Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Einen Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars…. oder: wie manche Ärzte die Welt bescheißen

with one comment

Nein, Frau Schrumpelköter, so geht das nicht… nein, wirklich nicht, was denken Sie sich denn, wo Sie hier sind?
Einen Termin wollen Sie? Bei unserem Herrn Doktor? Und da glauben Sie, könnten Sie einfach so anrufen? Hören Sie mal, was glauben Sie, wenn das jeder so machen täte, wo kommen wir da hin, neinneinnein, Frau Schrumpelköter, so geht das wirklich nicht!
Also, ich erkläre Ihnen das jetzt mal. Wenn Sie zum Herrn Doktor wollen, dann brauchen Sie einen Termin!
Ja, richtig!
Deshalb rufen Sie an, sagen Sie?
Jetzt hören Sie doch gefälligst mal zu, ich wollte Ihnen das doch erklären, also, wann hätten Sie denn Zeit, mal bei uns vorbei zu kommen?
Himmel nochmal, natürlich können Sie nicht einfach so in die Praxis schneien und gleich zum Doktor gehen, das erkläre ich Ihnen doch schon die ganze Zeit, Sie müssen einen Termin vereinbaren, und deshalb müssen Sie vorbeikommen, damit wir Ihre Krankenkassenkarte einlesen können.
Richtig, jetzt haben wir Mitte Februar und das Quartal ist fast schon vorbei, also wenn Sie sich beeilen und die Karte dieses Quartal noch vorbeibringen, dann können wir vielleicht noch etwas machen im nächsten Quartal, da müssen Sie aber schon fix sein!
Wie bitte? Warum wir die Krankenkassenkarte schon in diesem Quartal brauchen, wenn der Termin erst im nächsten Quartal ist?
Ja, natürlich, damit wir den Termin… also den Termin zur Terminvereinbarung, damit wir den halt auch abrechnen können, wissen Sie, man kriegt nix geschenkt, so ist das im Leben!
Wie bitte? Im nächsten Quartal…. natürlich rechnen das ab im nächsten Quartal, wenn Sie den Doktor sehen!
Was, ob wir zweimal…? Ja, Sie sind doch zweimal bei uns in der Praxis, einmal jetzt und einmal im nächsten Quartal?
Was? Sie sehen den Doktor doch bloß einmal?
Ja hören Sie mal, glauben Sie, der Herr Doktor hat Zeit, sich um jeden Kleckerkram zu kümmern?
Jetzt mal nicht frech werden, Frau Schrumpelköter, und wenn Sie in diesem Leben noch irgendwann mal einen Doktor sehen wollen, dann verscherzen Sie es sich bloß nicht mit uns, wir werden noch sehen, wer hier am längeren Hebel sitzt!
Jqwoll!
So ist das!
So ist es leider wirklich…. immer wieder mal: niedergelassene Arztkollegen verlangen von neuen Patienten, dass man „zur Terminvereinbarung“ persönlich vorspricht und „schon mal die Karte mitbringt“.
Die Karte wird natürlich eingelesen – und damit wird ein fiktiver Arztkontakt abgerechnet, notfalls wird hier und dort ein bisschen nachgeschummelt (vielleicht drückt einem der Doktor ja tatsächlich im Vorbeigehen die Hand). Das ist ganz klarer Betrug.
Aber… halb so schlimm, weil’s ja jeder macht, oder?

  • Die Assistenzärztin hat diese Schummelei schon im letzten Jahr beschrieben – aber ich hab’s ja nicht glauben wollen….
Advertisements

Written by medizynicus

14. Februar 2018 at 21:16

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Mit der Pferdekutsche zum Arzt

with one comment

Kleines Gedankenexperiment:
Es ist ein ganz normaler Montagmorgen, wir befinden uns in irgendeiner belebten Innenstadt. Vor unseren Augen klappt ein Passant plötzlich zusammen, röchelt kurz und dann liegt er da…
Was macht man? Gut aufgepasst beim letzten Erste-Hilfe Training? A-B-C und so weiter, rasch mit der Reanimation beginnen, und… natürlich Notruf absetzen. Wie gut, dass heutzutage fast jeder ein Handy dabei hat. Also, wir haben angerufen, alles korrekt durchgegeben, reanimieren fleissig weiter und… weiter… und weiter… und weiter.
Inzwischen werden wir ungeduldig. Wo bleibt denn der Rettungsdienst? Reanimieren ist bekanntlich verdammt anstrengend, bald wird uns die Puste ausgehen und dann…. nach einer geschlagenen halben Stunde zockelt endlich eine rotweiße Pferdekutsche mit Blaulicht auf dem Kutschbock heran.
Was für ein Blödsinn!
Richtig. Ist ja auch zum Glück nur ein Gedankenexperiment.
Pferdekutschen sind verdammt langsam und – zumindest für den notfallmäßigen Krankentransport – definitiv nicht mehr zeitgemäß, weil es schnellere Alternativen gibt. Eine Email ist ja auch deutlich rascher beim Empfänger als ein Brief, der vom Landpostillon zugestellt wurde.
Interessant ist allerdings, dass bei Arztbriefen und anderen medizinischen Dokumenten wie z.B. CD’s mit Röntgenbildern (die alten Filme haben ja zum Glück inzwischen fast überall ausgedient) auch heutzutage noch auf den Landpostillon vertraut. Zwar wird heutzutage Vieles per Fax erledigt, aber oft genug erinnert die Kommunikation doch sehr an die sprichwörtliche „Stille Post“, die Flüsterkommunikation von Ohr zu Ohr, bei der am Ende etwas ganz Anderes herauskommt als das, was anfangs beabsichtigt war: Wird ein Patient stationär aufgenommen, dann verbringt man viel Zeit damit, herauszufinden, welche Medikamente er nimmt. Im besten Fall hat er eine vom Hausarzt ausgedruckte Liste dabei, manchmal aber auch nur eine Plastiktüte voller Pillenschachteln, oder noch nicht einmal das.
Der Aufnahmearzt schreibt dann alles per Hand in den Aufnahmebogen, welcher dann – ebenfalls per Hand – auf den Anordnungsbogen kopiert und von den Pflegekräften in das Krankenblatt (die „Kurve“) übertragen wird… und vor Entlassung das selbe Spiel: die Liste aus dem Krankenblatt wird abgelesen und in den Arztbrief diktiert, welcher von einer Sekretärin ausgedruckt und dann von drei Ärzten gegen gelesen wird…
viel langsamer ist die Postkutsche wirklich nicht!

Written by medizynicus

4. Februar 2018 at 18:57

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Gesünder Quarzen?

with 4 comments

Rauchen ist ungesund.
Der Marlboro-Mann hat’s angeblich nicht gewusst, bevor ihn das schreckliche Bronchialkarzinom dahingerafft hat. Aber wer heute noch nicht kapiert, dass Fluppen, Zichten, Sargnägel und Krebsnudeln es in sich haben, lebt entweder jenseits von Spelunkistan oder planscht eher am flachen Ende des Genpools.
Das weiß man. Auch ohne die bunten Sammelbildchen auf den Packungen (habe ich eigentlich das Sammelalbum schon erwähnt? Ich kriege keine Prozente, aber verlinke es trotzdem gerne, denn die Idee hätte auch von mir stammen können!).
Also gut. Selbst die Marlboro-Macher wollen ihr Geld auf andere Weise verdienen.
Was tut man, um die Aktionäre nicht zu enttäuschen?
Man investiert in neuartige Dampfnudeln und E-Zigaretten und statt beißendem Tabakqualm wabern jetzt überall Gummibärchendüfte durch die Lande.
Aber sind diese Dinger wirklich so gesund?
Zumindest, was die Tabakerhitzer (im Gegensatz zu den E-Zigaretten) angeht, sind sich die Experten da nun doch nicht so sicher

Written by medizynicus

2. Februar 2018 at 17:54

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Autogrammstunde beim Chirurgen: geht mal gar nicht!

with 4 comments

Sowas gibt’s eigentlich nur bei ganz schicken Autos: Wenn der Motor fertig ist, darf der Mechaniker, der ihn fertig gemacht hat, sich darauf verewigen. Mit einer kleinen Plakette, auf der sein Name, Datum und Unterschrift steht: „Diesen tollen Motor hat Olli Krawuttke fertig gemacht!“, oder so ähnlich. Die Plakette wird dann auf den Motor geschweißt dann sind sie unzertrennlich, die beiden, der Motor und die Plakette. Wohin auch immer der neue Besitzer seine Superkarre jetzt ausführen wird, ob mit Tempo zweihundertsiebzig über die Autobahn oder die steilsten Passstraßen hinauf oder im Stau vor Bad Dingenskirchen… die Plakette mit der Unterschrift von Olli Krawuttke ist immer dabei.
Neulich gab’s mal einen Chirurgen, der wollte auch immer dabei sein.
Also hat er auch Autogramme gegeben.
Auf den Lebern seiner Patienten. Also, wenn er jemandem eine neue Leber eingebaut hat, dann hat er drauf unterschrieben, doch, das gibt’s! Mit einem Laser-Dingsda hat er das gemacht, und dann fein wieder alles zugenäht. Hat keiner gemerkt, dass da die Unterschrift vom Dr. Krawuttke drin ist.
Hat doch jemand gemerkt.
Weil die eine oder andere Leber mal wieder ausgebaut werden musste.
War nicht so schön.
Jetzt muss er Sozialstunden machen, der arme Doktor….

Written by medizynicus

1. Februar 2018 at 21:32

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Schon wieder: Verliebt in eine Patientin… (nein, nicht ich!)

leave a comment »

…diesmal hat’s auf Bento.de Jan, 28 erwischt, Krankenpfleger auf einer Intensivstation. Soll vorkommen. Gesprochen hat er mit seinem Schwarm noch nicht, aber sie hat ihm schon zugezwinkert!
Und was sagt die Kummerkastentante?
Nein, die Telefonnummer aus der Krankenakte abzufotografieren, ist ein absolutes NoGo, da nutzt Dir auch die beste Rechtschutzversicherung nicht, wenn die Sache auffliegt. Abgesehen davon, dass Du Deinen Job dann knicken kannst für den Rest des Lebens.
Allerdings darfst Du ihr Deine Telefonnummer geben, sagt die Kummerkastentante.
Da bin ich anderer Meinung. Job ist Job und never f… the Company gilt in unserem Job mehr als anderswo!
Mehr zum Thema:

Written by medizynicus

31. Januar 2018 at 20:29

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Zehn Stunden warten in der Notaufnahme? Selber schuld!

leave a comment »

War ich doch letztens beim Bäcker: Fünf Brötchen und ’nen Kaffee zum Hier Trinken. Und als ich gerade das Wechselgeld einstecken will, fällt mein Blick auf die Schlagzeile der Zeitung mit den vier Buchstaben, die da auf der Theke liegt: „Notfall-Notstand!“ springt es mir entgegen.
Wie schrecklich es bloß zugeht in den Notaufnahmen der deutschen Krankenhäuser. Es soll Patienten gegeben haben, die zehn Stunden warten mussten….
Danke, das reicht!
Eigentlich habe ich den Kaffee jetzt schon auf. Aber weil ich ihn bezahlt habe und das Tässchen verführerisch duftend vor mir steht, atme ich erstmal tief durch, und wenn ich einen Leserbrief schreiben würde an die Zeitung mit den vier Buchstaben, dann stünde da jetzt ungefähr Folgendes drin:
Ja, liebe Zeitung, Ihr habt richtig recherchiert. Es soll sogar Patienten geben, die in der Notaufnahme zwölf oder vierzehn Stunden gewartet haben. Was nicht daran liegt, dass wir, die wir auf der anderen Seite der Wartezimmertür diese zehn, zwölf oder vierzehn Stunden damit verbringen, Kaffee zu trinken oder Nickerchen zu halten. Im Gegenteil, die meisten von uns rödeln uns den Ar…, äh, ich meine… Ihr wisst schon, was.
Also, eine Notaufnahme, in der man zehn, zwölf oder vierzehn Stunden warten muss, ist entweder völlig desorganisiert oder schlicht und einfach überlastet. Und im Letzteren Fall könnte man sich mal überlegen, woran das wohl liegen mag…
Leute, denkt doch mal an die gute Seiten dieser Nachricht:
Erstens: Es gibt hier in diesem Land fast flächendeckend Krankenhäuser mit Notaufnahmen!
Zweitens: Die wirklich Schwerkranken müssen keine zehn Stunden warten, auch wenn es Ausnahmen geben mag, die welche die Regel bestätigen.
Drittens: Auch wer sich nur den kleinen Zeh verrenkt, seit drei Wochen Rückenschmerzen oder beim Hausarzt abends um halb neun keinen Termin mehr bekommen hat, wird in unseren Notaufnahmen nicht weggeschickt, sondern trotzdem behandelt. Aber der muss dann warten.

Written by medizynicus

30. Januar 2018 at 06:24

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Schön war’s in der großen Stadt

leave a comment »

Ab und zu kommt ja auch unsereins mal raus aus der Klinik, sogar raus aus Bad Dingenskirchen, raus aus der Provinz und macht sich inkognito auf den Weg in die große, große Stadt…
…und dann kommt man da an, quartiert sich in einem super-schicken Hotel ein, das so geheim ist, dass es noch nicht einmal eine Festnetz-Telefonnummer hat und weil es so geheim ist, sogar billiger ist, als die schäbige Absteige gegenüber und dann, ja, dann hat man kaum seinen Koffer abgestellt, als das Handy schon anfängt zu vibrieren und zu düdeln und gar nicht mehr aufhört zu vibrieren und zu düdeln, weil man nicht der einzige Blogger ist, der sich heute auf den Weg gemacht hat in die große, große Stadt!
Ist ja schließlich Blogger-Treffen heute!
Wenige Minuten später treffe ich PharMama – seit zehn Jahren schon kennen wir uns virtuell, aber heute stehen wir uns zum ersten Male Face to Face gegenüber. Kurz darauf schneit PTAchen aus dem Apothekentheater herein, die ich ja schon ein halbes Jahr zuvor kennen gelernt habe, ebenso wie den 5-Foraminologen. Gemeinsam geht’s mit Bus und U-Bahn quer durch die Stadt in ein gemütliches Café, wo Mira von DocCheck auf uns wartet und sich Mr. Save Yourself zu uns gesellt.
Mira hat zwei Experten für eine Diskussionsrunde eingeladen – nicht ins Café, sondern in ein geheimes Eventlocationladenlokal. Vor der Tür treffen wir den Kinderdoc und dann sind da noch Jan von Psychiatrie To Go und Alexander von Psychosomatikum (fast noch bekannter sind die Beiden für ihr Psych-Cast Podcast-Projekt). Und dann gibt es noch die Hüterin des Rechts.
Anschließend gibt’s ein leckeres Abendessen beim Szene-Italiener um die Ecke. Die Rechnung hierfür hat übrigens DocCheck übernommen, herzlichen Dank also nochmal an dieser Stelle!
PharMama und PTAchen lassen sich von Taxi-Blogger Sash zurück ins Hotel chauffieren und ein paar Unverzagte begeben sich noch in die düstere Qualmspelunke nebenan auf ein kleines Absackerbier….
Schön war’s!
Ja, und für den KinderDoc ist die Party noch weiter gegangen, er ist nämlich heute zum Goldenen Blogger gekürt worden!
In diesem Sinne: Einen ganz herzlichen Glückwunsch also, lieber KinderDoc!

Written by medizynicus

29. Januar 2018 at 21:36

Veröffentlicht in Ein Herz für Blogs

%d Bloggern gefällt das: