Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Archive for Januar 2016

Darf Online-Content Geld kosten?

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„Toller Artikel!“, schreibt der Olli und schickt mir einen Link.
Klicke ich drauf, auf den Link und schüttele den Kopf.
„Sorry, geht nicht!“, schreibe ich zurück.
„Warum nicht?“, fragt der Olli.
„Versteckt sich hinter einer Paywall!„, schreibe ich zurück.
„Musst Du halt zahlen!“, sagt der Olli, „Journalisten wollen auch leben!“
Hmmm, denke ich und klappe den Rechner zu.
Bin doch nicht blöd! Warum sollte ich Geld bezahlen, um diesen blöden Artikel lesen zu können?
Obwohl… früher, da habe ich das doch auch getan: Da bin ich mindestens einmal in der Woche zum Zeitungskiosk gedackelt und habe das Printmedium meiner Wahl erworben, das habe ich dann mit nach Hause genommen, gelesen und irgendwann einmal dann ins Altpapier gegeben.
Habe ich schon lange nicht mehr getan. Also, das mit dem Altpapier schon – kommt ja genug Papier ungefragt durch den Briefschlitz jeden Tag. Aber eine Zeitung oder eine Zeitschrift habe ich schon lange nicht mehr gekauft.
Bücher schon.
Ebooks so gut wie nicht. Obwohl ich einen Reader besitze.
Abends sitze ich auf dem Sofa und stöbere ein wenig im Netz. Fernsehen mag ich nicht so. Bezahlen dafür muss ich trotzdem, ob ich will oder nicht. Radio habe ich schon lange nicht mehr gehört. Muss ich trotzdem ebenfalls bezahlen, aber nur für die öffentlich-rechtlichen Sender. Die genau so schlechten Privatsender hingegen kriege ich gratis.
Guten Qualitätsjournalismus, kriege ich ebenfalls gratis; zum Beispiel Spiegel Online. Die Bild-Zeitung hingegen soll Geld kosten, wenn man sie am Rechner oder am Handy liest, aber das weiß ich nur gerüchteweise, die habe ich ja auch in der Papierform eher selten konsumiert. Die Süddeutsche kostet Geld, sowohl in der Papier- als auch in der elektronischen Form. Das Bad Dingeuskirchener Tageblatt auch.
Abonniert habe ich weder das eine noch das andere. Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben?
Den Artikel vom Olli kaufe ich trotzdem nicht.

Written by medizynicus

13. Januar 2016 at 19:22

Veröffentlicht in Nachdenkereien

Vom Bloggen damals und Heute

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Also, liebe Kinderchen, weil Ihr alle so schön artig seid, erzählt Euch Opa Medizynicus jetzt eine Geschichte. Also eine Geschichte von damals, aus der guten alten Zeit, die lange, lange schon vorbei ist…. Also, liebe Kinderchen, wisst Ihr, damals, in der guten Alten Zeit, da hatten die Telefone noch Schnüre manche hatten sogar Wählscheiben. Was eine Wählscheibe ist, wollt Ihr wissen? Äh… das ist…. ja, son Dings, was man heutzutage genauso wenig braucht wie Telefonzellen, die gab’s damals nämlich auch noch, aber ich schweife ab.
Ich will Euch nämlich vom Bloggen erzählen. Also vom Bloggen, damals, als es noch gar keine Blogs gab.
Damals, im letzten Jahrtausend, also als das Jahrtausend schon fast, aber noch nicht ganz fertig war, da ist plötzlich das Internet vom Himmel gefallen.
Da konnte man plötzlich eine Nachricht nach Amerika schicken innerhalb von Sekundenbruchteilen und viel billiger als mit den altmodischen Telefonen mit Schnur dran und Wählscheibe. Das ging damals natürlich noch nicht so einfach wie heute, aber es ging und das war so wahnsinnig toll, dass einem jedes Mal das Herz aufging, wenn der Rechner nach dem Einwählen (Wer erinnert sich noch an dieses Modem-Rauschen mit den charakteristischen „Zing-Zing“-Tönen dazwischen? Ach, was waren das für Zeiten….) das melodische „Pling“ von sich gab, welches den Eingang einer neuen Nachricht signalisierte?
Damals hat man sich noch über jede Mail gefreut. Spam gab es noch nicht.
Ja, und irgendwann einmal, ein bisschen später, da gab es dann so ganz coole Freaks, die haben sich ihre eigenen Webseiten gebastelt. Die hörten damals auf so coole Namen wie:

http://www.uni-sowienoch.de/user/student_053w4389w0/index.html
oder : http://www.toller-provider.com/user/private_site/7589237981hhkbjqbed/index.html

Und was stand da drauf auf diesen coolen Seiten?
Meistens ein paar Bildchen und ein bisschen Text: „Hallo, hier sieht man ein Bild von mir! Und das ist mein Haus, mein Auto, mein Hund und meine Katze!“
Besonders Katzen waren megacool. Das habe ich zwar nie verstanden, aber war halt so.
Meistens stand man da auf diesen Seiten mit seinem richtigen Namen: Man wollte ja gesehen werden. Pseudonyme trauten sich nur die ganz coolen.
Die Webseiten waren grundsätzlich handgestrickt.
Also, man hat eigenen HTML-Code gebastelt. Das Wissen konnte man sich vor Ort aneignen, im Netz, auf Seiten wie dem unsterblichen „SelfHTML“ (gibt’s die eigentlich noch? bin gerade zu faul zum googeln. Übrigens: Googeln ging damals auch noch nicht. Google gab’s nicht. Stattdessen suchte man bei Yahoo, Altvista und wie sie alle hießen..)
Die ganz coolen konnten auch übrigens Frames. Und die noch cooleren konnten sogar Skripts schreiben, aber das da hatte man oft das problem, dass die bei vielen Providern nicht funktionierten.
Solche privaten Webseiten – sie hat man sich einmal angeschaut, oder vielleicht auch ein zweites Mal, aber spätestens beim Dritten mal wurde es langweilig.
Wenn man wollte, dass die Besucher wiederkamen, musste man ihnen regelmäßig etwas Neues bieten.
Dazu gab es eine „What’s New‟-Link. Wenn man dahin klickte, fand man mal ein neues Katzenphoto oder auch ein Kochrezept oder hin und wieder sogar eine schöne Geschichte.
Geschichten aus dem Alltag…?
Geschichten aus dem Leben?
Ein paar Leute kamen auf die Idee, eine Art öffentliches Tagebuch zu schreiben.
Ein Netztagebuch oder Webtagebuch. So hieß das damals. Einige waren lustig, einige spannend, viele hingegen langweilig, manche nett, manche einfach so strunzblöd, dass sich einem die Nackenhaare aufstellten. Der HTML-Code war weiterhin handgestrickt, manchmal besser, manchmal weniger gut. Es gab Leute, die gut schreiben, aber nicht gut programmieren konnten. Und umgekehrt: Es gab Webtagebücher, an denen es an jeder Ecke blitzte und blinkte, aber die Inhalte waren eher flach.
Die Szene war klein und überschaubar. Man kannte sich. Man verlinkte sich. Man schuf „Webringe“ – also so eine Art Cliquen, die sich gegenseitig verlinkten. Ab und zu traf man sich auch im richtigen Leben.
Jedenfalls war es so etwas wie ein Ehrenkodex, dass man unter echtem Namen schrieb.
Kommentiert hat man im Gästebuche, hin und wieder, aber das war nicht die Hauptsache.
Ja, und dann plötzlich kamen die Blogs.
Anfangs gab es lange Diskussionen darüber, was ein Blog und was ein Webtagebuch ist, und natürlich gab es ganz gewaltige Unterschiede, aber die habe ich vergessen.
Die ersten sogenannten Blogs zeichneten sich dadurch aus, dass die Software von einem großen Anbieter stammte und dass man somit keinen eigenen HTML-Code mehr zu basteln brauchte und jederzeit und überall einen neuen Beitrag schreiben konnte, sofern man einen am Netz hängenden Computer zur Verfügung hatte.
Und das „am Netz hängen“ war damals durchaus wörtlich zu nehmen, denn auch wenn inzwischen die Telefone keine Schnüre mehr hatten, die Computer hatten schon welche und waren via Strippe mit dem telefonischen Festnetz verbunden.
Aber auch das ist ja bekanntlich längst Geschichte.

Written by medizynicus

4. Januar 2016 at 20:04

Veröffentlicht in Das Leben an sich

Ein Frohes Neues Jahr

with 2 comments

…auch wenn hier weitgehend Stille war: Euch allen ein Frohes Neues Jahr.

Ja: Medizynicus will weiter machen. Irgendwie. Nicht so wie vorher. Aber irgendwie schon.

Also, lasst die Korken knallen: Euch allen ein Frohes Neues!

Written by medizynicus

1. Januar 2016 at 00:00

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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