Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Sex und Liebe zwischen Arzt und Patientin: die Stewardess, Robert und all die Anderen…

with 8 comments

Ein Kommentator hat es richtig erkannt: Die Geschichte von Frau D. war in der Tat nicht tagesaktuell. Es ist schon ein paar Jahre her und ich habe die Sache bewusst ein wenig aufgebauscht: aber ein wahrer Kern ist dran. Der wahre Kern, das ist: ein junger, unerfahrener Medizinstudent (ich) und eine ebenso junge und sehr attraktive Patientin. Ab und zu ein paar Blicke… eine flirtige Bemerkung… und mehr war nicht. Und es gab da einen Moment, in dem mir klar wurde, dass auch in Zukunft aus solchen Dingen niemals etwas werden darf. Zu groß ist das „Machtgefälle“ zwischen Arzt und Patientin, auch wenn sich mancher Arzt dessen gar nicht bewusst ist. Die Sache ist ein Tabu. Und zwar schon ziemlich lange: es ist bereits im hippokratischen Eid erwähnt. Aber natürlich gibt es Grenzfälle. Grenzfälle sind zum Beispiel Ex- Patienten oder Angehörige von Patienten. Oder Patienten, bei denen es wirklich nur um Banalitäten ging (etwa eine Schnittwunde oder Husten, Schnupfen, Heiserkeit…) Interessanterweise fehlen in Deutschland in der Tat verbindliche ethische Richtlinien. Die gibts nur im Bereich der Psychiatrie. In anderen Ländern ist man weiter – und rigoroser: In den USA und in Großbritannien zum Beispiel sind sexuelle Kontakte auch zu Ex-Patienten (und in den USA auch zu Angehörigen) strikt verboten. Dort gibt es auch verhältnismässig viel Literatur zu dem Thema. Im deutschprachigen Raum hingegen ist nur relativ wenig dazu geschrieben worden (morgen schicke ich ein paar Links).

Written by medizynicus

14. Juni 2009 um 18:11

Veröffentlicht in Gewissensbisse, Nachdenkereien

8 Antworten

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  1. Oha. Hast Du eventuell ne Quelle für dieses Verbot in UK/USA? Ich find grad auf die schnelle nur nen BMJ-Artikel dazu.

    lupo

    14. Juni 2009 at 19:54

  2. Es klingt, als würdest du Verbote direkt wollen?

    NK

    14. Juni 2009 at 20:15

  3. das ist der fieseste blogeintrag der ganzen welt… schnief… 😉

    kaeks

    14. Juni 2009 at 20:30

  4. @ Lupo: Welchen BMJ-Artikel meinst Du? Es gibt mehrere, u.a. eine Studie über die Situation in den Niederlanden von 1992. Solltest du diese als PDF vorliegen haben, wäre ich Dir dankbar, wenn du sie mir mailen könntest. Ansonsten gibts nur ein Editorial und ein paar Leserbriefe dazu.
    viel Material findest du auf der Seite des General Medical council http://www.gmc-uk.org

    medizynicus

    15. Juni 2009 at 07:54

  5. Naja, da hätten wir wenigstens die Erklärung warum niemand die Nachfolge des Inselarztes antreten möchte. So als Single dürfte das kein Zuckerschlecken sein. 😉

    Denis

    15. Juni 2009 at 09:49

  6. 30 Zentimeter :

    Limerence (auf deutsch nur insuffizient als „Verliebtheit“ übersetzt) bezeichnet den Tatbestand, dass man sich in jemanden „verliebt“, der einem hilft/geholfen hat.

    Hintergrund ist die 30cm-Grenze der menschlichen Psyche, die nur Ehepartner, Kinder, Eltern zu überschreiten erlaubt ist. Während für Kinder und Eltern eine moralische Bremse existiert (Inzucht), reagiert der Körper für andere, die diese Grenze normalerweise nur als Ehepartner überschreiten, mit liebesähnlichen Gefühlen.

    Anders als in früheren Zeiten überschreiten heute aber auch nicht-familiäre/nicht-sippen „Helfer“, z.B. med. Personal, Friseure, Polizei, Feuerwehr, Bademeister etc., zwangsläufig/berufsbedingt diese Grenze und rücken damit in den Bereich der „potentiellen Verliebtheitsobjekte“.

    Ist die Notsituation dann überwunden, so läßt die Verliebtheit sehr schnell nach.

    Für den Arzt/ die Krankenschwester/ den Therapeuten ist dies insofern problematisch, als er/sie selbst
    a) oftmals einsam ist und diese Situation nicht erkennt, bzw. nicht wahrhaben will
    b) auch er/sie sich in einer gewissen Notsituation befindet (man ist beruflich gezwungen dem Patienten erfolgreich zu helfen, wobei der Erfolg sehr stark von der Mitarbeit des Patienten abhängt, ergo: wenn der Patient mitspielt, ist dem Helfer geholfen -> auch er/sie „verliebt“ sich)

    Als Arzt oder sonstiger (med.) Helfer sollte man daher erkennen, dass Verliebtheitsgefühle gegenüber Patienten eigene Einsamkeit oder Hilfsbedürftigkeit widerspiegeln! Daher die Standesvorschiften, die seit Alters her eine derartige Verbindung untersagen!

    Was ist aber nun, wenn sich zwei Menschen, die sich auch sonst lieben würden, im Krankenhaus/in einer Notsituation kennen lernen???

    Machen wir’s wie die Igel: seien wir sehr sehr vorsichtig!

    der Landarsch

    15. Juni 2009 at 11:35

  7. @Landarsch: Danke für diesen sehr klugen Kommentar. In diese Richtung geht auch der sehr lesenswerte Artikel von Herrn Mäulen.

    medizynicus

    15. Juni 2009 at 11:55

  8. […] Die Stewardess, Robert und all die Anderen […]


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