Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Paul und die Bürokraten

with 3 comments

Anna hat da vorhin eine Geschichte erzählt, die mir irgendwie bekannt vorkommt. Denn merkwürdigerweise hat Paul ganz etwas ähnliches erlebt.
Wir erinnern uns: Paul ist der fleißige PJ-Student, der nicht nur ein bißchen zu oft (für meinen Geschmack) mit Jenny schäkert, sondern, das muss man ihm lassen, ein ziemlicher Blitzmerker ist.
Und jetzt ist er groß und stark geworden, hat sein praktisches Jahr beendet und sich fürs Examen angemeldet.
Das heißt, er wollte sich anmelden.
Aber irgendwie gab es ein Problem.
Völlig zerknirscht tauchte er eines Tages bei uns auf.
„Die wollen mich nicht zulassen!“
„Was ist los?“
Ich stelle einen Becher dampfende Krankenhauskaffeeplörre vor seine Nase.
„Die Papiere stimmen nicht!“
„Wie bitte?“
„Ich habe zu wenig gearbeitet!“
Nun kann man Paul ja eine Menge vorwerfen – dass er sich ein bißchen zu intensiv um gewisse Schwesternschülerinnen kümmert zum Beispiel – aber dass er zu wenig gearbeitet hat, das trifft nun wirklich nicht zu. Ganz im Gegenteil. Was er mir an Arbeit abgenommen hat, das geht auf keine Kuhhaut. Wenn ich das alles hätte selbst machen müssen…. Jungejunge.
„Also, jetzt mal Butter bei die Fische, wo drückt der Schuh?“
„Es geht um die Bescheinigung von der chirurgischen Ambulanz!“
„Aha?“
„Das war zu wenig!“
„Wie? Du warst doch einen ganzen Monat lang da!“
„Genau. Das war im Februar.“
„Und was sagen eure Vorschriften? Einen Monat lang müsst Ihr in der Ambulanz verbracht haben…“
„Dreißig Tage! Dreißig Tage lang ausschließlich und ganztägig in einer ambulanten Einrichtung. So ist die Formulierung!“
„Ja, und?“
„Der Februar hat aber nur achtzundzwanzig Tage!“
Ich schüttele den Kopf.
„Gib mal her!“
Er reicht mir das vom Chef unterschriebene Zeugnis. Anfangsdatum: Erster Zwoter. Letzter Arbeitstag: Achtundzwanzigster Zwoter.
Kurzentschlossen nehme ich einen Kugelschreiber und mache aus der letzten Zwei eine Drei.
„So, jetzt warst Du sogar zwei Monate in der Ambulanz!“
„Aber das ist doch… Urkundenfälschung…“
„Nix da. Willkommen im Leben! Ich hab doch genau gesehen, dass Du dich im März oft genug in der Ambulanz herumgetrieben hast!“
Paul sagt nix.
Aber sein Examen hat er trotzdem rechtzeitig ablegen können. Und was soll ich sagen? Natürlich mit Bravour bestanden!

p.s.: natürlich ist das hier alles erstunken und erlogen und in Wirklichkeit war es ganz anders! Ich werde doch wohl nicht in aller Öffentlichkeit eine Urkundenfälschung eingestehen!

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Written by medizynicus

20. Januar 2012 um 13:45

3 Antworten

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  1. Ich hatte sowas ähnliches bei einem 4 Wochen Praktikum
    Erster Montag letzter Tag Samstag (in einem Beruf an dem Sonntags nicht gearbeitet wird) -> 27 Tage Praktikum -> keine 4 Wochen -> so nicht gültig

    Blogleserin

    20. Januar 2012 at 15:24

  2. Nein, natürlich würde keiner von uns je irgendwelche Sachen bestätigen, die die Studenten so nicht geleistet haben. Niemals. Muss schon alles mit Recht und Ordnung zugehen. War bei uns ja auch nicht anders.

    anna

    20. Januar 2012 at 15:35

  3. *grins* Wer weiß, wie es wirklich gewesen ist. Das wissen nur „Paul“ (so er denn diesen Namen tatsächlich trägt) und du.

    VhG

    Andrea

    Andrea

    21. Januar 2012 at 23:36


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