Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for the ‘Das Buch’ Category

Balthasar hat Geburtstag !

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Also, ehrlich gesagt, ist es weniger der Tag seiner Geburt – die fand bekanntlich am 14. Juni letzten Jahres statt, aber heute genau vor einem Jahr, da wurde er… tja, wie soll ich das jetzt sagen? …räusper…. Also da ist er …ähem…. halt entstanden.
Heute genau vor einem Tag, am Dreikönigstag Anno Domini Zwotausendundelf, da haben Anna und ich die ersten Zeilen geschrieben.
Die ersten Zeilen?
Also, die gehen ungefähr so:

Balthasar Stroop besaß weder eine gültige Fahrkarte noch kannte er das Fahrtziel des Zuges. Aber drinnen war es warm und trocken und das sanfte Schaukeln – in Verbindung mit einem beachtlichen Blutalkoholspiegel – hatte ihn in einen äußerst erholsamen Schlaf gewiegt, zumindest so lange, bis er durch einen jähen Ruck geweckt wurde.
„Endstation, alles Aussteigen!“
Balthasar öffnete langsam die Augen. Wo war er? An der Außenseite des Fensters klebten Regentropfen. Und dahinter war Dunkelheit.
„Auch Sie bitte aussteigen, ja?“
Balthasar hatte keine Lust, sich mit dem Uniformträger auf eine Diskussion einzulassen. Schon allein deswegen nicht, weil vorauszusehen war, was passieren würde, wenn sich herausstellte, dass er sich nicht in Besitz der notwendigen finanziellen Mittel zur Begleichung des dann wohl unvermeidlichen erhöhten Beförderungsentgeltes befand. Schlimmstenfalls stünden ihm wieder ein paar Stunden auf einem Polizeirevier bevor, und das hatte er heute schon einmal erlebt. Natürlich hatten sie ihn laufen lassen müssen.
Anschließend hatte er die nächstgelegene Kneipe aufgesucht. Beim ersten Bier war er stolz auf sich gewesen. Hatte er es den Bullen doch wieder mal gezeigt! Einen Unschuldigen … halt!
Schon nach dem zweiten Bier waren ihm Zweifel gekommen: So unschuldig war er nämlich gar nicht. Aber darum ging es nicht … oder doch?
Nach dem dritten Bier hatte er erstmals daran gedacht, dass eine unverzügliche Ortsveränderung vielleicht keine schlechte Sache sei.
Er hatte ein weiteres Bier gebraucht um zu überlegen, wohin er ziehen wollte, und hatte auch nach dem fünften Bier noch keine Lösung gefunden und deshalb nach dem sechsten Bier beschlossen, einfach zum Bahnhof zu gehen und in den nächsten Zug zu steigen.
Dieser Zug hatte soeben seinen Endbahnhof erreicht und Balthasar hatte keine andere Wahl als auszusteigen und in den Regen hinauszutreten.
Einundzwanzig Uhr einunddreißig.
Zeit, sich ein Nachtquartier zu suchen. Ohne entsprechende Barschaft um diese Jahreszeit nicht unbedingt ein einfaches Unterfangen.
Stell Dich gefälligst nicht so an, dachte er, es ist ja schließlich nicht das erste Mal! Er schulterte seine Tasche und mit geübtem Blick scannte er die Umgebung: Fahrkartenausgabe und Wartesaal längst geschlossen. Am Bahnhofsvorplatz Schneematsch und Pfützen. Dahinter eine Dönerbude, ein Chinarestaurant und ein, zwei Kneipen. Etwas abseits war eine Art Villa mit Vorgarten und einem Zaun … was Balthasar sehr praktisch fand, denn ihn plagte gerade ein dringendes menschliches Bedürfnis. Er begab sich dorthin, in respektablem Abstand zur nächsten Straßenlaterne, schlang die Tasche sicher um seine Schulter und begann an seinen Kleidungsstücken zu nesteln, als er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter spürte.

…das ist übrigens der Anfang des zweiten Kapitels und natürlich die bearbeitete Version, so wie sie im Buch steht. In der allerersten Version klang das alles noch ein bißchen holpriger.

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Written by medizynicus

6. Januar 2012 at 14:40

Wir müssen reden (Teil 2)

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Mit einem gehörigen Kater bin ich am Morgen nach dem nächtlichen Treffen mit Balthasar aufgewacht. Ich greife zum Telefon und rufe Anna an. Eine halbe Stunde später sitzen wir einander gegenüber.
„Du könntest Dich mal rasieren!“ sagt Anna und nippt an ihrem biologisch-dynamischen Dharma-Chakra-Chai-Sojalatte.
„Mach keine Witze!“ gebe ich zurück und ordere einen vierfachen Espresso, „die Lage ist zu ernst!“
„Wie hat der das denn eigentlich überhaupt gemeint?“ fragt Anna.
„Keine Ahnung. Aber ich habe nicht die geringste Lust, mit einem Betonklotz am Bein im Hafen von Palermo zu landen!“
„Ist es wirklich so ernst?“ fragt Anna.
Ich versuche, die Geschehnisse der letzten Nacht vor meinem geistigen Auge Revue passieren zu lassen. Was war das für eine verdächtige Beule in Balthasars Manteltasche? Und zu welchen möglichen oder unmöglichen Leuten der Kontakte hat, möchte ich lieber nicht so genau wissen…
„Balthasar will Ergebnisse sehen. Verkaufszahlen. Positionen in Bestsellerlisten!“
„Ich könnte mal mit Shanti reden…“ meint Anna nachdenklich.
„Und was sollte der áusrichten?“
Sie zuckt mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Andere Blogger schreiben auch Bestseller… wenn ich da an Frau Freitag denke…“
„Vergiss Frau Freitag. Die hilft uns jetzt auch nicht weiter!“
„Wir drehen uns im Kreis…“
„Und wer hilft uns dann?“
Ich nehme einen großen Schluck Espresso.
„Wer uns hilft? Unsere Leser vielleicht?“
„Wie meinst Du das?!“
„Na, wir machen einen Wettbewerb! Wer uns den besten und erfolgreichsten Marketing-Tipp liefert, kriegt ein Buch von uns. Mit Widmung und allem, was dazu gehört!“
„Und Du meinst wirklich…“
„Schaun wir mal…“

Written by medizynicus

14. September 2011 at 15:59

Wir müssen reden!

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Der Anruf kam eine halbe Stunde vor Mitternacht und war ziemlich kurz.
„Wir müssen reden!“
Beim Klang der Stimme schrak ich aus meinem halbdösigen Dämmerzustand und saß Sekundenbruchteile später kerzengerade senkrecht in meinem Sessel. Griff zur Fernbedienung, Glotze aus.
„Worüber?“
„Nicht am Telefon!“
Griff zur Whiskeyflasche, dann ein halbes Wasserglas Bourbon ohne Eis hinuntergestürzt.
„Wann und wo?“
Der Anrufer nannte Ort und Zeit und legte auf. Eine halbe Stunde später stand ich mit abgeblendeten Scheinwerfern auf einem einsamen Parkplatz am Waldrand. Der Sinntflutwolkenbruchregen prasselte gegen die Windschutzscheibe. Plötzlich wurde die Beifahrertür aufgerissen und eine tropfnasse Gestalt in dunklem Trenchcoat mit tief ins Gesicht gezogenem Hut zwängte sich auf den Sitz.
„Fahr los!“
„Wohin?“
„Einfach los!“
Ich startete den Motor.
„Willst Du mir nicht endlich sagen, worum es geht?“
Die Gestalt drehte sich zu mir hinüber und zum ersten Mal sah ich ihr Gesicht. Ich zuckte zusammen.
„Die Zahlen stimmen nicht!“ sagte Balthasar.“
„Wie meinst Du das?“
„Die Verkaufszahlen des Buches hinken weit hinter den Erwartungen her!“
„Was bedeutet das?“
Balthasar lachte dreckig.
„Was das bedeutet? Das weißt Du selbst!“
Er machte eine unschöne Geste.
Fast wäre mir das Lenkrad aus der Hand gerutscht, als mir plötzlich zu Bewusstsein kam, dass wir auf der eingeschlagenen Route in wenigen Minuten eine ziemlich hohe Brücke passieren würden. Aber ich beherrschte mich.
„Und jetzt?“
Balthasar lachte abermals.
„Und jetzt? Dein Problem! Du kannst mich rauslassen!“
„Wie bitte?“
Wir bewegten uns mit hundertzwanzig Stundenkilometern bei strömendem Regen in stockdunkler Nacht über eine Autobahn, weit und breit war keine Ausfahrt in Sicht.
„Dort, beim nächsten Notruftelefon, da läßt Du mich raus!“
„Du, ich kann Dich auch mitnehmen…“
„Du lässt mich hier raus!“
Seine Stimme ließ keinen Widerspruch zu.
Erst als er ausgestiegen war, bemerkte ich auf der Gegenfahrbahn am Randstreifen das Fahrzeug mit eingeschalteter Warnblinkanlage.
Ein paar Kilometer weiter war eine Raststätte. Mit zitternden Knien stieg ich aus und brauchte erneut einen doppelten Whiskey.

Written by medizynicus

13. September 2011 at 19:46

Monsterdoc hat unser Buch gelesen – und darüber geschrieben

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Chefarzt  Monsterdoc  schreibt:

Diesen medizinsatirischen Roman kann man jedem empfehlen, der medizinisch tätig war, ist, oder sich dafür interessiert. Daumen hoch für Balthasar und die Kunst des Heilens. Abschließend würden mich noch zwei Fragen interessieren: Wie können 2 Autoren ein zusammenhängendes Buch schreiben? Und: Wann wird es verfilmt? Ich könnte da Kontakt zu einem durchgeknallten Filmteam herstellen …

Danke, Cheffe!

Tja, und was Deine Fragen angeht: Wie wir das hingekriegt haben… das wissen wir selbst nicht. Monatelang haben wir ausschließlich über Email kommuniziert. Im echten Leben getroffen haben wir uns erst… als das Buch schon halb fertig war. Ja, und den Kontakt zu dem durchgeknallten Filmteam… darauf können wir gerne nochmal zurückkommen!

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9. Juli 2011 at 20:33

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Ohne Worte

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Written by medizynicus

27. Juni 2011 at 18:16

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Marketingstrategien (Teil 3): Tante Edeltrud ihr Laden

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Ich mag den Laden von Tante Edeltrud. Er befindet sich gleich in der Nähe des Marktplatzes, an der Ecke der kleinen Gasse die hinunter zum Fluss führt. Tante Edeltrud verkauft allerlei Krimskrams, darunter Wein, eigenwilliges Kunsthandwerk und Bücher. Aber nur ganz bestimmte Bücher: nämlich nur solche, die sie selbst gelesen und für gut befunden hat. Tante Edeltrud liest eine Menge Bücher und so befindet sich in der kleinen Schaufensterauslage neben jedem ausgestellten Buch eine kleine Karte mit so etwas wie einer handgeschriebenen Kurzrezension.
Wie gesagt, ich mag diesen Laden… und trotzdem habe ich mich noch nie hineingetraut…. also zumindest bis heute noch nicht.
Und jetzt stehe ich also mit gewaltigem Herzklopfen und drei Exemplaren eines ganz bestimmten wunderbaren Buches in der Tasche vor dem uralten Fachwerkhaus mit der winzigen Schaufenstervitrine und bin gerade dabei, meinen Inneren Schweinehund zu überwinden.
Tante Edeltrud begrüßt mich mit mütterlich-fürsorglichem Lächeln.
„Was kann ich für Dich tun?“
„Äh… ich suche… äh… ich hätte gern… so ein wirklich gutes Buch!“
Tante Edeltrud lächelt noch viel breiter.
„Da kann ich Dir helfen!“ sagt sie mit Verschwörerstimme, „Ich schreibe nämlich selbst, weißt Du?“
Sie deutet mit der linken Hand auf ein eindrucksvolles Regal welches vollgestopft ist mit ihren eigenen Werken.
Zehn Minuten später verlasse ich Tante Edeltrauds Laden wieder. In der Tasche habe ich jetzt fünf weitere Bücher.
Und die drei Exemplare des ganz besonderen wunderbaren Buches… die habe ich immer noch.

Written by medizynicus

26. Juni 2011 at 22:04

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Marketingstrategien (2)

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Sauberer Kittel, souverän-gewinnendes Lächeln und zur Feier des Tages sogar eine Krawatte, so trete ich heute die Visite an.
„Also, Frau Gerber, das Warten hat ein Ende!“
Die Patientin strahlt.
„Werde ich jetzt gesund?“
Langsam schüttele ich den Kopf.
„Nein, das leider nicht.“
Die Patientin sinkt in Ihre Kissen zurück.
„Schade, Herr Doktor…“
„Ich sagte: das Warten hat ein Ende!“
Sie runzelt die Stirn.
„Wie meinen Sie das?“
Ich deute auf den zerlesenen Arztromantikliebescnnulzkitschroman auf ihrem Nachttisch.
„Den brauchen Sie jetzt nicht mehr!“
„Äh… wieso?“
„Weil es jetzt etwas Besseres gibt!“
Sie schaut mich argwöhnisch an.
Ich lange in meine Kitteltasche und hole etwas hervor. Dieses Etwas ist blau, hat 208 Seiten und die ISBN 9783842364103. Frau Gerber nimmt es mit zitternden Händen entgegen.
„Ein Buch?“ fragt sie.
Ich räuspere mich.
Balthasar und die Kunst des Heilens,“ hebe ich an, „ist ein wunderbares Werk. Es handelt von…“
Frau Gerber starrt mich an. Ihre Gesichtsfarbe geht jetzt ins Rötliche.
„Das macht dann elf Euro fünfundneunzig!“ sage ich.
„Das ist doch die größte Unverschämtheit, die mir je untergekommen ist!“ brüllt Frau Gerber, „Was fällt Ihnen ein, Sie… Sie…“
Das Buch fliegt einen halben Zentimeter an meinem linken Ohr vorbei und landet zielsicher im Papierkorb. Ich traue mich nicht, es dort herauszuholen.
„Ich glaube, wir müssen die Sache anders angehen!“ sage ich zu Anna am Telefon.

Written by medizynicus

19. Juni 2011 at 19:11

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