Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Mehr Geld für Ärzte?!

with 9 comments

„Seid doch mal ehrlich: Ihr Ärzte verdient doch genug!“ sagt Schwester Anna, „Wenn so ein Hartz-4-Empfänger Euch beim Streiken zuschaut…“
„…dann soll der gerne meinen Job machen, wenn er dazu in der Lage ist!“ erwiedert Kalle.
„Wir Pflegekräfte streichen ja auch nicht unbedingt die Spitzengehälter ein.“
„Dafür haben wir auch mehr Verantwortung!“
„Ach komm! Was würdet Ihr denn tun, wenn Ihr uns nicht hättet?“
„Darum geht es doch gar nicht: Ihr fangt mit Achtzehn Jahren an, Geld zu verdienen. Okay, ich weiß, als Schülerin verdient man nicht viel, aber man kann sich damit über Wasser halten. Wir hingegen verdienen mindestens sechs Jahre lang keinen Cent…“
„…aber dafür anschließend um so mehr…“
„Mehr als Ihr schon. Aber wir brauchen auch mehr.“
Schwester Anna lacht.
„Ach, Du meinst, als Arzt muss man sich halt ein dickeres Auto leisten? Oder den standesgemäßen Freizeitbeschäftigungen frönen?“
„Nee, gar nicht. Aber wenn mein Auto kaputt ist, muss ich in die Werkstatt und werde dort ein Heidengeld los. Du kennst vielleicht irgendeinen Kumpel, der sowas für wenig Geld macht, ich nicht. Und wenn meine Wohnung nicht völlig verwahrlosen soll, brauche ich eine Putzfrau. Nach einer Sechzigstundenwoche habe ich nämlich einfach keine Zeit mehr für Haushalt. Das ist es: All diese vielen Kleinigkeiten, die eine Menge Geld kosten, wenn man keine Zeit hat, um sich darum zu kümmern! Und deswegen ist es auch richtig, wenn jetzt gestreikt wird!“

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Written by medizynicus

15. März 2010 um 07:14

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

9 Antworten

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  1. ich weiss nicht, iwie ist mir diese Schwester Anna nicht sympathisch.. hab das Gefühl, die hat immer was rumzumosern…
    Lg kroko

    krokofantilein

    15. März 2010 at 10:22

  2. „Du kennst vielleicht irgendeinen Kumpel, der sowas für wenig Geld macht, ich nicht.“
    Na klaaar… als Arzt hast du doch sicher nen Mechaniker-Patienen, der dir noch dankbar ist und das für umme macht.
    GANZ tolles Argument, sicher.

    (Ich habs beim letzten Ärztestreik schon gesagt: Bessere Arbeitsbedingungen für Ärzte – da bin ich dabei, das kommt schließlich allen zugute. Aber: NICHTS an den Arbeitsbedingungen ändern, nach wie vor lange, fehlerintensive, Dienste, ein menschenverachtendes hierarchisches System, und das ganze nur mit mehr Geld versüßen – ohne mich.)

    Benedicta

    15. März 2010 at 12:48

  3. Oh man, die Argumente von „Kalle“ sind ja mal ziemlich daneben.
    Als Pflegekraft benötigt man natürlich viel weniger Geld zum leben, hat total viel Zeit um sich um alles ausserhalb der Arbeit zu kümmern und kennt für jede anfallende Tätigkeit einen Bekannten, der das für wenig Geld leistet.

    Dafür wühlen wir uns täglich durch Exkremente, machen uns den Rücken kaputt, verdienen gemessen an unserer Arbeit einen Witz und sind die Deppen vom Dienst, denn wenn wir z.B. sagen „is nicht“ rennt Patient oder Angehöriger zum Arzt (sic!) und beschwert sich dort.

    Und dazu kommt, dass die meisten in der Pflege schlichtweg zu blöd sind, sich für die eigene Berufspolitik zu engagieren.

    Wie ich diese Diskussionen hasse…

    INTensivling

    15. März 2010 at 13:28

  4. Mein Eindruck ist, dass Ärzte vor allem an der vielfältigen und reichlichen Arbeitsbelastung leiden würden.
    Wenn das das Problem ist, sehe ich nicht, inwiefern mehr Geld eine Lösung darstellt. Außer vielleicht, wenn mehr Geld bedeutet, dass man mit weniger Arbeitszeit über die Runden kommt.

    Das mit dem Auto ist extrem weit hergeholt.

    NK

    15. März 2010 at 15:58

  5. klar, Ärzte verdienen erstmal nichts, und haben dann danch bescheuerte arbeitszeiten, aber wir Pflegende doch auch. Und wir sind den ganzen Tag am Patienten, die meisten Ärzte kommen kurz mal zur Visite vobei und das wars dann. Pflegende wühlen wie INTensivling schon geschrieben hat in Extrementen, mchen sich Rücken , Sehnen kaputt und sind immer die blöden. Wenn wir was nicht so machen wies dem Patienten passt, schupps sitzt der in der PDL und wir haben den Ärger.
    Gegenüber Ärzten gibt es von den Patienten nur selten mal nen „anschnauzer“.

    Das mit dem Auto ist echt bissle weit weg, ich kenn zb. niemanden der mein Auto wieder fit machen würde.

    Zum Thema Gewerkschaften/Streiks wenn die Pflege streikt, wer ist dann 24 stunden auf Station, macht Patienten sauber, lagert?
    Ärzte können immernoch in einer kleinen Notbesetzung die Notfälle versorgen, wenn die aber beobachtet werden müssen, machen das wieder wir. Die Ärzte gehen heim, bzw auf die Straße.
    Durch den Marburger Bund haben Ärzte mitlerweile ein wenig mehr Rückhalt. Leider sind von der Pflege nur sehr wenige in Gewerkschaften =( .

    vio

    15. März 2010 at 19:24

  6. Ich habe ein paar Tage im Krankenhaus als Patientin erleben „dürfen“ und muß ehrlich sagen, ich habe die größte Achtung vor allem medizinischen und pflegerischen Personal. Auf der einen Seite die große Verantwortung, aber auch der Streß bis hin zu erpresserischen Patienten.
    Es gibt viele Berufe, ohne die die Welt trotzdem ganz gut auskommen würde (meiner einegschlossen), aber niemals ohne Euch. Das sollte sich auch in den Arbeitsbedingungen und im Entgelt widerspiegeln.

    Nurpatientin

    15. März 2010 at 20:31

  7. Für mich darf jeder soviel verdienen wie J.Ackermann (8,2 Mio/per anno). Aber ich auch!

    Wenn ich mich aber daran erinnere, dass ich vor Jahren als Gast bei einer 75-Jahre Geburtstagsfeier in einem ***-Restaurant am Nebentisch eine Horde von Juppi-Bankern und Aktienhändler erleben musste, die sich – just for fun – mal eine 960.-DM teure Flasche weißen Dessertwein (für Kenner: Château d’Yqem) zum Steak bestellt haben (der Sommelier hat nur die Augen verdreht), dann kommt mir die Galle hoch: So viel Geld/Einkommen nur dafür, dass ich gutgläubigen Anlegern die Hucke voll lüge – und das auch noch ohne jede Gefahr einer juristischen Konsequenz!
    Ich bin gerne mit meinemn Einkommen zufrieden, wenn ein paar andere, die nur vom legalisierten Betrug leben, von ihrem etwas runterkämen!

    der Landarsch

    16. März 2010 at 16:56

  8. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie arm sich die Pflegekräfte hier darstellen.

    Ich bin auch für mehr Geld für Ärzte, denn alles andere medizinische Personal, vor allem in Praxen, leidet genauso unter der Unterbezahlung. Z.B. werden Berufe fast „wegreduziert“, weil sie nicht mehr bezahlbar sind, und durch minder- oder gar nicht qualifizierte Personen ersetzt.

    strahlung

    16. März 2010 at 18:42

  9. Ich finde es vor allem schade, wie sich hier mal wieder die beiden Gruppen selbst gegeneinander ausspielen. Ein Krankenhaus ohne Ärzte braucht kein Pflegepersonal, aber ohne Pflege können auch Ärzte kein Geld verdienen. Aber am wichtigsten. Solange sich Ärzte und Pflege immer schön selbst bekämpfen muss sich die Verwaltung keine Sorge machen, dass vielleicht einfach mal beide gemeinsam für besser Bedingungen kämpfen. Denn das hätte sonst vielleicht wirklich Aussicht auf Erfolg.

    Und das Argument man braucht als Arzt mehr Geld finde ich schon ziemlich arrogant. Und ich bin mit einem verheiratet. Klar je höher der Lebensstandart um so größer die Ansprüche, aber das als Begründung für eine Gehaltserhöhung finde ich doch traurig und ein Zeichen dafür, dass man den Bezug dazu verloren hat was das Leben so kostet. Denn Essen, Miete, Strom, Bezin …. sind für Krankenschwestern genauso teuer und auch die haben Überstunden und problematische Arbeitszeiten. Und sie können die Putzfrau nicht so toll wie ein gut verdiender Arzt von der Steuer absetzen.

    Und wenn ich nach 60 Stunden eine Putzfrau „brauche“, dann sollte ich vielleicht mal darüber nachdenken ob nicht eher die Verwaltung, der eigene Chef=Arzt oder das ärzliche Selbstverständnis daran schuld ist.

    Und vesteht mich nicht falsch, ich freue mich über jede Gehaltserhöhung, aber der Schwerpunkt sollte doch vor allem auf der Frage nach besseren Arbeitsbedinungen für alle liegen.

    Und die Frage warum gerade die die am nötigsten eine gute Gewerkschaft bräuchten am wenigsten organisiert sind, stelle ich mir auch immer wieder. Vielleicht weil sie nicht verstehen, dass man sich für seine Rechte selbst einsetzten muss. Der Chef wird es nicht freiwillig tun.

    aupairfamilienrw

    17. März 2010 at 13:27


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