Medizynicus

Ein Arzt-Blog aus der Provinz. Zwischen Medizin und Satire, Ethik und Gesundheitspolitik

Blogparaden und Aktionen

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In der letzten Zeit häufen sich in den verschiedenen Blogs die Mitmachaktionen: Jemand schreibt einen Artikel, bittet um Meinungen in Form von Kommentaren und läd andere Blogger ein, ebenfalls einen Artikel zum selben Thema zu schreiben.
Das ist eigentlich nichts Besonderes. Genau das macht ja den Reiz des Bloggens aus.
Nun gibt es einige sehr gute Blogs, die aber kaum jemand kennt. Und andererseits gibt es mäßig gute Blogs, die aber in allen Hitparaden immer ganz toll abschneiden. Es gibt sogar echte Blogger-Nieten, die aber in den entsprechenden Listen immer ganz vorn stehen. Warum?
Das Zauberwort heißt SEO, diese schreckliche deutsch-englische Mischmaschabkürzung steht für „Search Engine Optimierung“. Es gibt einige gut besuchte (wen wundert’s?) Blogs, die sich genau dies zum Thema gemacht haben und hierzu mehr oder weniger freigiebig Tipps verteilen (Ein gutes SEO-Blog zeichnet sich übrigens dadurch aus, dass man es ohne weitere Hilfe schnell finden kann. Das liegt in der Natur der Sache, oder?).
Je mehr Links auf das eigene Blog zeigen, desto höher ist der „Rang“ bei Google & Co. Das ist allgemein bekannt.
Also buhlt man um Links: Links sind die heimliche Währung der Bloggerszene. Gibst Du mir einen, kriegst Du einen von mir.
Nun ist nicht jeder Link gleich viel wert. „Blogroll“-Links zählen weniger als Links in „richtigen“ Artikeln und Links in Kommentaren zählen fast gar nicht. Das Ganze ist eine Wissenschaft für sich.
Immer wieder in regelmäßigen Abständen taucht der Tipp auf, „Mitmachaktionen“ zu veranstalten. Klar: die Mitmachenden sollen natürlich zum Ursprungsbeitrag verlinken.
Doc Brown und Cheffe Monsterdoc sind diejenigen, die es am besten kapiert haben. Die Sache mit dem weltbesten Blogartikel (Ja, Medizynicus ist auch nominiert) ist noch so ein Beispiel. Und im weitesten Sinne waren auch meine beiden Einträge zum Freitag dem Dreizehnten und zu Gerüchen am Arbeitsplatz waren ja in gewisser Weise Versuche in diese Richtung…
Manche dieser Aktionen sind witzig und gut – andere eher flach, aber das muss jeder selber wissen, ich erspare mir daher, Beispiele anzuführen.
Für gute und witzige Mitmachaktionen – vor allem auch von kleineren, unbekannten Blogs – bin ich allerdings immer zu haben.

Geschrieben von medizynicus

15. November 2009 um 09:59

Freitag, der Dreizehnte: Was sind Eure medizinischer Super-GAU’s?

mit 9 Kommentaren

Heute ist es also wieder mal soweit.
Freitag der Dreizehnte und ich habe Dienst. Was mag da wohl in den nächsten Stunden alles auf unser schönes Bad Dingenskirchen zurollen?
Zum Beispiel:

  • Betriebsausflug des Altenheims. Auf der Rückfahrt landet der Bus im Straßengraben und wenig später laufen fünfzig multimorbide Senioren bei uns ein
  • Der Lastwagen mit Schweinegrippeimpfstoff verunglückt auf der Autobahn. Durch den Unfall mutiert das Zeug und wabert als krankmachende Wolke auf unser schönes Städtchen zu (Okay, ich hab viellicht zu viele Horrorfilme gesehen)
  • Die Maya hatten doch recht mit ihren Weltuntergangsszenarien, haben sich aber lediglich in der Zeit ein wenig vertan. Anstatt 2012 startet die Sache schon heute.

Was glaubt Ihr? Was kann heute noch alles passieren?

Na ja… vielleicht leiden aber auch die meisten Bad Dingenskirchener an Paraskavedekatriaphobie und bleiben stattdessen brav zu Hause. Hätte ich auch nichts gegen.

Geschrieben von medizynicus

13. November 2009 um 11:45

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Getaggt mit

Wie riecht’s an Eurem Arbeitsplatz?

mit 9 Kommentaren

Angesichts der angeregten Debatte über die olfaktorischen Eindrücke gewisser Patienten (Den Vogel abgeschossen hat übrigens Josephine mit diesem Kommentar) möchte auch einmal eine Frage in die Runde stellen: Welche Düfte umwabern Euch an Eurem Arbeitsplatz? Was riecht Ihr, wenn Ihr mit geschlossenen Augen tief einatmet?
Bei uns in der Notaufnahme ist das nämlich eine ganz eigenartige und irgendwie unverwechselbare Mischung:

  • Zunächst einmal ist da Sterilium. Sterilium, Sterilium und noch einmal Sterilium. Für Laien: Dabei handelt es sich um das sehr penetrant riechende Händedesinfektionsmittel auf Alkoholbasis. Aus gutem Grund hängen die entsprechenden Spender wirklich an jeder Ecke.
  • Dann ist da im Hintergrund irgendwo der Geruch nach Kaffee. Nicht der leckere, frische Kaffeeduft, wie er beim Frühstück durchs Schwesternzimmer wabert, der ist anders. Hier ist es der säuerliche Geruch von Kaffee, welcher stundenlang auf der Wärmeplatte der Kaffeemaschine vor sich hin geköchelt ist.
  • Schweiß. Das ist aber eher eine ganz leichte, untergründige Note – und kommt nicht nur von den Patientenzimmern her, sondern auch von den während eines langen Dienstes durchgeschwitzten OP-Hemden des Personals
  • Manchmal kommt noch der Geruch eines ganz bestimmten Putzmittels dazu, ist aber von der Tageszeit abhängig
  • Nachts bzw. in den frühen Morgenstunden riecht es nach Furz bzw. verbrauchter Luft
  • An bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten riecht es auch nach Betaisadonna (der jodhaltigen Wundsalbe bzw. Wunddesinfektionslösung). Der Betaisadonageruch ist noch durchdringender als der Steriliumgeruch, aber seltener.

….und jetzt: Ihr habt das Wort!

Geschrieben von medizynicus

12. November 2009 um 05:16

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Helau! Alaaf! Oink-Oink!

mit 3 Kommentaren

Nein.
Ich werde um elf Uhr elf nicht mit Schweinemaske, Mundschutz und Karnevalströte über die Station rennen und Karnevalslieder singen.
(Kollege Kalle würde so etwas vielleicht tun, aber der ist zum Glück in Urlaub)

Geschrieben von medizynicus

11. November 2009 um 11:11

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Schweinegrippe macht doof

mit 5 Kommentaren

Neulich in der Notaufnahme Bad Dingenskirchen.
Patient hat Halsweh, Fieber, trockenen Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, alles ganz plötzlich angefangen vor ein paar Stunden.
Liegt in der Notaufnahme in einem separaten Kämmerchen, hat einen Mundschutz bekommen, damit er seine Bazillen – Verzeihung, natürlich seine Viren – nicht allzu freigiebig an Personal und Mitpatienten verteilt.
Doktor M.: „Sooo, und jetzt machen Sie bitte mal den Mund schön weit auf….“
Patient: „AAAAAAA“
Unter seinem Mundschutz.

Geschrieben von medizynicus

11. November 2009 um 06:43

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Der Pharma-Weihnachtsmann: nicht jeder wird beschert

mit 4 Kommentaren

Meine Kollegin Sarah setzt ihren süssesten Hundeblick auf.
„Sag mal, könntest Du mir vielleicht einen Gefallen tun…“
Ich lege die Krankenakte und das Diktiergerät weg.
Natürlich, für Dich tu ich doch alles, denke ich, ähem…. fast alles.
„Das kommt darauf an!“ sage ich.
Sie lacht und tritt vor die Wand des Arztzimmers, wo unser Dienstplan hängt.
„Könntest Du vielleicht ein Wochenende mit mir tauschen?“
Ich nehme meine Kaffeetasse und folge ihr.
Sie deutet auf eine bestimmte Stelle an dem Plan. Okay, das Wochenende, welches sie mir zuzuschustern im Begriff ist habe ich natürlich längst verplant. Eigentlich schon seit Wochen, und zwar für eine Sache, auf die ich mich schon lange gefreut habe. Aber, wie schon gesagt, für Sarah…
Ich unterdrücke ein Seufzen und nicke.
Sarah strahlt. Sie nimmt einen dicken Filzstift, streicht ihre Initialen aus und schreibt meine hin.
„Darf ich fragen… ohne indiskret sein zu wollen…“
„Oh, natürlich darfst Du! Es ist ja kein Geheimnis!“
Sie greift in die Kitteltasche und holt eine Einladungskarte heraus. Die Farben und das Design kommen mir irgendwie bekannt vor.
„Holadiol-Symposium“, lese ich da, Florenz 2009.
„Reisekosten und Hotel werden von der Firma gezahlt!“ sagt Sarah stolz.
Mir fällt vor Schreck fast die Kaffeetasse aus der Hand.
„Wie kommst Du…?“
Sarah lacht.
„Ach, ich war gerade in der Ambulanz, als dieser Pharmareferent hereinkam. Er wirkte ein wenig enttäuscht. Er sagte, daß er sich von allen Leuten hier im Haus verschaukelt fühlt. Ich habe mich einfach nur ein wenig mit ihm unterhalten und versucht, ihn zu trösten. Und dann meinte er, er hätte noch eine Einladung zu dieser Koferenz, die war eigentlich für den Chef gedacht, aber weil er den nicht gefunden hat, hat er sie mir gegeben!“
Ich setze mich wieder an meinen Schreibtisch, nehme Akte und Diktiergerät und bemühe mich, möglichst gleichgültig zu werden.
„…und verbleibe mit kollegialen Grüßen, Name, Unterschrift. Punkt. Weiter gehts mit dem Entlassungsbericht von…“

Geschrieben von medizynicus

10. November 2009 um 22:00

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Der Weihnachtsmann von der Pharmaindustrie…

mit 5 Kommentaren

Da ist wieder so einer.
Etwas verloren steht er auf dem Flur herum: Schickes Sakko, polierte Schuhe und in der Hand ein Aktenköfferchen. Demütig und mit leicht gesenktem Kopf klopft er an die Scheibe des Schwesternzimmers.
„Guten Tag, ich hätte gerne den Herrn Chefarzt gesprochen…“
„Der ist unten in seinem Büro!“
Oder im OP. Oder in der Endoskopie. Oder in der Ambulanz. Wahrscheinlich war der Mann mit dem Köfferchen dort schon überall gewesen und hat ihn nicht angetroffen. Aber er läßt sich nichts anmerken. Bedankt sich freundlich und geht zurück in Richtung Treppenhaus.
Schwester Gaby schaut ihm eine Sekunde lang nach.
„Hallo, warten Sie…“
Er dreht sich um.
„Sie haben nicht zufällig ein paar Kleinigkeiten für uns?“
Der Köfferchenmann lacht kurz, langt in seine Tasche und fördert ein Bündel bunter Kugelschreiber hervor. „Holladiol Forte“ steht darauf.
Schwester Gaby bedankt sich, aber kaum ist der Köfferchenmann um die Ecke gebogen, da schüttelt sie den Kopf.
„Früher waren sie spendabler gewesen!“ sagt sie.
„Wieso?“ frage ich.
„Um diese Jahreszeit wären ja wohl mindestens ein paar Kalender fällig gewesen!“
„Oder ein paar brauchbare Bücher!“ meint Kollege Kalle.
„Von Kaffeemaschinen, Radios oder Uhren will ich ja gar nicht erst anfangen,“ fährt Gaby fort, „Und Aschenbecher brauche ich gar nicht erst zu erwähnen.“
„Na, da kann er doch nichts für, wenn seine Firma geiziger geworden ist.“
„Sein Pech.“
„Warum?“
„Wäre er spendabler gewesen, dann hätte ich ihm gesagt, wo er den Chef findet!“
Schwester Gaby grinst ihr fiesestes Grinsen.
„Der sitzt nämlich gerade hier auf Station im Schwesternzimmer und trinkt Kaffee!“

Geschrieben von medizynicus

10. November 2009 um 00:40

Die Berliner Mauer Homöopathisch…

mit 4 Kommentaren

Pharmamahat’s gefunden, den medizynischen Beitrag zum 20jährigen Mauerfall-Jubiläum:
Eine britische Pharma- (oder besser Quacksalber?-) bude verkauft zerbröselte und millionenfach verdünnte Berliner Mauer, als homöopathisches Arzneimittel. Hier zu bestellen. Wirkt angeblich gegen eingesperrt sein und Soziophobie. Also, so richtig in echt, keine Verarsche!
Was kommt als Nächstes? Zerbröselter Reichstag als Mittel gegen Logorrhoe? Man darf gespannt sein!
Also, ich schwöre nach wie vor auf die Kristallaurahokuspokustherapie.

Geschrieben von medizynicus

9. November 2009 um 19:54

Die Hausapotheke vom Medizynicus…

mit 4 Kommentaren

Was macht ein Doktor, wenn er mal krank wird? Versorgt er sich selbst oder belästigt er die Herren und Damen Kollegen? Und was ist, wenn man zufällig Zeuge eines Verkehrsunfalls wird, soll und muss man dann nicht mehr tun als einfach nur Erste Hilfe zu leisten wie man es in dem 8-Stunden-Kurs für den Führerschein gelernt hat?
Ich kenne Kollege, die zu diesem Zweck in ihrem Auto einen Ambu-Beutel und ein großes Arsenal an medizinischen Werkzeugen mit sich herumführen… und ich rede jetzt nicht von Rettungsdienst-Johnny, der hat sich bekanntlich nach und nach das komplette Inventar eines Rettungswagens zusammengeklaut.
Die Hausapotheke des Medizynicus hingegen ist klein und handlich und besteht aus der flachen kleinen Blechdose eines namhaften Hustenpastillenherstellers und passt damit in jede Kittel- und Hosentasche. Sie enthält, neben ein paar Exemplaren jener Hustenpastillen genau vier Tabletten Paracetamol, zwei Tabletten Ibuprofen 800, sowie Omeprazol, Imodium, Metoclopamid und eine zehner Valium. Sowie drei kleine Pflaster und ein Kondom. Ach ja, und dann noch eine Prise Koks, ein Tütchen Heroin und ein halbes Pfund Canabis.
Nee, das letzte war jetzt gelogen.
Aber Gummihandschuhe hab ich fast immer dabei, die sind auch praktisch wenn man mal am Auto was herumschrauben muss oder so, und wenn man eh quasi an der Quelle sitzt…
p.s.: und nochmal Gruss an Cheffe, von dem kommt die Idee.

Geschrieben von medizynicus

7. November 2009 um 23:05

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn

Arztkittel wissenschaftlich betrachtet

mit 10 Kommentaren

Der durchschnittliche Arztkittel bringt samt Kitteltascheninhalt 1,6 Kilogramm auf die Waage, haben Wissenschaftler festgestellt. Zwischen männlichen und weiblichen Kitteln… äh, Kittelträgern gibt es keinen statistisch signifikanten Unterschied, wohl aber zwischen Berufsanfängern – die schleppen sich halb tot – und Oberärzten, welche mit leichtem Gepäck über die Station schweben. Internisten tragen schwerer als Chirurgen, welche übrigens attraktiver sind als Internisten, aber nicht so attraktiv wie Filmstars.
Was tragen Herr und Frau Doktor in der Kitteltasche so alles mit sich herum? Abgesehen von Fluppen natürlich jede Menge Keime. Ziemlich eklig, was da in verschiedenen Studien rausgekommen ist!
Also hat man Ärzte und Patienten darüber befragt, ob weisse Kittel denn nun wirklich sein müssen. Den Ärzten wars eher egal, aber die Patienten stehen drauf.
Also machte man die Probe aufs Exempel. Eine randomisierte und kontrollierte Studie verglich verschiedene Outfits miteinander.
Erstaunlicherweise wirkten Doktoren, welche Jeans, Hawaii-Hemden oder Nasenringe trugen, eindeugig weniger Vertrauenserweckend. Eine der Fragen, welche Patienten beantworten sollten, lautete: „Würden Sie diesem Herrn einen Gebrauchtwagen abkaufen?“

p.s.: Dank an Cheffe Monsterdoc, der die interessante Frage in die Runde gestellt hat.

Geschrieben von medizynicus

5. November 2009 um 22:00