Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Der Heilige Blinddarm (Teil 2)

with one comment

„Also, ich finde das irgendwie echt total Scheiße, was die da machen in Spelunkistan!“ sagt der Frieder und fährt fort: „Du kannst einem Menschen doch nicht einfach so Mir-nichts-Dir-nichts eine lebensnotwendige medizinische Behandlung verwehren!“
„Nee, das kannste so nicht sehen,“ wirft der Freddy ein, „das musste schon mal ein Stückweit differenziert betrachten: Du kannst doch nicht erwarten, dass ein Arzt gegen sein Gewissen, also ich meine, ey, so gegen seine ur-innerste Überzeugung handelt…“
„…und damit einen Menschen umbringt?“ Der Frieder verzieht das Gesicht zu einem Grinsen.
„Nee, weißte, vielleicht hat er doch einfach Recht!“ sagt der Freddy.
„Recht womit?“
„Also, ich meine ey,“ der Freddy räuspert sich, „vielleicht hat der Arzt da einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Vielleicht ist da einfach mal ein Patient nach einer Blinddarmoperation gestorben und dann…“
„Ich dachte, die hätten die weltbesten Chirurgen da in Spelunkistan!“
„Auch ein Weltbester Chirurg kann mal Fehler machen. Aber darum geht es ja gar nicht. Diesen esoterischen Flip-Floppern, denen ist der Blinddarm einfach heilig. Und ich finde, das sollte man respektiern. Echt jetzt…“
„Und zulassen, dass die ihre Patienten umbringen?“
„Die bringen ja niemandem um…“
„Sie verweigern eine lebensrettende Behandlung. Das ist unterlassene Hilfeleistung. Tötung durch Unterlassung. Wenn Du Dir sowas hierzulande leistest, dann bist Du dran!“
„Aber bei denen ist das halt anders. Der Blinddarm ist heilig. Ein Mensch ohne Blinddarm hat keine Seele mehr. Ein Mensch ohne Blinddarm ist nur noch eine leere Hülle und viel toter als tot…“
„ABer das ist doch Quatsch…“
„Nee, nicht für die Angehörigen der esoterischen Flip-Flops…“
„Wir drehen ums im Kreis!“
„Das ist immer so bei religiösen Debatten. Da kannste einfach nicht diskutieren. Das musst Du jetzt einfach mal so akzeptieren!“

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Written by medizynicus

28. September 2011 um 23:42

Veröffentlicht in Nachdenkereien

Eine Antwort

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  1. ..habe schon oft erlebt, dass wenn es am Ende doch um das eigene Überleben geht, vergisst man den pseudoreligiösen Quatsch.

    haubu

    5. Oktober 2011 at 14:13


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