Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for April 2011

Leistungswille, aber keine Loyalität? – die Generation Y im Krankenhaus

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Früher… ja früher, da war die Welt noch in Ordnung. Da hatte man Respekt vor dem Alter und vor allem vor seinem Chef. Da trat man mit Abschluss seiner Ausbildung in eine Firma ein und da blieb man dann auch bis zur Rente.
Und dann bekam man einen feuchten Händedruck vom Herrn Generaldirektor und einen Blumenstrauß und irgendein ramschiges Staubfängergeschenk zum Abschied und das war’s dann.
Die Ärztekarrieren waren vielleicht ein bißchen anders, aber im Prinzip genauso: Im ersten Assistenzarztjob baute man sich seine Beziehungen auf, und wenn der Oberarzt dann anderswo Chef wurde, hatte man vielleicht eine Chance, unter ihm Oberarzt zu werden.
Und heute?
Die Generation Ypsilon hat andere Ansprüche.
Die Generation Ypsion, das sind die jungen Studienabsolventen, die jetzt ins Berufsleben treten. Und was wollen die?

Sie wollen Karriere machen und trotzdem viel Zeit mit der Familie verbringen. Sie wollen ihr Leben nicht der Arbeit opfern, aber trotzdem gutes Geld verdienen, um sich schöne Dinge und spannende Reisen leisten zu können.

So drückt es der Wirtschafsexperte Anders Parment bei SpOn aus.
Äh… und verwundert das jetzt irgendwen?

Written by medizynicus

30. April 2011 at 07:27

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Königliche Visite

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„Okay, dann wollen wir mal!“ sage ich, trinke meinen Kaffee aus und stelle die Tasse in die Spülmaschine.
Schwester Paula folgt mir, auch wenn sie den Blick kaum vom Fernseher in der Ecke der Stationsküche wenden kann.
„Wo fangen wir an?“ fragt sie und rollt den Visitenwagen auf den Flur hinaus.
„Wie üblich!“ sage ich und deute aufs vordere Ende des Stationsflures.
Auf Zimmer eins strahlt uns Oma Mayer entgegen.
„Ist das nicht herrlich?“ fragt sie und deutet auf den Fernseher, der so laut plärrt, dass auch die nebenan liegende schwerhörige Oma Siebler etwas verstehen kann.
„Einen wunderschönen guten Morgen!“ brülle ich auf Zimer zwei gegen den Fernseher an.
„Schauen Sie mal, Herr Doktor, der Prinz trägt seine Uniform!“ sagt Frau Wiedemann.
„Aber nicht die von der Luftwaffe!“ fügt Oma Kasuppke hinzu.
„Und warum nicht?“
„Weil er für die Armee mehr getan hat!“ sagt Frau Wiedemann.
Aha.
Auf Zimmer drei sehe ich auch, welches Kleid die Queen in der Kirche tragen wird.
Auf Zimmer fünf sehe ich, dass der königliche Rolls Royce – oder war es ein Bentley? – kein Nummernschild trägt. Warum eigentlich?
„Der hat doch die Standarte mit dem königliche Wappen drauf!“ sagt Frau Silbermann.
Aha.
Ungefähr auf Zimmer zwölf zieht die gesammelte Meute dann in die Kirche ein.
Und dann freue ich mich auf Zimmer vierzehn: da wohnt nämlich Herr Chromsky und der versteht nur russisch und schaut ausschließlich sowjetische Kriegsfilme, und das jeden Tag. Um so enttäuschter bin ich, als mich auch dort der Erzbischof von Canterbury angrinst. Allerdings mit russischer Synchronisation.
„Sind sie jetzt endlich fertig mit dem Heiraten?“ frage ich leicht angenervt auf Zimmer neunundzwanzig.
„Ja, jetzt sind sie Mann und Frau!“ grinst Opa Gerber.
„Das waren sie vorher auch schon!“ brummt Herr Eberhardt aus dem Hintergrund.

Written by medizynicus

29. April 2011 at 19:08

Herzlichen Glückwunsch, Willy und Kate!

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Ja, ihr beide habt ja heute Euren großen Tag, habe ich gerade erfahren, vorhin beim Bäcker wo die Zeitung mit den großen roten vier Buchstaben ausliegt, die habe ich natürlich nicht gekauft, obwohl da noch etwas anderes drinstand, aber davon später.
Ja, Willy und Kate, ich gönne Euch euren großen Tag und vor allem Euren sechzig Millionen Landsleuten, denen habt Ihr nämlich einen Feiertag beschert und darum freuen die sich sicher ganz toll mit Euch. Weil Montag ist nämlich bei Euch schon wieder Feiertag. Da bei Euch Feiertage wie der 1. Mai nämlich grundsätzlich auf den nächstgelegenen Montag verlegt. Und wir sind mal wieder doppelt angeschmiert. Dabei hätten wir durchaus genügend Prinzen und Prinzessinnen zum Verheiraten hier…
Naja. Also werd‘ ich dann mal meinen Kaffee austrinken und zur Arbeit gehen…

Written by medizynicus

29. April 2011 at 07:22

Veröffentlicht in nicht so richtig ernst

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Arztpraxen und Pommesbuden

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Stell Dir vor, Du willst eine Pommesbude aufmachen.
Dann solltest Du natürlich wissen, wie man Pommes brät. Du solltest auch die entsprechenden Sicherheits- und Hygienevorschriften kennen denn Du willst ja weder Deine Gäste vergiften noch aus Versehen die Bude abfackeln. All das kannst Du lernen, erstmal die Theorie auf der Pommesbudenakademie und dann die Praxis als Pommesbudenbratassistent in einer bestehenden Pommesbude.
Jetzt willst Du Dich also mit einer eigenen Bude selbständig machen. Du suchst also einen geeigneten Standort: In der Stadt, da gibt es schon ziemlich viele Pommesbuden, außerdem Pizzerien und Dönerläden, die Konkurrenz ist also groß. Du musst also etwas Besonders bieten, also zum Beispiel eine extrascharfe Soße oder Kristallaurahokuspokuspommes. Außerdem ist da noch die Pommesbudenbedarfsplanungsanstalt. Die legt nämlich fest, wie hoch der Bedarf an Pommesbuden ist und verteilt Pommesbudenbetreiberlizenz .
In den großen Städten ist der Bedarf gedeckt.
Jetzt könntest Du natürlich hingehen und herausfinden, dass der Fritten-Fritze in spätestens zwei Jahren in Rente gehen wird. Mit einer gehörigen Portion Chuzpe machst du Deinen Laden gleich nebenan auf. Darfst Du aber nicht. Du kannst höchstens dem Fritten-Fritze seine schmierige Bude abkaufen, natürlich zu einem überhöhten Preis weil der Fritten-Fritze genau weiß, dass Du sonst keine Chance hast, an eine Pommesbudenbetreiberlizenz zu kommen.
Oder Du könntest aufs Land gehen. Da besteht – so behauptet die Pommesbudenbedarfsplanungsanstalt – noch hoher Bedarf für neue Pommesbuden. Würdest Du Dich ein wenig mit Betriebswirtschaft auskennen, dann wüsstest Du natürlich: so eine Land-Pommesbude, die wird sich niemals rentieren! Zunächst mal die gute Nachricht: auf dem Land, da gibt es nicht nur keine Pommesbuden sondern noch weniger Dönerläden oder Pizzerien. Du darfst also auch Döner und Pizza anbieten. Jedenfalls musst Du damit rechnen, dass Leute zu Dir kommen und Pizza oder Döner haben wollen.
Allerdings wohnt ja auf dem Lande kaum noch wer und die wenigen die noch da sind haben kein Geld oder sind zu alt. Deshalb verpflichtet Dich die Pommesbudenbedarfsplanungsanstalt dazu, einen Lieferservice anzubieten, für Pommes, Pizza und Döner und zwar rund um die Uhr, jeden Tag, auch an Wochenenden, Weihnachten und Ostern.
Ach ja, und dann gibt’s noch die Pommesbudenverwaltungsgebühr von zehn Euro. Die müssen alle Kunden zahlen, einmal alle drei Monate. Du musst das Geld abkassieren und unverzüglich an die Pommesbudenbedarfsanstalt weiterleiten, aber das ist ein anderes Thema…
Wie komme ich jetzt darauf?
Was hat das Ganze mit Ärzten oder Arztpraxen zu tun?
Och…. öh…. eigentlich fast gar nichts….

Written by medizynicus

27. April 2011 at 09:03

Veröffentlicht in Nachdenkereien

Selbstbehandlung für Jedermann

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Manchmal ist es wunderbar, wenn gar nichts passiert. Also passieren tut schon was, die Obstbäume blühen nämlich und die Kastanien auch und die Vögel zwitschern und Kalle und ich, wir sitzen gerade auf der Terrasse unserer Lieblingskneipe und tun… gar nichts.
Wir sitzen einfach da, nuckeln ab und zu an unseren Drinks und Kalle blättert im Programm der örtlichen Volkshochschule.
„Na, das wäre doch mal was!“ sagt er plötzlich.
„Was?“
Kalle hält mir das aufgeschlagene Volkshochschulprogramm unter die Nase.
„Was soll das?“
Kalle lehnt sich zurück und beginnt, mit theatralischer Stimme vorzulesen:
„Anfängerkurs Gesundheit für Jedermann,“ beginnt er und räuspert sich.
„Vermeiden Sie unnötige Arztbesuche! Lernen Sie die Kunst der Selbstbehandlung bei Kopf- und Rückenschmerzen, Verpannungen, Magenverstimmung, Durchfall, Verstopfung und anderen Leiden…“
Er hält inne und grinst.
„Na?“
„Unnötige Arztbesuche vermeiden? Das klingt gut. Vor allem, wenn es sich auf unnötige nächtliche Besuche in der Ambulanz und Notaufnahme eines gewissen Kreiskrankenhauses bezieht…“
Kalle klappt das Programm zusammen und seufzt.
„Vergiss es!“ sagt er, „Es geht leider nur um Energie- und Lichtheilung nach der Methode von irgendeinem Yogi Vishi-Vashi Sowienoch…“
Ich nippe nachdenklich an meinem Glas.
„Aber die Idee doch nicht schlecht… so ein Selbstbehandlungs- und Arztvermeidungskurs… vielleicht sollten wir das anbieten… im nächsten Semester…“

Written by medizynicus

26. April 2011 at 07:31

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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Krank feiern und so…

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Nach Langem hier wieder mal ein best of meiner Suchbegriffe…. merkt Ihr was?? 🙂

  • krank feiern
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  • magen darm krankschreiben
  • magen 1 woche krank machen

….ähem…. also…. hust… hüstel… bin schon wieder weg… frohe Ostern noch!

Written by medizynicus

24. April 2011 at 05:51

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Leih-Opas und Omas zu Ostern?

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Am vergangenen Mittwoch habe ich von Opa Müller berichtet, dem diesjänrigen „Osterhasen“ auf Station.
Das Thema ist ernst und leider traurig: alljährlich, nicht nur zu Ostern und Weihnachten, sondern auch zu anderen Feiertagen und natürlich auch zur Feriensaison landen eine Anzahl von älteren Menschen in Krankenhäusern, obwohl sie dort eigentlich nicht hingehören.
Zynische Kommentare in Richtung der Angehörigen helfen hier allerdings nicht weiter. Im Gegenteil: die Pflege eines alten Menschen ist Knochenarbeit und verlangt Aufopferung. Und die Pflegenden brauchen Urlaub und Zeit für sich selbst und die eigene Familie. Wer kann heutzutage verlangen, dass Kinder vor den Großeltern zurückstecken müssen?
Viele ältere Menschen sind einsam.

„Hätte ich Platz dafür, dürfte ein lieber Opa Müller gerne über Ostern zu uns kommen und mit unseren Kindern Ostereier suchen. Auch wenn er nicht blutsverwand ist“

schreibt Blogolade in einem Kommentar und ein anderer Kommentator, Jakob Kr. zitiert Gustav Heinemann:

„Den Charakter einer Gesellschaft erkennt man an ihrem Umgang mit den Alten“

Längst nicht alle einsamen alten Menschen sind dement oder pflegebedürftig, viele wären durchaus liebenswürdige Gäste und interessante Gesprächspartner. Deshalb frage ich mal an dieser Stelle: Wer von Euch würde über die Feiertage oder in der Urlaubszeit einen „Leih-Opa“ oder eine „Leih-Oma“ für begrenzte Zeit aufnehmen? Und wenn ja: gibt es irgendwo örtliche Projekte oder entsprechende Kontaktbörsen? Und falls nicht… wäre doch mal eine Idee, oder?

Written by medizynicus

23. April 2011 at 22:43

Veröffentlicht in Nachdenkereien

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