Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Klare Aussage

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“Herr Doktor, wohne ich alleine! Herr Doktor. Sind aber Kinder da, bin ich nicht alleine. Wohnen iberall, Kinder, in Wohnung, in Haus, in Stadt, iberall wohnen Kinder. Sind aber nicht da, Kinder. Sind nie da, Kinder. Bin ich alleine, Herr Doktor!”

Written by medizynicus

7. August 2015 at 15:39

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Von leckeren Häschen in knappen Höschen

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Oh, ich liebe den Sommer!
Nach der Arbeit gemütlich durch die Stadt schlendern, dann zu Gepetto auf die Terrasse, einen Cappuccino bestellen – nein danke, für mich bitte keinen Latte Matschiatoo, auch keinen Hugo, höchstens vielleicht einen leckeren Aperol Spritz, aber dazu ist es jetzt noch zu früh – ja, und dann setze ich meine Sonnenbrille auf.
Ich habe mir nämlich letztens so eine richtig coole Sonnenbrille gekauft. Nein, nicht verspiegelt, schön geheimnisvoll-schwarz, das ist viel cooler. Ja, und die setze ich dann auf, während ich an meinem Cappuccino nippe und dann schau ich mir die leckeren Häschen an.
Wie bitte?
Das ist chauvihaft? Machomäßig, politisch unkorrekt, frauenverachtend, sowas tut man nicht?
Hey, hey, hey! Jetzt mal schön zwei Gänge runterschalten!
Also: Grapschen – absolutes No-Go!
Fiese Anmache – geht gar nicht!
Zotige Sprüche – auch out.
…aber hingucken?
Leute, echt jetzt: wer sagt, dass leckere Häschen in knappen Höschen vor der Eisdiele kein schöner Anblick sind, der ist entweder kein Mann oder steht eher auf knackige Jungs, was ja auch in Ordnung ist.
Okay, okay, ich verstehe schon, wer glücklich verbandelt ist, sollte zumindest in Anwesenheit seiner Liebsten etwas vorsichtig sein, wenn er keinen Krach riskieren will.
Aber jetzt erzähl mir doch bitte niemand, dass ich krampfhaft weggucken soll.
Oder etwa doch?

Edit: hier der im Kommentar von Sweetkoffie (Danke!) erwähnte Spiegel-Online Artikel, der mich zu diesem Beitrag inspiriert hat:

Written by medizynicus

8. Juli 2015 at 07:46

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Wartezimmerwarten als Kunst: die exklusivste Webseite der Welt

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Ja.
So isses.
Immer hinten anstellen, Nümmerchen ziehen und warten.
Und warten.
Und warten.
Dann passiert erstmal gar nichts. Manchmal sieht man, wie jemand vorbeikommt, der schon fertig ist mit dem Warten: der trippelt hastig vorbei und eh man es geschafft hat, den enigmatischen Gesichtsausdruck zu deuten, ist er auch schon weg.
Ob beim Amt oder beim Zahnarzt: es ist doch irgendwie immer das Gleiche. Und wer einmal die eine oder andere Stunde seines Lebens in der Warteschleife seiner Lieblingsnotleine verbracht hat, weiß, dass Dantes Vorhöllle dagegen ein Ponyhof ist.
Wer will, kann seine masochistischen Neigungen auch im Internet ausleben. Zum Beispiel auf der angeblich exklusivsten Webseite der Welt. Das Prinzip ist schnell erzählt: Nur einer kann zuschauen, bis man dran ist, muss man warten. Also digitales Nümmerchen ziehen und dann auf den Bildschirm starren. Stunde um Stunde. Wenn man die Seite neu lädt, oder wenn der Server mal abstürzt oder der Rechner schlafen geht, fliegt man raus und muss sich wieder hinten anstellen.
Ungefähr Fünfzigtausend Leute haben das schon getan. Oder fünfhunderttausend? Egal. Jedenfalls ziemlich viele. Jedenfalls muss man mehrere Stunden warten.
Und was gibt’s?
Auch das ist schnell erzählt. Hier also, ganz exklusiv und einmalig die Auflösung:
Wenn man an der Reihe ist, wird der graue Seitenhintergrund blau und man darf einen Kommentar abgeben. Dann kriegt man einen Preis, heißt es.
Und dann gibt es Katzenbilder.
Eine Minute lang. Dann wird die Seite wieder grau und man kann sich erneut anstellen.
Wenn man denn möchte.

Written by medizynicus

6. Juli 2015 at 23:11

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Alles hat seine Zeit….

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….und hier ist seit geraumer Zeit wieder einmal Pause.
Von der Frühjahrsmüdigkeit geht es übergangslos weiter ins Sommerloch, so scheint es.
Nein, keine Bange: irgendwie wird es schon weitergehen.
Fast sieben Jahre ist dieses Blog nun schon alt. Im Internet ist das schon ziemlich alt.
Viele andere Blogs habe ich in dieser Zeit kommen und gehen sehen.
Aber ist Bloggen überhaupt noch zeitgemäß?
Hat sich das nicht alles längst auf andere Plattformen verlagert, Facebook, Instagram und wie sie alle heißen?
Dieses Blog hat mir eine Menge Spaß gemacht in den vergangenen sieben Jahren.
Es hat mir geholfen, einige der wunderbarsten Menschen der Welt zu finden. Und deshalb wird es weiter leben – mal mehr, mal weniger aktiv, wie das so ist im Leben…
Ich habe Ideen.
Ich habe Pläne und ich habe Träume.
Okay, natürlich würde ich gerne den einen oder anderen Bestseller schreiben. Was gar nicht so unrealistisch ist: andere Blogger haben das auch geschafft. Wie sie es geschafft haben, verraten sie natürlich nicht, so ist das nun einmal im Leben…. allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass es nicht ausreicht, sich einfach zurück zu lehnen und darauf zu warten, entdeckt zu werden. Wobei natürlich: hey, falls hier der eine oder andere Verleger oder Agent vorbeischauen sollte: Huhu, hier bin ich, sprich mich ruhig an, ich tu alles, was…. also fast alles…. äh, also vielleicht könnten wir ja trotzdem ins Geschäft kommen….
…und falls nicht… na, dann schauen wir mal.
Also: keine Angst, irgendwie geht’s hier schon weiter. Wie genau, das weiß ich noch nicht, aber Ihr werdet von mir hören!

Written by medizynicus

2. Juli 2015 at 07:23

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Appsoluter Quatsch

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“Hallo, Herr Doktor, darf ich stören?”
Nee, dürfende nicht, tunse aber trotzdem, also nicht mehr als fünf Minuten bitte, ja?
“Alles gut, Herr Doktor, ja? Ihnen geht es gut? Und das Wetter ist ja heute auch wieder….”
Ich setze meinen stechendsten Blick auf und bemühe mich um Pokerface.
“Was kann ich für Sie tun?”
“Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, Herr Doktor, Schmidt mein Name, Schmidt von der Firma… Sie wissen schon, also es geht mal wieder um das Holladiol, kennen Sie ja, ist ja das beste Medikament auf dem Markt, und seit der großen Studie…”
Demonstratives Gähnen. Demonstrativer Blick zur Seite. Tief durchatmen. Demonstratives Nesteln am Handy.
“…und genau das ist mein Stichwort, Herr Doktor, wir haben nämlich ein neues App entwickelt!”
“Ein…. was?”
“Ein neues App. Kennense nicht? Das sind doch diese kleinen….. Dinger, Sie wissen schon, wenn Sie so ein neumodisches Telefon haben, also so ein Smaaaaaaaaht-Fon, damit können Sie….”
“Ich weiß, was ein Smartphone ist!”
Außerdem bin ich jünger als Du. Idiot.
“…also, und da haben wir ein App entwickelt. Ein brandneues Holladiol-App.”
Das App?
“Wozu soll das gut sein?”
“Da erfahren Sie alles über Holladiol….”
Alles, was mich über diese Pillen sowieso noch nie interessiert hat?
Früher gab es zu diesem Zweck Broschüren und unhandliche Pappkartondinger, hochtrabend “Folder” genannt, die man mit gezieltem Schwung in den Papierkorb werfen konnte.
“Kann man das nicht auch anderswo nachlesen?”
Zum Beispiel in den guten, alten Medikamentenlisten, die das Gewicht von zwei bis drei ausgewachsenen Ziegelsteinen aufweisen und über einen beachtlichen Heizwert verfügen, sofern man einen Kamin besitzt. In der warmen Jahreszeit auch hervorragend als Drillanzünder geeignet. Und weil das so ist, gibt es die Dinger natürlich längst auch in elektronischer Form, als CD, im Netz und selbstverständlich auch als App. Wozu dann also eine spezielle Hollatiol-APP? Nur, weil die Konkurrenz auch eine eigene App hat? Als ob es nicht schon genügend sinnfreie Medizin-Apps gäbe, mit denen man den Bildschirm seines Telefons zukleistern könnte, wenn man wollte.
Ich habe noch keine App gefunden, die mir mehr Inhalte geboten hätte als Informationen, die man auch in zwei Minuten ergoogeln kann.
Egal. Die fünf Minuten sind herum. Herr Schmidt sitzt zwar immer noch auf seinem Stückchen, aber ich stehe schonmal auf und begleite ihn zur Tür. Tür auf, einladende Geste zum Flur…. Herr Schmidt versteht. Tür zu, Griff zur Kaffeetasse… Halt!
Irgendwas fehlt: das gewohnte “Klonk”, wenn man nach einem Vertreterbesuch das erhaltene Werbematerial unbesehen in die Rundablage befördert.
Dieser Klonk fehlt mir irgendwie.

Written by medizynicus

21. Mai 2015 at 12:59

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Was kostet eine Beleidigung?

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Sonntag Abend, das Wochenende ist fast zu Ende und ich bin irgendwo auf Schienen unterwegs.
Noch eine halbe Stunde lang im ICE, dann umsteigen in den Bummelzug und wenn alles gut geht, bin ich noch vor Mitternacht im Bett.
Geht alles gut?
Bislang haben wir sage und schreibe Null Minuten Verspätung. Und selbst wenn da noch irgendwas passieren sollte…. zum Umsteigen ist reichlich Zeit, also….
Also?
Irgendwer diskutiert mit der Schaffnerin. Worum es geht, weiß ich nicht und will ich auch gar nicht wissen, aber manchmal wird man einfach trotzdem unfreiwillig Zeuge von Dingen, die man gar nicht hören will.
Die Stimme gehört jedenfalls zu einem Mann, etwas lallend, vermutlich alkoholisiert, sehr agitiert, laut und aggressiv. Kurz zusammengefasst geht es wohl darum, dass der Typ behauptet, man habe ihm seine Fahrkarte geklaut und sein Ausweis übrigens auch, weshalb er ihn logischerweise nicht vorzeigen könne. Und damit es auch kein Missverständnis gibt, unterstreicht der gute Mann seine Aussage mit einem Schwall von Schimpfworten, die hier nicht zitiert werden sollen.
Dann ist Ruhe. Eine halbe Minute lang.
Es folgt eine Durchsage: „Falls zufällig ein Polizeibeamter an Bord sein sollte, möge er doch bitte in Wagon Nummero sieben kommen!‟
Es kommt aber keiner. Und wenige Minuten später halten wir dann planmäßig irgendwo an.
Schaffnerin und Übeltäter begeben sich nach draußen auf den Bahnsteig, wo zwei weitere Leute in Bahn-Uniform herumstehen. Es wird weiter diskutiert und weil diskutiert wird, kann der Zug natürlich nicht weiterfahren. Zwei Polizeibeamte tauchen auf und diskutieren jetzt mit und die Weiterfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit.
Die Schaffnerin erklärt, dass sie aufgrud der erlittenen Injurien jetzt Anzeige erstatten soll, der Übeltäter sitzt inzwischen ganz bedröppelt da und die Polizeibeamten beginnen, zu ermitteln. Also sie tun das, was Polizeibeamte auch im Krimi immer tun, nämlich erstmal die Personalien aller Beteiligten aufnehmen und weil das nun einmal dauert kann der Zug natürlich nicht weiterfahren.
Okay, okay, tut er dann irgendwann doch…
…Fünfundvierzig Minuten Verspätung…
….Anschlusszug natürlich weg…
…Eine Stunde lang auf nächtlichem Bahnhof auf den Nächsten warten…
Okay, okay, ich werd’s überleben..

Written by medizynicus

13. April 2015 at 01:04

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Mafia gründet eigene Klinik

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Palermo. Die Mafia wird in Kürze ein eigenes Krankenhaus für ihre Mitglieder und Kunden eröffnen. Dies verkündete Pressesprecher Luigi Corleone anlässlich der diesjährigen firmeninternen Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit vor den versammelten Regionalleitern der Ehrenwerten Gesellschaft.
Neben einer chirurgischen Abteilung mit Schwerpunkt auf Versorgung von Schuss- und Stichverletzung sowie Plastischer Chirurgie wird es auch eine eigene Station für Sterbehilfe und Deanimationsmedizin geben. Geplant ist weiterhin ein Forschungsinstitut zur Entwicklung neuer Deanimationsmethoden sowie das weltweit erste Ausbildungszentrum in dieser noch ziemlich neuen medizinischen Disziplin.
“Unsere Methoden haben unter medizinischen Dienstleistern und Versicherungen mittlerweile nahezu weltweit breite Akzeptanz gefunden!”, berichtete Luigi Corleone weiter, daher habe man auch keinerlei Berührungsängste in der Zusammenarbeit mit anderen Trägern der gesundheitlichen Versorgung.

Written by medizynicus

1. April 2015 at 08:35

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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