Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Aroma-Diagnose

with 12 comments

Nicht nur Fusel-Franze müffelt. Viele Patienten tun das, gerade jetzt im Sommer. Und manchmal ist ein charakteristischer Geruch auch schon Teil der Diagnose oder zumindest eine wichtige Ergänzung zur Anamnese. Wonach also riechen unsere Patienten?

  • Alter Schweiß, Urin, Exkremente plus Tabak und Alkohol: – The Full Monty. Spricht für Obdachlosigkeit, Verwahrlosung, Alkoholabhängigkeit. Etwa Fusel-Franze.
  • Nur alter Schweiß, Urin und eine leichter Hauch von Exkremente ohne Tabak und Alkohl: – Das sind die älteren Leute, welche allein leben, sich selbst versorgen aber das mit der Hygiene nicht mehr so richtig auf die Reihe kriegen.
  • Schweiß und Deospray bzw. Parfum – Man kann auch sagen: Smells like Teen Spirit. Begleitende medizinische Diagnosen sind Knochenbrüche oder Verstauchungen oder gerne auch dramatisierte Bagatellverletzungen zur Unzeit.
  • Schweiß, Deospray und Erbrochenes – Nochmal Teen Spirit. Diesmal in angetüdelter Form, Zeh-Zwei-Intox und so. Interessanterweise ist das Alk-Aroma meist gar nicht so dominant
  • Ein Aroma, welches irgendwie an verbruzeltes Grillfleisch oder Spiegelei erinnert – so riecht’s manchmal im OP. Das ist der Elektro-Kauter, also das Ding, mit dem zur Blutstilung kleine Blutgefäße zusammengeschmort werden.
  • Schweiß, Sterilium und Mundgeruch – so müffelt der diensthabende Doktor am Ende eines Vierundzwanzigstundendienstes.

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Written by medizynicus

14. Juni 2010 um 08:04

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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12 Antworten

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  1. wie riecht denn ein Doc bei Dienstantritt?

    psychoMUELL

    14. Juni 2010 at 08:09

  2. […] Aroma-Diagnose – 14. Juni 2010 […]

  3. ein charakteristischer Duft fehlt beim diensthabenden Arzt… KAFFEE!

    ichbinines

    14. Juni 2010 at 10:15

  4. @ psychomüll: im besten Fall nach Kaffe, Zahncreme und Boss Bottled, im schlimmsten Fall wie nach dem Dienst – weil nach dem Dienst ist vor dem Dienst…

    @ Medizynicus: Da muß ich ein paar internistische Aromen einwerfen – selten, aber gefragt:
    1) Geruch nach frischer Leber: Knollenblätterpilz oder andere arten des Leberzerfallskomas. Kombiniert mit Zitronengelbem Teint

    2) Nach Urin aus dem Mund: Urämie (DD: Eigenharntherapie uäh)

    3) nach Knoblauch: a) nach Knoblauchgenuß; b) nach Phosphodiesterasevergiftung.

    4) in irgendeinem Roman hab ich gelesen, appendizitiden riechen nach faulen Äpfeln aus dem Mund. Kann ich aus Erfahrung nicht bestätigen.

    Lordmyschkin

    14. Juni 2010 at 11:40

  5. Fruchtig faulig riechts beim diab.koma…so wie manche nagellackentferner…
    Irgendnen keim muffelt nach lindenblüten…
    (selbst schon gerochen,beides)…
    Und zu guterletzt…das gute alte arsen,das n bittermandel foetor ex ore macht…

    4lph4

    14. Juni 2010 at 15:51

  6. Gabs nicht auch was, das nach Azeton roch?
    Das war doch… eine Vergiftung mit einem Pflanzengift? (Gefährliches Sanitätshelfer Halbwissen xD )

    schneckenhaeuschen

    14. Juni 2010 at 21:19

  7. War Azeton nicht eine Unterzuckerung? Meine da mal irgendwann, irgendwas von nem Rettungsassi gehört zu haben 😉

    blub

    14. Juni 2010 at 21:53

  8. Geruch nach Aceton, siehe diabetisches Koma -> bei Ketoazidose, die bei Diabetikern bei tatsächlicher oder „scheinbarer“ Unterzuckerung auftritt (weil entweder tatsächlich kein Zucker zum Verstoffwechseln für die Zellen da oder eben extremer Insulinmangel, so dass im Blut vorhandene Kohlenhydrate nicht in die Zellen geschleust werden können). Zellen fangen wegen Energiemangel an, aus Fetten sogenannte Ketonkörper zu synthetisieren, dazu gehört auch Acetoacetat -> deshalb Acetongeruch.
    Bewirkt insgesamt eine Übersäuerung des Körpers (Ketonkörper sind sauer), die der Körper respiratorisch mittels Hyperventilation auszugleichen versucht. Acetongeruch („nach Nagellackentferner“) verteilt sich also gut in der Umgebungsluft…

    BB

    14. Juni 2010 at 23:24

  9. Azeton ist das ketoazidotische Koma (Also ÜBERzuckerung) beim Typ I-Diabetes!

    und nicht Arsen riecht nach Bittermandel, sondern Zyankali.

    LordMyschkin

    14. Juni 2010 at 23:28

  10. Darf ich noch den klassischen Knoblauchduft anfügen? Entweder durch seeeehr gesundheitsbewusste Knoblauchkapseln Esser – oft in Funktion mit Deo-Untergebrauch oder durch eine übertriebene „Mittelmeer-Diät“

    Pharmama

    15. Juni 2010 at 08:53

  11. … und dann gibt es nicht nur Jugendliche, die im Aftershave baden, sondern auch erwachsene Männer und Frauen, die lieber „französisch duschen“ als Wasser dafür zu nehmen. Brrrr.

    Pharmama

    15. Juni 2010 at 08:54

  12. Jepp…zyankali…asche auf mein haupt :-)…und aceton..nagellackentfernermässig kommt echt fruchtig/faulig rüber…

    4lph4

    15. Juni 2010 at 16:30


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