nase drehen – passiert nix, sofern er sich an die örtliche Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Würde man Papa die Tierquälerei verbieten wollen, dann wäre das entsprechende Gesetz sogar verfassungswidrig, behauptete unser ehemaliger Gesundheitsminister.
Wie schön, dass seine Kollegen in anderen Ländern das wohl anders sehen…

Written by medizynicus

6. April 2018 at 17:48

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Krankenhäuser wieder mal in der Krise

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Nach Ärzte- und Pflegekräftemangel droht hunderten von Krankenhäusern die nächste Krise, darauf hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DGK) in einem Positionspapier hingewiesen. Für die Umsetzung wichtiger Vorgaben aus den Bereichen Qualitätsmanagement, Datenschutz, Arbeitssicherheit sowie Gendergerechtigkeit sind bundesweit mehrere tausend Stellen im Bereich von Krankenhausmanagement und Verwaltung notwendig. Die kostenneutrale Schaffung dieser Stellen ist nur möglich durch die Umwidmung von Stellen aus dem Ärztlichen Dienst und aus der Pflege. Hierzu gibt es mehrere Denkmodelle, u.a. die Schaffung einer neuen Facharztlaufbahn für Verwaltungsmedizin bzw. Pflegekräften zur Aktenpflege. Gemäß dem jüngsten Positionspapier sollen die Kräfte vor allem aus den Notaufnahmen abgezogen werden, so dass deren Kapazität im Sinne eines Flaschenhalses vermindert wird, womit weniger Patienten stationär aufgenommen werden können und somit auch die anderen Abteilungen der Häuser entlastet werden können. Wie die DKG weiterhin mitteilte, stießen die Vorschläge bei Entscheidungsträgern aus Poltik und Krankenkassenverbänden bereits auf großes Interesse.

Written by medizynicus

1. April 2018 at 12:22

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Ab in die Häuslichkeit

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Sehr geehrter Herr Kollege,
Wir berichten über den Patienten Dingsda Sowienoch, der sich von Anno Tobak bis zum Drölften Drölften Drölften in unserer stationären Behandlung befand.
Bei Zustand nach Verdacht auf AZ-Verschlechterung in der Häuslichkeit erfolgte die stationäre Einweisung durch den ärztlichen Zuweiser.
Die Anamneseerhebung gestaltete sich aufgrund der Aetas und hierdurch bedingten kognitiven Defizite deutlich erschwert. Auch die körperliche Untersuchung konnte aufgrund der erschwerten Bedingungen nur orientierend in deutlich eingeschränktem Ausmaß durchgeführt werden. Hier waren keine weiteren Auffälligkeiten festgestellt worden.
Nach stationärer Aufnahme und entsprechender Diagnosestellung wurde umgehend eine konservativ-symptomatische Behandlung eingeleitet und partiell erfolgreich abgeschlossen. Imzuge dessen konnten auch allgemein roborierende Maßnahmen durchgeführt werden , so dass eine Entlassung des Patienten zurück in die Häuslichkeit durchgeführt werden konnte.
Wir verbleiben mit kollegialem Gruß,

undsoweiterblablabla

Im Anschluss erfolgte die Nominierung des Wortes „Häuslichkeit“ zum Unwort des Jahres.
Bei weiteren Anmerkungen und Kommentaren wird gebeten, auf Verben (mit Ausnahme von „erfolgen“, „geschehen“, „tätigen“ usw.) zu verzichten, stattdessen ist nach Möglichkeit die Verwendung von Substantivierungen zu bevorzugen. Im Satzbau ist auf die Verwendung von Passivkonstruktionen zu achten.

Written by medizynicus

23. März 2018 at 07:57

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