Trink, Briederchen, Trink! oder: Gesundheitsförderung auf russisch
Der Spruch ist zu schön um wahr zu sein:
„Damit die Leute es verstehen: Wer Wodka trinkt und raucht, hilft dem Staat.“ Indem jemand eine Packung Zigaretten rauche, trage er finanziell dazu bei, soziale Probleme zu lösen, führte der russische Finanzminister Alexej Kudrin nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax aus.
Okay. Erstens ist das Ganze vielleicht nur wieder so ein Urban Myth, welcher sich nach einer Agenturmeldung lauffeuerartig durch Presse und Internet verbreitet hat. Zweitens ist der Spruch wahrscheinlich irronisch gemeint und drittens bemüht sich Russlands Präsident Dmitri Medwedjew seit Jahren redlich darum, etwas gegen den übermäßigen Alkoholkonsum seiner Bürger zu tun.
Denn dass die Einwohner jenes riesigen Landes zwischen Kaliningrad und Wladiwostok diesbezüglich einen gewissen Ruf haben, ist ja hinlänglich bekannt.
Aber warum in die Ferne schweifen?
Steuern von Alkohol und Tabak sind auch für den deutschen Staat eine wichtige Einnahmequelle. Das ist kein Geheimnis und Lobbyisten dieser Wirtschaftszweige weisen uns mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder darauf hin, wenn es um Nichtraucherschutz geht. Denn eigentlich ist Nichtrauchen ja Steuerhinterziehung. Und fürs sozialverträgliche Frühableben gibt’s demnächst dann das Bundesverdienstkreuz.
Quellen:
Die Onlinesprechstunde – warum nicht auch in Deutschland?
Manchmal ist es peinlich, zum Arzt zu gehen.
Herr Krause ist ein Mann in den besten Jahren. Seit einiger Zeit klappt es nicht mehr so richtig im Bett. Dagegen helfen die berühmten blauen Pillen. Aber die sind rezeptpflichtig und jetzt fragt sich Herr Krause schon seit Wochen, wie er die Sache angehen soll.
Denn eines ist klar: Mit seinem Hausarzt möchte er darüber nicht reden. Nicht, dass Herr Krause dem nicht über den Weg trauen würde: im Gegenteil. Man kennt sich und vertraut einander seit Jahrzenten. Trotzdem: Schweigepflicht hin und her… muss der Hausarzt wirklich alles wissen?
Herr Krause hat sich belesen. Er weiß alles über die verschiedenen Mittel auf dem Markt, ihre Wirkungen und Nebenwirkungen und worauf man achten muss. Alles was ihm fehlt ist ein Rezept.
Im Internet tummeln sich tausende von mehr oder weniger dubiosen Versandhändlern, welche alle Arten von Potenzmitteln ohne Rezept zum Verkauf anbieten. Alles was man braucht ist eine Kreditkarte und eine gehörige Portion Leichtsinn.
Aber so blöd ist Herr Krause nun auch wieder nicht.
Lässt sich der der Arztbesuch also wirklich nicht vermeiden?
Würde Herr Krause in Großbritannien leben, dann gäbe es eine Alternative:
Eine große Apotheken-Kette bietet einen Online-Beratungsdienst durch echte Ärzte an. Alles ganz Easy: Auf der Webseite von Llyods Pharmacy kann man sich registrieren, dann füllt man einen Fragebogen aus und erhält – gegebenenfalls nach Rückfragen – ein echtes Rezept, welches man gleich einlösen kann. Die Tabletten kann man sich entweder per Post schicken lassen oder in der nächstgelegenen Filiale abholen.
Übrigens geht es hier längst nicht nur um Potenzpillen: Auch Reisemedikamente sind im Angebot sowie Verhütungsmittel und vieles mehr.
Ist das medizinisch bedenklich?
Oder gar moralisch verwerflich?
Unumstritten ist das Angebot nicht.
In Deutschland ist jede Art von Ferndiagnosen und Therapie durch Paragraph 7 der Musterberufsordnung für Ärzte grundsätzlich verboten. Allenfalls darf ein Arzt einem ihm persönlich bekannten Patienten telefonisch beraten.
Aber warum eigentlich?
Die von deutschen Ärzteverbänden immer wieder gebetsmühlenartig vorgebrachten Gegenargumente wirken seltsam antiquiert und sind eigentlich längst überholt.
Siehe auch:
p.s.: Herr Krause wird natürlich doch zum Arzt gehen. Er hat einen Urulogen gefunden, der weit weg am anderen Ende der Stadt praktiziert. Der Hausarzt wird von der ganzen Sache nichts erfahren. Und auch das ist wieder eine typische Eigenschaft des deutschen Gesundheitssystems…
Zum Doktor nur ohne Kopftuch!
In dieser Praxis herrscht Ordnung: ohne „Grundkenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift und Aussprache“ wird man hier nicht behandelt. Islamische Frauen mit Kopftuch müssen draußen bleiben. Und wenn sie „mehr als fünf leibliche Kinder“ haben, dann haben sie hier erst recht nichts zu suchen.
Unglaublich, aber wahr:
Ein Allgemeinmediziner aus dem hessischen Wächtersbach hat in seinen Räumlichkeiten ein drakonisches Regelwerk ausgehängt.
Es gehe nicht an, dass sich Patientinnen zur Behandlung erstmal „sieben Unterhosen ausziehen müssten“, äußerte er sich gegenüber der örtlichen Presse, da sei ihm halt einfach „die Hutschnur hochgegangen“.
Will er provozieren?
Oder ist er einfach nur genervt, desillusioniert, überarbeitet und ausgelaugt, wie so viele Hausärzte?
Wie auch immer. Längst hat seine Aktion überregional Wellen geschlagen und berechtigte Empörung hervorgerufen.
Allerdings ist ist zu befürchten, dass solch ein Vorgehen hier und dort doch klammheimliche Zustimmung findet.
Und jetzt stelle ich mir mal vor…
….also einfach nur mal angenommen…
…angenommen, ich packe meinen Koffer und ziehe in die Neuen Bundesländer – oder von mir aus auch irgendwo anders hin, jedenfalls in die tiefste, allertiefste Provinz: dorthin wo der größte Ärztemangel herrscht, wenn man unseren Funktionären glauben mag.
Und irgendwo da mache ich eine Praxis auf.
Vor der Praxis steht ein großes Schild:
„Skinheads und Neonazis ist der Zutritt zu diesen Räumlichkeiten verboten! Das Tragen Kleidung sowie Schmuck und jegliche Art von Accessoirs mit neofaschistischen Symbolen – auch in versteckter Form – ist in dieser Praxis nicht erlaubt. Im Falle von rassistischen Äußerungen wird umgehend vom Hausrecht Gebrauch gemacht. Falls Patienten oder Mitarbeiter angepöbelt, beleidigt oder beleästigt werden ist mit Anzeige und strafrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. „
Wie lange würde ich wohl überleben???
Via: Ärztezeitung.
Update: Ärztemangel… oder auch nicht…
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen stimmt Medizynicus zu und widerspricht dem jüngst veröffentlicheten Gutachten von Ärztekammer und Kassenärtzlichem Bundesverband:
„Wir haben mehr Fachärzte als genug und es gibt keinen seriösen Hinweis, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern würde. Probleme könnte es künftig bei Hausärzten geben, wenn nicht gegengesteuert wird. Deshalb fordern wir, dass sich alle Ärzte künftig nur noch in Regionen niederlassen dürfen, wo es einen echten Bedarf gibt. Überversorgung haben wir schon genug! Mit ihren Zahlentricksereien wollen die Ärztevertreter kein Problem lösen, sondern nur Jahr für Jahr milliardenschwere Honorarerhöhungen durchzusetzen. In wenigen Regionen brauchen wir mehr Hausärzte.“
Quelle: GKV-Spitzenverband
Aha, bei Hausärzten also doch… vielleicht… möglicherweise… in wenigen Regionen.
Was passiert?
Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen macht das sogenannte Problem zur Chefsache.
Was fällt ihnen ein? Ein paar halbherzige Förderungen mit viel Wenn und Aber, hatten wir alles schon.
In Niedersachsen will man Studierenden das Hausärztedasein schmackhaft machen.
Immerhin.
Wieder einmal Ärztemangel oder: Im Westen nichts Neues
Die Bundesärztekammer hat mit meinen Beitragsgeldern wieder mal eine Studie erstellt. Und was kommt dabei raus?
Richtig: Unserem Land droht der Ärztemangel. Schon mal gehört?
Dabei gibts hier so viele Ärzte wie fast nirgendwo sonst. Trotzdem Ärztemangel?
Ja, denn erstens werden wir immer älter und leben länger und zweitens kann man aufgrund des medizinischen Fortschrittes auch immer mehr tun. Auf gutdeutsch: Ärzte hätten demnächst viel mehr zu tun – aber ob auch genug Geld dafür da sein wird ist ein ganz anderes Thema.
Ja und dann: Unsere Zunft wird immer weiblicher und will außerdem immer weniger arbeiten.
Deswegen hauen sie alle ins Ausland ab oder verabschieden sich aus der kurativen Medizin. Und warum? Zu wenig Geld, zu hohe Arbeitsbelastung, immer mehr Bürokratie.
Und die Schlußfolgerungen:
An diesen Punkten muss folglich angesetzt werden, will man die Flucht von
Ärzten aus der kurativen Tätigkeit bremsen.
Ach, nee!
Die Studie kann man sich übrigens hier komplett runterladen, außerdem gibt’s natürlich quer durch die Presselandschaft diverse Artikel, z.B. auf SpOn.
Bloggertreffen in Köln: Sonntag, der 12.9 um 18:30 Uhr
Treffpunkt: 18:30 im „Woytons“ an der Hohen Straße.
Ist so eine Art Starbucks-Verschnitt (mit Free W-lan!) und liegt super-zentral, nur wenige Minuten vom HBF (nächste U-Bahn: Heumarkt. Neumarkt, Appellhofplatz und Dom/Hbf nur unwesentlich weiter und gut zu Fuß erreichbar)
Wer kommt?
Achtung: Abhängig von den Rückmeldungen können sich Ort und Zeit noch leicht verschieben, daher bitte auf jeden Fall eine Mail schreiben bzw. Email-Adresse angeben!
So, und hier nochmal der Link zum Lokal zum Mitschreiben: http://www.woyton.de/WOYTON-an-der-Hohe-Strasse.463.0.html
Klinikprivatisierung als Wurzel allen Übels?
Anfang 2006 wurden die beiden Uni-Kliniken von Gießen und Marburg zunächst vereinigt und dann privatisiert. 95 Prozent der Anteile gehören seither der börsennotierten Rhön-Klinikum-AG.
Rein wirtschaftlich gesehen war die Aktion ein Erfolg: Das Klinikum wirft inzwischen hohe Gewinne ab – was für ein deutsches Krankenhaus eher ungewöhnlich ist.
Von Ärzten, Patienten, Klinikangestellten und Lokalpolitikern hingegen kommt heftige Kritik:
- Nach der Privatisierung sei in großem Maße Personal abgebaut worden. Die Klinikleitung dementiert das jedoch
- Angestellte klagen über Überlastung, schlechte Arbeitsbedingungen und Überstunden, die nicht abgefeiert werden können.
- Wegen der schlechten Arbeitsbedingungen – und des schlechten Arbeitsklimas – sei die Personalfluktuation sehr hoch.
- Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, die Klinikleitung habe heimlich neue Berufskleidung mit eingenähten Chips angeschafft, wodurch Mitarbeiter überwacht werden können.
- Seit der Privatisierung häufen sich Klagen über Behandlungsfehler.
- Patienten klagen außerdem über unnötige und überflüssige Untersuchungen und Behandlungen
Jüngster Zwischenfall war der Tod eines 75-jährigen Patienten nach einer falschen Bluttransfusion. Angehörige des Patienten wehrten sich übrigens dagegen, dass die Klinikleitung die Sache als Fehler eines einzelnen Arztes darzustellen versucht.
Bloggerabzocke auf amerikanisch
Seit gestern schwappt wieder eine neue Abzocker-Debatte durch die Blogosphäre, ausgelöst durch einen Artikel bei netzpolitik.org.
Da gibt’s in Amerika eine Firma, welche Urheberrechte von Zeitungen und Zeitschriften aufkauft um Blogger, welche entprechende Artikel zitieren und verlinken verklagen.
Verlinken verboten? schreibt Rorkvell und fasst die Diskussion damit zusammen.
Also, bisher dachte ich immer, mit Links und Zitaten sei das so eine Art geben und nehmen, schließlich profitierten die verlinkten Seiten ja auch davon. Und ohne Zitieren – selbstverständlich korrekt mit Quellenangabe – wäre keinerlei wissenschaftliche oder politische Debatte möglich.
Dachte ich.
Aber man kann auch in Zukunft darauf verzichten, „etablierte“ Medien zu zitieren und in Zukunft nur noch solche Seiten verlinken, die einem vorher schriftlich zusichern, dass sie einen nicht verklagen werden.



