Medizynicus Arzt Blog

Krankenhausalltag in der Provinz: Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Guten Morgen, hier ist der Martin!

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Die honigsüße Stimme passt nicht zu seinem Eigentümer.
„Wie geht’s Dir, Benno?“ säuselt es aus dem Telefon.
„Danke, gut!“
Die eigentlich obligatorische Rückfrage verkneife ich mir denn ich kann mir schon denken, was jetzt kommt.
„Ja, hier ist der Martin.“
Für Nicht-Insider: Martin Bückling, größtes Arschloch und Kollegenschwein unter der Sonne.
Ich grummele etwas, was mit viel gutem Willen als „Guten Morgen“ durchgehen könnte. Aber mein guter Wille ist begrenzt.
„Du, Benno, ich muss Dir was sagen!“
Na, dann schieß mal los. Angesichts der Tatsache, dass es vier Minuten nach acht ist und keine Spur des leibhaftigen Martin am Stationsflurhorizont braucht man nicht viel Phantasie um zu wissen, was folgt.
„Du, ich lieg mit neununddreißig Fieber im Bett!“
Er hustet einmal demonstrativ ins Telefon und ich halte das Ding instinktiv einen halben Meter weg vom Ohr, man weiß ja nie, wozu Martins Bazillen fähig sind.
„Und?“
Es folgt ein kolossaler Niesser.
„Kannst Du’s dem Chef weitersagen?“
Ich muss mich zwingen, nicht der Versuchung zu erliegen, das nicht zu tun. Unentschuldigtes Fernbleiben vom Dienst… ist das nicht ein Abmahnungsgrund?

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Written by medizynicus

4. Dezember 2012 um 12:07

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

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5 Antworten

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  1. Es gibt schon Urteile, dass – je nach Arbeitsvertrag – die ärztliche bescheinigte Arbeitsunfähigkeit ab dem 1. Fehltag dem Arbeitgeber beizubringen ist. Ansonsten ist das dann abmahnfähig. Je nach Arbeitsvertrag kann es aber auch bis zu 3 Tage „unentschuldigt“ – also ohne Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – OK sein.

    Wobei sich natürlich die Frage stellt: Darf sich Kollege Martin Bückling selbst (s)eine Arbeitsunfähigkeit attestieren?

    Gedankenknick

    4. Dezember 2012 at 16:09

  2. warum kann er das dem chef nicht selbst mitteilen?

    Menschenhandwerkerin

    4. Dezember 2012 at 21:26

  3. @Gedankenknick: entschuldigt oder unentschuldigt hat ja nichts mit einer AU-Bescheinigung zu tun.

    Unentschuldigt heißt: ich komme einfach nicht, ohne es meinem Vorgesetzten zu sagen
    Entschuldigt heißt: ich komme nicht und sage rechtzeitig vorher bescheid.

    Ab wann eine AU benötigt wird, regelt der Tarif- oder Arbeitsvertrag.

    Jan

    4. Dezember 2012 at 23:36

  4. Ehrlich gesagt finde ich es nicht besonders toll, wenn die vollgerotzten Kollegen ihre Keime schön im Büro verteilen bevor sie sich eine Woche in die Krankschreibung verziehen. Dann lieber gleich krank machen und mich nicht anstecken.

    flame81

    6. Dezember 2012 at 08:37

  5. @Jan: Wenn wir das ganze schon so auseinander dröseln, dann wollen wir mal festhalten – entschuldigen (also von der Schuld frei sprechen) kann immer nur der, dem ein Nachteil durch die Schuld entsteht. Man kann sich also beim Chef nicht selbst entschuldigen, und ein dritter kann einen sowieso nicht entschuldigen. Entschuldigen kann einen nur der Chef. Punkt. Man kann naürlich gerne um Entschuldigung bitten, oder einen Dritten damit beauftragen, für einen um Entschuldigung zu bitten.
    Aber selbst wenn ich (rechtzeitig) „Bescheid“ sage, und der Chef mein Verhalten und/oder meine Gründe eben nicht als entschuldigungswürdig befindet, fehle ich unentschuldigt. Da Kollege Bückling sich aber offensichtlich nicht einfach nur entschuldigen (lassen) wollte, sondern eine Erkrankung als Grund seines Fehlens angab, fehlt er krankheitsbedingt. Dies ist aber immer als juristische Entschuldigung zu werten (ob dem Chef das passt, oder nicht), vorausgesetzt es wird eine AU in der arbeitsvertraglich vereinbarten Zeit beigebracht. [Womit immer noch nicht geklärt ist, ob Kollege Bückling sich diese nun selbst ausstellen darf oder nicht.]

    @Menschenhandwerkerin: Na ganz einfach: Die Haue bekommt der Hiob – also sei nie Übermittler einer schlechten Nachricht! 😉

    Gedankenknick

    6. Dezember 2012 at 13:02


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