Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Christkinder

with 27 comments

Die Jungs vom Rettungsdienst haben sich verabschiedet und rollen ihre leere Trage in Richtung Ausgang. Schwester Gaby schaut ihnen eine halbe Sekunde lang hinterher, dann zuckt sie seufzend mit den Schultern, füllt noch ein paar Formulare aus und drückt mir das ganze Bündel dann in die Hand.
„Herzlichen Glückwunsch!“ sagt sie.
„Glückwunsch? Wozu?“
„Betrachte es als eine Art Weihnachtsgeschenk!“
„Geschenk?“
„Dein erstes Weihnachtsgeschenk in dieser Saison. Oder hast Du schon etwas bekommen?“
Ich schüttele den Kopf.
„Dann geh‘ mal rasch in Kabine zwei. Da liegt Dein Christikind!“
„Was ist denn ein Christkind?“ fragt Sarah.
Gaby stemmt beide Hände in die Hüften und schaut Sarah ein bißchen von oben herab an.
„Christkinder,“ sagt sie feierlich, „das sind die Eier, die wir in der Woche vor Weihnachten regelmäßig untergeschoben bekommen!“
„Eier?“
„Faule Eier!“ fügt Marvin hinzu.
„Pflegepatienten,“ sage ich leise, „meistens dement und multimorbid…“
„…und in der Woche vor Weihnachten geht es denen genauso gut und genauso schlecht wie an jedem anderen Tag.“ fährt Gaby fort, „aber die Familie ist der Ansicht, dass sie genau jetzt dringend ins Krankenhaus müssen.“
„Eigentlich eine traurige Sache…“
„Ziemlich traurig. Aber so ist das. Gehört nun einmal zu unserem Job.“
Ich nehme die Patientenakte und mache mich seufzend auf den Weg in Kabine zwo. Da liegt ein Bündel aus Haut und Knochen und starrt mit leerem Blick an die Decke.“
„Guten Tag!“ sage ich lauter als notwendig und fasse an das Handgelenk der Patientin. Ob sie mich gehört hat, weiß ich nicht.

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Written by medizynicus

20. Dezember 2010 um 05:14

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

27 Antworten

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  1. Die Bezeichnung „Christkinder“ kannte ich nicht. Für Außenstehende mag sich das grausam anhören – für die betroffenen Angehörigen ist es möglicherweise der letzte Ausweg bevor es zu Gewalthandlungen aus Überforderung kommt. Man kann nur froh sein, wenn man selber nicht in diese Situation kommt. Hier sind einige Einblicke aus Angehörigenperspektive.

    Noga

    20. Dezember 2010 at 07:47

  2. Ohja, das kenn ich ähnlich…wenn Ömchen ganz plötzlich so anders wird und natürlich unbedingt noch vor den Feiertagen einer stationären Untersuchung und Behandlung in der Psychiatrie bedarf.
    Bah, wie ich das hasse…

    Squirrel

    20. Dezember 2010 at 07:47

  3. so schlimm das klingt, aber ich kanns verstehen. als meine oma noch zu hause war und langsam der alzheimer sich ausbreitete, waren wir auch hilflos. wir haben sie zwar nie so weggegeben, ausser, als sie dann ins pflegeheim kam, aber schoene feiertage sind das nicht.. und im krankenhaus ist ja schliesslich das fachpersonal..

    Ich

    20. Dezember 2010 at 10:09

  4. Die Frage ist, was uns allen lieber ist? Kurzpflegeplätze im Pflegeheim sind rar gesäht und von Langzeitpflegeplätze reden wir besser erst gar nicht. Außerdem will die Gesellschaft gar nicht, dass wir jedes Öhmchen und Opachen in Pflege schicken.

    Will man dann nicht auch mal den pflegenden Angehörigen zugestehen, dass Sie wenigstens ein paar Tage im Jahr mal Luft für sich haben? Bei der heutigen Lebenswirklichkeit ist nunmal Weihnachten die einzige Zeit im Jahr, wo man die gesamte Familie sehen kann, die ansonsten in allen Himmelsrichtungen zerstreut ist. Und das möchte man doch auch bisschen genießen und nicht die schwer demente Oma ständig noch im Auge behalten.

    Es ist traurig für euch, da es eigentlich nicht eure Aufgabe ist. Das verstehe ich. Aber diese Medaille hat bekanntlich zwei Seiten.

    Der Maskierte

    20. Dezember 2010 at 10:16

  5. Einmal kurz untersuchen, 19222 anrufen und einen Krankenwagen für die Rückfahrt bestellen.

    Geht aber wohl nicht weil sich wohl immer irgendwas finden lässt und das Krankenhaus unbedingt abrechnen will … Krankes System.

    Phil

    20. Dezember 2010 at 12:09

  6. Das ist aber dann immernoch das Problem der Gesellschaft (ja, das klingt komisch) und nicht der Krankenhäuser.

    Das seit x Jahren bekannte Asthma, die Herzinsuffizienz, Demenz o.ä. ist bei einer 90-jährigen Oma halt nicht mehr krankenhauswürdig. Auch nicht an Weihnachten. Auch nicht wenn man doch mal in Ruhe unter’m Weihnachtsbaum sitzen möchte..

    Die Gesellschaft würde wohl gerne „jedes Öhmchen und Opachen in Pflege schicken.“, aber keiner will dafür bezahlen.
    Wenn jeder für gute Pflege bezahlen wollen würde, gäbe es solche Probleme nicht. Es gäbe auch nicht das Problem, dass die Pflege irgendwo überfordert wäre, wenn nach dem Leistungsprinzip bezahlt würde, weil es sich lohnen würde auch mal mehr Leute einzustellen..

    Graf Zeppelin

    20. Dezember 2010 at 12:11

  7. Ich verstehe natürlich auch die andere Seite…meine Oma mütterl. war dement, deshalb weiß ich um die Belastung. Und ich gestehe jedem Angehörigen zu, mit der Pflege überfordert zu sein und/oder die Feiertage ohne Oma/Opa planen zu wollen.
    Aber zum einen ist Weihnachten jedes Jahr um die gleiche Zeit, so dass man durchaus Möglichkeiten hat, sich rechtzeitig nach Alternativen umzuschauen. Und zum anderen ist ein Akutkrankenhaus einfach nicht zu diesem Zweck gedacht.

    Squirrel

    20. Dezember 2010 at 12:49

  8. @Graf Zeppelin

    Du sagst es, niemand will es bezahlen. Viele können es auch gar nicht. Welche Lösung bleibt den Leuten also sonst?

    @Squirrel

    Stimme ich dir vollkommen zu. Aber die Kurzzeitpflege-Plätze im Alten- und Pflegeheim sind schon oftmals lange zuvor ausgebucht. Es ist schlicht kein Platz für all die Fälle da. Und bei vielen auch nicht das Geld, das dafür notwendig ist.

    Traurig, aber wahr.

    Wie gesagt, die Medaille hat zwei Seiten. Auf der einen die Ärzte und Pflegekräfte für Akutmedizin, auf der anderen Seite die Angehörigen, die auch mal Weihnachten genießen wollen. Und in der Mitte ist der Mensch, der nicht mehr für sich selber sorgen kann und nicht erschossen werden darf – zynisch ausgedrückt.

    Der Maskierte

    20. Dezember 2010 at 14:31

  9. @Der Maskierte

    *seufz* Du hast ja recht…

    Squirrel

    20. Dezember 2010 at 14:47

  10. In dem Heim, in dem meine Mutter lebt, gibt es auch Kurzzeitpflegeplätze. Aber ich habe noch nicht erlebt, daß das Weihnachten wahrgenommen wurde. Die „Verhinderungspflege“ ist auf drei Wochen pro Jahr befristet. Das haben die leute im Dezember meist schon lang „abgegessen“. Es sind ja sehr oft die alten Ehepartner, die pflegen und selber schon gesundheitliche Beeinträchtigungen haben. Siehe auch mein Link beim ersten Kommentar.

    Abgesehen davon bemüht sich das Heim auch, an Weihnachten so vielen Mitarbeitenden wie möglich freizugeben, damit sie in ihrer Familie auftanken können.

    Noga

    20. Dezember 2010 at 14:55

  11. Schon mal darüber nachgedacht wer den Angehörigen die „ruhigen besinnlichen“ Festtage bezahlt? Du und ich und wer sonst noch als Gutverdiener in die gesetzliche einzahlt…

    Chriss

    20. Dezember 2010 at 15:33

  12. @ Chriss: Ich möchte das nicht nur unter ökomomischen Aspekten sehen. Drei Wochen Kurzzeitpflege / Verhinderungspflege sind für die meisten zu wenig. Es geht auch nicht um das „ruhige besinnliche“ Weihnachtsfest, sondern meist ist es eine Art Notbremse.
    Und rein ökomomisch ist das sogar noch günstiger, denn es werden einige Tagessätze Krankenhaus bezahlt. Das schiebt die Heimunterbringung meist raus, und ist somit insgesamt gesehen billiger.

    Aber ich denke, man sollte hier nicht nur die ökomomische Seite im Blick haben. Es ist die Spitze des Eisbergs, die sich in einer solchen Situation zeigt.

    Und ich weiß nicht, wie für die Angehörigen die Feiertage dann letztlich sind. Es kann auch mit sehr vielen Schuldgefühlen verbunden sein.

    Noga

    20. Dezember 2010 at 16:27

  13. Ich ziehe den Hut vor Angehörigen, die ihre dementen Eltern/Partner pflegen, aber diese „Christkind“-Lösung geht nicht.
    Drei Wochen Kurzzeitpflege sind zu kurz, um die Angehörige zur Ruhe kommen zu lassen? Wer glaubt denn hier ernsthaft, dass „Omma“ länger als ein paar wenige Tage in der Klinik sein darf?
    Ich bin die „andere“ Seite, die um Weihnachten oft im KH Dienst schieben durfte und so was war immer ärgerlich. Auch wir waren nur halb besetzt und die Menschen, die über Weihnachten im KH bleiben müssen, haben das in der Regel auch nötig und sind schon pflegeintensiv. Wenn dann noch ein paar „Christkinder“ dazu kamen, wurde man gar keinem mehr gerecht.
    Ich verstehe nur zu gut die Überforderung, aber es stellt für niemanden eine Lösung dar, wenn man das auf diesem Wege macht.
    Ja, Pflege ist teuer, aber das ist sie im KH auch. Wenn es zuhause nicht mehr geht, müssen andere Lösungsansätze her.
    Und was tut man denn den dementen Leuten an? Sie werden verschoben wie Möbelstücke, damit Weihnachten besinnlich und ruhig sein kann? Damit der Weihnachtsbaum dahin kann, wo sonst Oma/Opa sitzt? Bei „Christkindern“ hatten wir oft das gefühl, dass das Grund war. Wir hatten Patienten, die übers Jaht verteilt immer wieder kamen. Zu meiner Zeit waren wir auch mal bereit zuverhandeln, um Angehörige zu unterstützen. Dieses „mal eben vor Weihanchten“ kam gar nicht gut an und das Verständnis für die Angehörigen sank schnell in den Keller.

    golm1512

    20. Dezember 2010 at 16:52

  14. @dermaskierte: Das weiß ich nicht, ich bin auch kein Gesundheitsökonom. Ich weiß nur, dass dieses Abschieben von „schwierigen“ Angehörigen weder für’s Krankenhaus, das Gesundheitswesen noch für die Familie und die Angehörigen selbst das richtige ist.

    Da müsste dann ein Umdenken entstehen, dass man schon von vorne rein einen höheren Beitrag für Pflegeversicherungen o.ä. bezahlt. Sei es nach Solidaritäts- oder Subsidaritätsprinzip..

    Graf Nudu

    20. Dezember 2010 at 19:17

  15. Ja, ich merke das momentan im RettD und Krankentransport am eigenen Leibe…vor Weihnachten werden die Fahrten auf einmal mehr und mehr.

    Nicht nur, dass pflegende Angehörige ihre leute ins KH schicken,…nein,m auch die Altenheime wollen über Weihnachten leerer werden (wegen den Urlauben der MA.
    Und als wenn das nicht reichen würde, kommen die KHs mit ihren Entlassungen auch noch dazu…weil ja eigentlich niemand fittes über Weihnachten im KH liegen will…^

    Unser System!

    rettungsdienstblog

    20. Dezember 2010 at 19:57

  16. @Graf Nudu
    Den man sich aber auch leisten können muss.

    Natürlich ist die „Christkindlösung“ keine adäquate Lösung, und sicher sind unter den „Christkindern“ auch einige dabei, deren Angehörige es sich sehr wohl leisten könnten, eine Kurzeitpflege zu organisieren UND zu bezahlen. Gerade unter denen, die es sich leisten können, ist der Trend zum „Sparen“ und Ausnützen aller Tricks durchaus verbreitet. Und bei denen, die es sich wirklich nicht leisten können, sind die moralischen Hemmungen oft viel größer, gerade zu Weihnachten.

    Aber die Belastung kann wohl wirklich nur nachvollziehen, wer selbst in der Situation war, und deshalb mag ich keinen Angehörigen verurteilen, der so etwas mal macht.

    Bei meiner Mutter hat, allerdings nicht zur Weihnachtszeit, der Hausarzt die Notbremse gezogen und meinen Vater eingewiesen, weil er sah, dass sie physisch und psychisch am Ende war. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine solche völlig Erschöpfung gerade um Weihnachten herum einen pflegenden Angehörigen eher heimsucht. Den Platz im Pflegeheim, der parallel organisiert wurde, hat er dann leider nicht mehr gebraucht.

    drkall

    20. Dezember 2010 at 20:00

  17. @drknall: Ich stimme Ihnen zu. Mein Eindruck aus den Angehörigengruppen ist, daß gerade in der dunklen Jahreszeit November / Dezember die Erschöpfung sowie die eigene Isolation stärker wahrgenommen wird.

    Von daher greift es zu kurz zu sagen, die Oma ist genauso krank oder gesund wie sonst auch.

    Noga

    20. Dezember 2010 at 20:26

  18. Ihr seit euch aber schon klar, dass ihr über MENSCHEN redet und keine Dinge? (Noga ausgenommen.) Auch Ömchen und Opachen haben Gefühle und finden das bestimmt deprimierend, zu Weihnachten abgeschoben zu werden. Ich kann es aber verstehen, wenn Angehörige mit der Pflege mal restlos überfordert sind und eine sogenannte Notlösung suchen. Ich habe mich jahrelang um meine Parkinson-kranke Mutter gekümmert und bin darüber hinaus selber chronisch krank geworden. Aus dieser Perspektive weiß ich, dass Kranke oftmals nicht mehr als vollwertige Menschen akzeptiert werden. Und genau das lese ich aus obenstehenden Kommentaren raus.

    MSchnettel

    20. Dezember 2010 at 22:28

  19. @golm: Entschuldigung – das war mißverständlich. Natürlich bleiben die dementiell veränderten Angehörigen nicht drei Wochen in der Klinik. Ich wollte deutlich machen, daß manche zu der Notlösung ein paar Tage Klinik greifen, weil sie eben die drei Wochen Verhinderungspflege schon in Anspruch genommen haben und nicht mehr können.

    Und ich weiß auch, daß die meisten Kliniken noch nicht mal im Normalzustand auf die Bedürfnisse von Dementen adäquat eingehen können – wieviel weniger dann an schwächer besetzten Feiertagen.

    @drkall: Entschuldigung – ich habe Ihren Nick falsch gelesen.

    Noga

    20. Dezember 2010 at 23:05

  20. @noga: Ich habe das mit den drei Wochen erst kapiert als ich schon auf „Senden“ gedrückt habe.

    Nochmal: Ich habe ein riesengroßes Verständnis für die Angehörigen, aber dieses „Unterjubeln“ vor Weihnachten geht nicht. Auch nicht als Notlösung. Da geht dann die ganze Diagnostik-Maschinerie los und irgendwie geht es ja auch noch um den, der da im Bett liegt und sich nicht mehr äußern kann.
    Ich denke, Angehörige fahren besser, wenn sie mit offenen Karten spielen. Auch im Krankenhaus…

    golm1512

    21. Dezember 2010 at 09:24

  21. @Golm: Das sehe ich genauso. Ich wollte die Wahrnehmung der hier Mitlesenden nur etwas erweitern, weil es mir zu kurz greift, wenn man in solchen Fällen nur die „bösen Angehörigen“ sieht, die aus Bequemlichkeit und Vergnügungssucht (schöne Feiertagsgestaltung) ihren Kranken in die Klinik abschieben.

    Wie stellen Sie sich das mit „offenen Karten spielen“ im Krankenhaus in solchen Fällen vor?

    Ein Krankenhausaufenthalt für einen dementiell veränderten Menschen ist absolut besch… , wenn kein Angehöriger dabei sein kann. Da wird ganz schnell mal fixiert – auch ohne richterliche Genehmigung. Stichwort: Bauchgurt…

    Und wenn man das konsequent weiterdenkt, kann man fragen, was die schlimmere Form von Gewalt ist: Wenn ein überforderter Angehöriger dem Kranken eine scheuert oder wenn der in der Klinik per Bauchgurt fixiert – stundenlang in seiner Schei… liegt.
    Entschuldigen Sie, wenn ich mich hier so drastisch ausdrücke. Das ist eigentlich nicht meine Art. Aber nur so wird deutlich, wie das ganze System im Argen liegt und die pflegenden Angehörigen und der Kranke das schwächste Glied in der Kette sind.

    Noga

    21. Dezember 2010 at 10:00

  22. […] gesund bzw. krank sind wie in den Wochen davor oder auch danach. Die Diskussion darüber ist hier […]

  23. @noga: Wir gehen konform, dass dieses System bei Dementkranken völlig versagt.

    Ich kann nur von der Zeit vor ca. 10 Jahren reden. Da habe ich auf der neurologischen Station eines kleines Krankenhauses am „Rande des Wahnsinns“ gearbeitet. Wir hatten durchaus Patienten, die immer wieder kamen. Aus den o.g. Gründen. Wir haben uns hin und wieder darauf eingelassen, wenn die Leute 1. nicht notfallmässig eingeliefert wurden, sondern dann, wenn wir einen Platz hatten und 2. klar war, dass wir nur für ein paar Tage Minimalmedizin betreiben werden und denjenigen dann gut „aufgefüllt“ wieder entlassen können. Wenn wir wussten, dass wir den Angehörigen „nur“ eine Entlastung schaffen sollten, dann haben wir das auch ganz gern gemacht. Solche Gedanken sind heute aber wahrscheinich total abwegig…

    Zum Schluss habe ich auf einer Palliativstation gearbeitet und wir haben uns um die Leute, die wir nach Hause zum Sterben entlassen haben, auch weiter gekümmert. Wir waren rund um die Uhr anrufbar und haben ggf. auch Hausbesuche gemacht. Das war schon großartig und für Demenzkranke und Familien sicher wünschenswert, aber natürlich zu teuer und zu aufwändig. Schon klar, aber man kann ja mal ein bisschen vor sich hin spinnen.

    golm1512

    21. Dezember 2010 at 11:50

  24. Ist zwar ein anderes Thema, aber man müsste sich auch Mal wieder grundsätzlich Gedanken machen, welche Funktion ein Krankenhaus hat und erfüllen sollte..Die Budgetierung und Fallpauschalen sind der absolute Mist und führen bei Krankenhäusern eben zu der Praxis: Mache alles unter anderen Diagnosen und behalte den Patienten solange du darfst und schieb ihn ab, wenn du kein Geld mehr für ihn bekommst…Hat zur Folge,dass teilweise gesündere Patienten länger auf ner Station sind als kränkere,weil sie durch unnötige Diagnostik gejagt werden…
    Die Kurzzeitpflege wird ja auch nach Routine OP’s angewendet, weil alte Leute eben nach den von der Krankenkassen vorgeschriebenen 5-10 Tagen noch nicht wieder fit sind…Da hakt und krankt so einiges…Leidtragende sind eigentlich alle…Ärzte, Patienten und Angehörige…

    blogwesen

    22. Dezember 2010 at 08:38

  25. Das könnte man doch schon fast als Dienstleistung anbieten, i.S. eines Hotelartigen Pflegeheimes, das nie mit Langliegern besetzt wird. „Wir nehmen ihre Pflegefälle über die Feiertage“, so wie man Haustiere eben auch in Kurzzetpflege geben kann. Traurig, aber dann wären die KH wenigstens entlastet. Nicht, daß die Familien ihre Absichten zugeben würden… also vielleicht noch mit einem „Diskretion geboten“.

    arzt4empfaenger

    24. Dezember 2010 at 00:06

  26. @ Noga, fixieren ist nicht gleich fixieren. Klar hab ich auch schon von den Fällen gehört, die du meinst und es ist garantiert keine gute Lösung Menschen im Bett einfach anzubinden und stundenlang ohne richtige Pflege liegen zu lassen.
    Aber es ist auch einfach ultraschwer manchmal. Im Nachtdienst, weil die Leute den Rest ihrer inneren Ruhe mit der Abenddämmerung verabschieden und sich dann völlig ins Delir ergeben. Da kommen morgens die Angehörigen, wenn der Verstand wenigstens teilweise wieder da ist, oder die Leutchen wieder ruhig sind und beschweren sich über die Fixierungen. Was sie dann nicht wissen und meistens auch nicht hören wollen, ist das Oma oder Opa, die ganze Nacht höllisch schwierig war, aggressiv und sich ständig die Nadeln ziehen wollte oder es vllt auch zwischendurch geschafft hat.
    Was ist denn dann die Lösung, oder die Alternative? Mit Medis abschießen, die ganze Zeit daneben sitzen und alle anderen vernachlässigen oder sich teilen, wenn man evtl noch mehr solcher Schätzchen auf der Station liegen hat. Es ist ein Mensch und ich will jeden Menschen mit Würde behandeln, aber nachts um drei fehlt es irgendwann an Möglichkeiten, die man noch ausschöpfen kann.

    clarissa

    26. Dezember 2010 at 10:38

  27. […] Veröffentlicht am 24/12/2011 by Der Pfleger Es ist mal wieder Weihnachten. Die Christkinder wurden kurz vor Weihnachten noch aus den Krankenhäusern entlassen. Das schöne an dieser […]


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