Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Morden kann Jedermensch

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Nein, das geht nicht!

Sie dürfen da nicht durch!

Ja, Sie, genau Sie meine ich, stellen Sie sich doch bitte hinten an, wie alle anderen auch, warten Sie, bis Sie an der Reihe sind und… nein, bitte nicht so laut! Schreien Sie doch nicht so.

He, seien Sie doch vernünftig, sehen Sie denn nicht, dass hier überall Menschen stehen? Und die Pistole stecken Sie jetzt bitte weg, weg mit der Pistole habe ich gesagt, ich bitte Sie, seien Sie doch….
Siehst Du?
Ist doch gar nicht so schwer! Einfach draufhalten, Dich nicht um das Gesabbel scheren, abdrücken und… Bumm, bumm, bumm! Geht ganz einfach. Die passende Knarre hast Du Dir im Darknet besorgt und wenn Dir das zu teuer ist, dann tut’s auch die Axt aus dem Baumarkt, kostet nur Neunzehn Achtzig, brauchst Du noch nichtmal zu bezahlen, oder glaubst Du, irgendwer wagt es Dich aufzuhalten wenn Du mit so einem Ding über der Schulter an der Kasse vorbeischluftst, im cool-schwarzen Hemd, schwarze Basecap und schwarze Sonnenbrille.
Kannst auch gleich an Ort und Stelle anfangen, wenn Du magst.
Und dann, hey, das volle Programm: Alle Räder stehen still und die Stadt gehört Dir!
Auf allen Kanälen im Fernsehen bist Du präsent und am nächsten Morgen bist Du in allen Zeitungen, auf den Titelseiten, mit Bild und riesengroßen Schlagzeilen.
Dumm nur, dass Du davon nichts mehr mitbekommst. Denn dieses Spiel spielst Du nur einmal und Du weißt genau, dass sie Dich erwischen werden und weil Du dann nichts mehr zu sagen hast, machst Du Dich lieber vorher vom Acker.
Und jetzt sag mir: War’s das wirklich wert?

Written by medizynicus

26. Juli 2016 at 17:40

Mit Fünfundneunzig in den OP?

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Schwester Paula schüttelt den Kopf.
„Die spinnen doch, die Chirurgen!“
„Warum?“
„Die haben die Frau Schumpeter operiert! Das ist doch Leichenfledderei!“
„Frau Schumpeter ist keine Leiche!“, gibt Kalle zurück und wirft ihr einen strafenden Blick zu.
Frau Schumpeter ist gesegnete fünfundneunzig Jahre alt und quicklebendig. Also so lebendig, wie man mit fünfundneunzig noch sein kann. Ein bisschen dement ist sie schon, also ein bisschen viel dement, man könnte auch sagen stockdement, aber es geht ihr offenbar ganz gut damit, abgesehen von ihren Gallensteinen.
Die Gallensteine hatten wir mehr oder weniger zufällig beim Ultraschall gefunden, und irgendein Spaßvogel hat unsere Patientin dann den Chirurgen vorgestellt.
Jetzt hat sie keine Gallensteine mehr. Und auch keine Gallenblase.
„Warum hat man sie operiert?“, fragt Schwester Paula.
„Na, weil sie Gallensteine hatte!“
„Hatte sie irgendwelche Beschwerden?“
„Gesagt hat sie nichts… aber wer weiß, vielleicht hatte sie ja Koliken und konnte sich bloß aufgrund ihrer Demenz nicht mehr äußern?“
„Aber muss man ihr in dem Alter noch eine Operation zumuten?“
„Warum nicht, wenn es ihr nutzt?“
„Mit fünfundneunzig ist so eine Operation doch mit einem deutlich erhöhten Risiko verbunden!“
„Na, Herz und Kreislauf sind noch erstaunlich gut bei ihr, und so eine Gallen-OP ist doch heutzutage wirklich keine große Sache mehr…. warum sollte man ihr das verweigern?“
„Weil irgendwann auch irgendwo mal Schluss sein muss!“, sagt Schwester Paula und verlässt kopfschüttelnd den Raum.

Written by medizynicus

10. Juli 2016 at 05:25

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Die kriminalistische Ambulanz: ein bisschen Nachhilfe für Krimi-Autoren

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Also Leute, aus aktuellem Anlass will ich mal Nachhilfe geben.
Weil ich selber gerne Krimis lese und mich immer wieder dar¸ber ärgere, wenn ein Autor mal wieder schlecht oder gar nicht recherchiert hat.
In so ziemlich jedem Krimi kommt ja mindestens eine Szene vor, die in einem Krankenhaus spielt, meistens in der Notaufnahme. Wenn man nun mal beruflicherseits die eine oder andere Notaufnahme von innen gesehen hat, dann lässt es sich nicht vermeiden, dass man bisschen weiss, wie es dort zugeht.
Außerdem wird in Krimis ganz gerne gestorben. Das ist allerdings gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Also, sterben natürlich schon, aber jemanden so richtig schön sterben zu lassen, das ist bekanntlich eine Kunst, die gelernt sein will, auch wenn man nur drüber schreibt und es hoffentlich nicht ausführt.
Nun lernt man da in unserem Job ja so das eine oder andere, auch darüber, wie gewisse Verletzungen und Krankheiten funktionieren und was davon zum Tode führt und was nicht.
Ist halt so in unsemr Job.
Krimi-Autoren wissen das in der Regel nur, wenn sie wen gefragt haben, und hey, bingo, hier bin ich, fragt mich doch, wenn Ihr mich traut!
Und wehe Euch, wenn ich dann noch einmal etwas von einer kreislaufstärkenden Spritze lese!

Written by medizynicus

3. Juli 2016 at 05:01

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Nicht ohne Diagnose!

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„Alles in Ordnung, Herr Schraubenmüller!“
Der Doktor reckt den Daumen nach oben.
„Was hab ich jetzt?“
Der Patient knöpft das Hemd langsam wieder zu.
„Keine Ahnung,“ sagt der Doktor, „auf jeden Fall aber nichts Schlimmes!“
„Und die Schmerzen in der Achillessehne?“
„…sind mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit harmlos!“
„Also die Sehne ist nicht gerissen?“
„Nein, Herr Schraubenmüller, Ihre Achillessehne ist nicht gerissen!“
„Na, dann ist ja alles gut, Herr Doktor! Ich danke Ihnen auch ganz herzlich! Schön, dass Sie mir die Angst genommen haben!“
Der Patient verlässt zufrieden das Konsultationszimmer und alle sind glücklich und zufrieden, bis…
Halt!
Stop!
Kurz zurückspulen!
„Was hab ich jetzt?“, fragt der Patient.
„Auf jeden Fall nichts Schlimmes!“, sagt der Doktor.
„Sie haben mir also gar keine Diagnose gestellt?“, insistiert der Patient.
„Nun ja, ich kann Ihnen sagen, dass Ihre Achillessehne intakt ist. Eine Ruptur der Achillessehne können wir mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen!“
„Herr Doktor, ich will nicht wissen, was ich nicht habe!“
„Freuen Sie sich doch!“
„Nein, darum geht es nicht, Herr Doktor! Ich hab doch was! Auch wenn meine Achillessehne nicht gerissen ist, tut sie doch weh!“
„Ja, das kann verschiedene Ursachen haben… aber vermutlich alles harmlos. Ich schreibe Ihnen da was auf…“
„Nein, Herr Doktor, ich will keine Pillen! Ich will eine Diagnose! Was soll ich denn meiner Frau sagen? Und meinem Chef? Und die Krankenkasse will doch bestimmt auch eine Diagnose haben!“
„Sagen Sie denen doch, dass Ihre Achillessehne weh tut!“
„Nee, das geht nicht, Herr Doktor! Ich brauche schon eine Diagnose!“
„Also gut, Herr Schraubenmüller: Sie haben eine Achillodynie!“
„Oh, danke schön, Herr Doktor! Sie sind ein wunderbarer Arzt! Dass Sie so tolle Diagnosen stellen können und so herrliche Wörter kennen, die niemand versteht, vor allem meine Frau nicht und mein Chef auch nicht!“
Der Doktor lächelt.
„Und können Sie mir vielleicht noch erklären, was das bedeutet?“
„Achillodynie? Das heißt: Schmerzen in Der Achillessehne. Sie wollten ja eine Diagnose!“

Written by medizynicus

27. Juni 2016 at 15:59

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Aderlass

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Der Nachtdienst muss heftig gewesen sein. Sarah sieht müde aus, als sie uns in der Frühbesprechung von ihren Erlebnissen berichtet.
„…und dann hatte ich noch einen Patienten zum Aderlass, der ist aber wieder nach Hause gegangen…“
Kalle runzelt die Stirn.
„Was wollte der?“
„Er sagte, ihm drückt’s so im Kopf. Das hat er immer, wenn der Blutdruck zu hoch ist. Dann geht er zum Hausarzt und lässt sich einen Aderlass machen. Aber der Hausarzt hat gerade Urlaub!“
„Und Du hast ihn wirklich zur Ader gelassen?“
Sarah wird ein wenig rot.
„Nun ja… der Blutdruck war wirklich erhöht…“
„Was hast Du gemacht?“
„Ich habe ihm einen halben Liter Blut abgenommen und dann eine Infusion angehängt um die Flüssigkeit wieder zu ersetzen!“
Kalle wirft ihr einen strafenden Blick zu.
„Das macht man doch heutzutage nicht mehr… wegen des Rebkund-Effektes…“
Der Chef räuspert sich im Hintergrund.
„Nun ja… wenn er das regelmäßig vom Hausarzt machen lässt, dann wird’s ihm auch dieses Mal nicht geschadet haben!“
„Gibt es denn wirklich noch Hausärzte, die so etwas machen?“
„Na ja, vor dreißig oder vierzig Jahren war es wohl mal ziemlich populär…“
„Warum schickt man ihn denn nicht einfach zum Blutspenden?“
„Tja, das kann man halt nicht abrechnen!“

Written by medizynicus

13. Juni 2016 at 05:22

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Bar Campen und Sex

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…falls jemandem hier die letzten beiden Beiträge kryptisch vorkommen sollten: Es geht um das Heidelberger Literaturcamp, welches in diesem Moment gerade in… surprise, surpirse… Heidelberg stattfindet.
Vorhin gab’s vegane Linsensuppe und jetzt gibt’s Bier und Wein und man redet über Sex. Also um die Warengruppe 483 im Buchhandel: „Entspannungsliteratur“ heißt das im Behördendeutsch, man könnte es auch als…. äh…. Schweinkram…. ja, also eben so’n Zeug halt… ja, darum geht’s jetzt gerade…
Aber jetzt muss ich aufpassen, ist schließlich ein…. äh.. sehr anspruchsvolles Thema.

Written by medizynicus

11. Juni 2016 at 19:08

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Bar Campen im Barcamp

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So, jetzt weiß ich, wie Clubmate schmeckt. Und eine leibhaftige Ghostwriterin habe ich kennengelernt, die sah gar nicht so geisterhaft aus, eigentlich sogar ziemlich normal. Die Schlangen vor den veganen Bratkartoffeln sind immer noch lang. Aber lecker. Also die Bratkartoffeln, nicht die Schlangen. Veganen Quark gibt’s auch, und Reis und Curry und zum Nachtisch Bio-Slush-Eis. Fotos vom Essen werden life auf Instagram geteilt.
Jeder darf sich vorstellen, mit Vorname, Twitter-Account und drei Hash Tags. Wer was vom Fußball erzählt, muss Strafe zahlen.

Written by medizynicus

11. Juni 2016 at 12:36

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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