Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Schon wieder MoFi!

leave a comment »

Schnarch.
Schnarchschnarchschnarchsägschnarch.
Dunkel ist die Nacht. Und still. Angenehm still.
Ring.
Ringdüdelschrill.
Was?
Ring. Ringdüdelschrill.
Wie bitte? Wo bin ich? Ach ja, hab ja Dienst!
„Ja?“
„Herr Doktor? Hier Schwester Paula, Station zwo.“
„Und?“
„Herr Schulze ist aus dem Bett gefallen.“
„Ach?“
„Dicke Beule an der Stirn. Blutet außerdem.“
Hab ich wohl keine Wahl: raus aus dem Bett, schlappschlappschlapp auf Station…. wie zu erwarten, alles halb so wild.
„Herr Doktor?“
„Ja, Schwester Paula?“
Der einzig akzeptable Satz, die ich jetzt zu hören bereit bin, wären: „Möchten Sie eine Tasse Kaffee, Herr Doktor?“
Kommt aber nicht, der Satz.
„Schauen Sie mal aus dem Fenster!“
Aus dem Fenster? Ja, was ist da? Das nächtlich dunkle Bad Dingenskirchen und oben drüber ein voller Vollmond… Moment…. Wo is’n der Mond hin? Nur noch eine ganz schmale Sichel ist übrig, und die wird immer schmaler, ist dann ganz weg und jetzt ist der Mond ganz bleich und blutrot, bis sich dann eine Wolke davorschiebt.
„Eindrucksvoll, nicht wahr?“
„Was’n das?“
„Mondfinsternis.“
Mondfinsternis? Hatten wir doch letztens erst!
„Kommt erst in neun Jahren wieder!“
In neun Jahren? Was wird bis dann alles passiert sein? Ist mir aber auch egal. Ich brauch jetzt einen Kaffee. Und dann nochmal für ein Stündchen ins Bett.

Advertisements

Written by medizynicus

21. Januar 2019 at 06:52

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Tagged with

Zum Arzt wird man geboren oder man ist es nie… Kann man Arzt-sein wirklich lernen?

leave a comment »

Arzt kann jeder werden.
Also, zumindest im Prinzip: wenn man Abitur hat, natürlich gut genug um den NC zu schaffen, und der liegt heutzutage bei… puh… einskommanull, fast überall, nicht wahr? Ehrlich gesagt, so gut war ich nicht, damals. Okay, die Hürden sind nicht ohne, wenn man einen Studienplatz erlangen will. Und das Studium selbst hat es ebenfalls in sich, zumindest die ersten Jahre, und dann muss man noch das Examen schaffen, aber dann ist man Arzt. Endlich!
Pustekuchen, sagen Diejenigen, die es unbedingt besser wissen müssen: Wer Medizin studiert hat, ist Mediziner. Ein Mediziner ist noch lange kein Arzt. Arzt kann man nicht werden, Arzt muss man sein: man ist es, oder man ist es nicht, und wer es ist, der war es immer schon, Punkt, aus basta!
„Zum Arzt wird man geboren oder man ist es nie. Gütige Götter legen ihm Gaben in die Wiege, die nur geschenkt, niemals aber erworben werden können.“ – das soll der Schlaumeier Erwin Liek einmal im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts behauptet haben (wobei interessant sein dürfte, welcher Religionsgemeinschaft er eigentlich angehört hat, da er ja von Göttern in der Mehrzahl spricht).
Arzt sein ist also etwas ganz Besonderes, das ist einem entweder in die Wiege gelegt oder halt nicht.
Hmm. Ich dachte bislang immer, Arzt sei ein ganz normaler Beruf wie jeder Andere auch – ein bisschen mehr Sozialprestige als ein Müllmann (womit ich nichts gegen Müllmänner und -Frauen gesagt haben möchte) und ein bisschen weniger Geld als Investmentbanker oder Top-Anwalt. Aber ehrlich gesagt, so ganz unter uns, bin ich mir ziemlich sicher, dass damals, als ich in die Windeln gemacht und im Kinderbettchen geschlafen habe (Wiegen waren, soweit ich weiß, zu meiner Zeit schon nicht mehr so verbreitet) noch kein Arzt war. Wirklich nicht. Seid ihr jetzt enttäuscht?
Ich wurde es erst während meines Studiums… oder vielleicht erst nachher?
Zugegeben: nicht jeder, der das ärztliche Staatsexamen erfolgreich besteht, wird ein guter Arzt. Es mag sogar Kollegen geben, die das Examen mit Bravour und Bestnote bestanden haben und trotzdem (oder gerade deswegen?) furchtbare Ärzte sind.
Es gibt sogar furchtbare Verbrecher, Mörder und sogar Massenmörder in unserem Berufsstand: Leute – ich schäme mich hier, das Wort „Kollegen‟ in den Mund zu nehmen – also miese Typen, die ihr Gewissen an der Garderobe abgegeben haben.
Womit wir beim Thema wären: ein Arzt sollte so etwas wie ein Gewissen haben. Er sollte so etwas wie Wertschätzung für seine Patienten (und andere Mitmenschen) empfinden. Ein Arzt sollte ethisch handeln.
Das Zauberwort heißt „Empathie‟. Empathie ist die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich in andere Menschen hineinzudenken.
Nicht jeder Mensch ist empathisch. Es gibt Menschen, denen jede Empathie fehlt – eng verbunden damit ist das Krankheitsbild der Dissiozialen Persönlichkeitsstörung, in seiner schweren Form auch als „Psychopathie‟ bezeichnet. Nun liegt es auf der Hand, dass Psychopathen in der Regel keine guten Ärzte sind – wobei es durchaus Fachgebiete gibt, in denen Empathie nicht ganz so wichtig ist – ich denke da zum Beispiel an Pathologen und Labormediziner (bitte keine Chirurgenwitze an dieser Stelle!). In diesen Disziplinen kommt man weitgehend ohne Patientenkontakte aus.
Wer mit Patienten zu tun haben will – und das dürfte die weit überwiegende Mehrheit aller Kolleginnen und Kollegen sein – der sollte sich irgendwann einmal ein paar Gedanken zum Thema Empathie gemacht haben.
Nun darf man Empathie nicht mit Mitleid verwechseln. Zwar gehört laut Wikipedia zur Empathie auch „die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen‟, wie eben Mitleid, Trauer, Schmerz und Hilfsbereitschaft, aber es geht vor allem darum, Gefühle – seine eigenen und die seiner Mitmenschen – wahrnehmen und auch richtig einschätzen zu können. Ein Arzt, der beim Anblick eines jeden schwerkranken Patienten sofort in Tränen ausbricht mag zwar ein wesentlich sympathischerer Mensch sein als ein fieser Psychopath, ob er seinen Patienten damit weiterhilft, steht aber auf einem anderen Blatt.
Empathie fällt nicht vom Himmel. Empathie kann man lernen, so wie man anatomische Strukturen, physiologische Abläufe und die Entstehung und Behandlung von Krankheiten lernen kann.
Empathie wird übrigens auch tatsächlich gelehrt – zumindest gibt es für engagierte Studenten/innen und Jung-Ärzte genügend Möglichkeiten, empathisches Handeln lernen. Wenn man denn will. Ob man das will und ob es einen in seiner Karriere wirklich weiterbringt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Aber, um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Ja, Arzt sein kann man wirklich lernen – und man muss es auch tun, denn es wird einem eben nicht in die Wiege gelegt.

Written by medizynicus

20. Januar 2019 at 18:33

Veröffentlicht in Nachdenkereien

Tagged with , , , , ,

Unerwartete Hilfe für Trump: Finanziert Putin die Mauer?

leave a comment »

Amerika steht still. Selbst im Weißen Haus gibt es nur noch Fastfood in dekorativer Plastikverpackung. Tausend Hamburger will Donald Trump besorgt – und selbst bezahlt! – haben um sie an ein Football-Team zu verfüttern. Innerhalb einer Stunde war alles Ratzeputz-weggefegt. Sagt er.
Die Sache mit dem Haushaltsstreit hingegen ist noch lange nicht gegessen. Weil die bösen Demokraten alles blockieren. Denn die wollen die Rechnung für die böse Mauer nicht bezahlen…
Läppische fünf Milliarden!
Ist doch kein Ding… fast geschenkt… könnte man doch glatt aus der Portokasse nehmen, müsste man nur den einen oder anderen Oligarchen etwas nachdrücklich um eine kleine Spende bitten…
Also, Onkel Putin, worauf wartest du noch? Mach schon, lass die Kohle rüberwachsen, bevor noch ein Unglück passiert und der nächste Football- oder Baseballspieler sich an einem Hamburger verschluckt!

Written by medizynicus

17. Januar 2019 at 21:55

Ein Frohes Neues Jahr

with 5 comments

…trotz andauernder Blogopause herzliche Neujahrsgrüße an alle!
Wie und ob es weitergeht? Schaunwirmal….

Written by medizynicus

1. Januar 2019 at 02:22

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Vor 29 Jahren ist eine Mauer gefallen…

with 3 comments

…und jetzt baut man ein paar hundert Kilometer weiter neue Mauern auf.
Kleiner Zeitsprung gefällig? Man muss schon mindestens fünfunddreißig Jahre alt sein, um sich zu erinnern: damals gab es eine Grenze. Eine Grenze, die nicht nur unseren Kontinent, sondern die ganze Welt in zwei feindliche Lager teilte. Heute rast man ganz selbstverständlich im Schnellzug mit 300 KM/h darüber hinweg, und das ist gut so.
Aber auch heute stehen Menschen vor Zäunen, die sie nicht überwinden können.

Written by medizynicus

9. November 2018 at 23:34

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Patientenverarsche Zwo Null

with one comment

Um es gleich mal vorwegzunehmen: kostenlos gibt’s nicht!
Das, über das wir hier reden, kostet Geld und das Geld kommt von dir und mir, nämlich von unseren Krankenkassenbeiträgen. Worum es geht?
Also gut, fangen wir mal von vorne an:
Patienten wollen informiert sein.
Patienten wollen wissen, was die Ärzte (und ihre Helfershelfer) so alles mit ihnen anstellen.
Patienten wollen nicht für dumm verkauft werden.
Und deshalb haben sich vor knapp zwanzig Jahren ein paar Leute, die etwas zu sagen haben zusammengesetzt und mal überlegt, was man da so machen kann. Herausgekommen ist die „Unabhängige Patientenberatung Deutschland„, die dich und mich über Gesundheitsdinge aufklären, beraten und informieren soll. Bei Bedarf nicht nur auf deutsch, sondern auch auf russisch und türkisch. Und zwar objektiv, unabhängig, auf hohem Niveau und ohne dass du und ich an Ort und Stelle dafür bezahlen müssen.
Organisiert war das Ganze als Gemeinnützige GmbH, beteiligt waren unter anderem die Verbraucherzentralen und der Sozialverband VdK.
Finanziert wird die Sache, wie gesagt, direkt und indirekt aus den Krankenkassenbeiträgen. Da kommt schon einiges zusammen und wenn man’s richtig macht, kann man damit sogar richtig gut Geld verdienen. Das dachte sich schon anno 2015 ein privates Dienstleistungsunternehmen und kaufte den Laden mal so eben auf. Beraten und informieren kann man ja auch als privatwirtschaftliche Firma. Muss nicht unbedingt schlecht sein, auch wenn die Firma gleichzeitig irgendwie irgendwo mit Pharmaunternehmen zusammenarbeitet.
Jetzt wurde der Laden erneut verkauft – und zwar über ein ziemlich undurchsichtiges Konstrukt von Mutter- und Tochterfirmen mit wohlklingenden Namen – und am Ende steht ein Unternehmen, welches unter anderem auch Pharmareferenten rekrutiert und ausbildet.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Die Rechnung zahlst weiterhin du. Und ich. Egal, ob wir gerade Lust auf Pharma-Interessen-gesteuerte Beratung haben, oder nicht.

Written by medizynicus

30. September 2018 at 09:24

Veröffentlicht in Gehört und gelesen

Deutschland im Mittelfeld:  zwischen Schweden und Bangladesch

with one comment

Eine weltweite Analyse hatte 2017 ergeben: Während ein Allgemeinmediziner in Bangladesch nur 48 Sekunden mit einem Patienten verbringt, hat ein Arzt in Schweden im Schnitt 22,5 Minuten übrig. Deutschland liegt laut der Studie im Mittelfeld. Hierzulande dauert ein Arztbesuch 7,6 Minuten.

…was allerdings unterschlagen wird: rechnet man die Anzahl der Arztbesuche pro Patient, dann sind wir Deutschen wieder Spitzenklasse!

Quelle: Bundesregierung will Wartezeiten auf Arzttermin per Gesetz verkürzen – SPIEGEL ONLINE

Written by medizynicus

28. September 2018 at 12:17

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn